140.000 Sendungen am Tag!

Pakete am laufenden Band: Exklusivbesuch bei DPD in Hamm

Im Depot gibt es 251 Tore, an denen Pakete „ausgespuckt“ werden.
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Im Sekundentakt: Im Depot gibt es 251 Tore, an denen Pakete „ausgespuckt“ werden – aktuell 140.000 am Tag.

Satte 140.000 Pakete werden im DPD-Verteilzentrum in Hamm täglich verarbeitet. 251 Tore stehen für die Fahrer zur Verfügung. Wahnsinnszahlen! WA.de wurde jetzt ein exklusiver Einblick in den Standort im Inlogparc gewährt.

Hamm - Im Sekundentakt sausen die Pakete durch das riesige Gebäude am Osterböner Weg in Weetfeld. Aktuell sind es rund 140.000 Sendungen am Tag, die über die Bandanlage zu den Toren transportiert und von dort per Hand in die Sprinter und Lkw verladen werden. „Nur wenige Pakete bleiben länger als 24 Stunden im Verteilzentrum“, erklärt Standortleiter Heinz-Peter Gerwin.

Es ist gerade einmal zwei Jahre her, dass der Paketdienstleister DPD hier sein deutschlandweit größtes Depot eröffnet hat. „Zumindest von der Fläche her“, erklärt er. Im Depot in Erftstadt bei Köln werden momentan allerdings noch mehr Pakete umgeschlagen als in Hamm.

Eine Zeit lang waren es im Inlogparc bis zu 180.000 Pakete am Tag. Aber durch die Sommerferien und die Corona-bedingte Schließung von zwei Häfen in China habe es einen Knick gegeben. Spätestens mit Beginn des Weihnachtsgeschäfts nach den Herbstferien dürfte man die früheren Zahlen aber wieder erreichen, zeigt sich Gerwin zuversichtlich. An verkaufsstarken Tagen wie dem „Black Friday“ könnten es schnell auch mehr sein. Kurzzeitig könnten im Depot sogar 200.000 bis 220.000 Pakete am Tag umgeschlagen werden.

Alles im Blick: Von der Kommandozentrale aus überwachen Mitarbeiter den Betrieb im Verteilzentrum.

Beim Start im August 2019 lag das noch in weiter Ferne. Das Geschäft sollte langsam anlaufen, eine mögliche Erweiterung war erst für das Jahr 2024 anvisiert worden. Doch es ging schneller als gedacht: Bereits 2020 wurden 20 weitere Tore mit Beladetechnik angebunden, damit auch diese für die automatische Paketausschleusung und die Lkw-Beladung genutzt werden konnten. Und zum 1. Juli dieses Jahres habe man eine Fläche von rund 11.000 Quadratmetern für 120 Wechselbrückenstellplätze, also die Ladeträger der Lkw, in Betrieb nehmen können, so Gerwin. „Geplant war das zu diesem frühen Zeitpunkt ebenfalls nicht.“

Eröffnung DPD-Verzeilzentrum Hamm

Eröffnung DPD-Verzeilzentrum Hamm
Eröffnung DPD-Verzeilzentrum Hamm
Eröffnung DPD-Verzeilzentrum Hamm
Eröffnung DPD-Verzeilzentrum Hamm
Eröffnung DPD-Verzeilzentrum Hamm

DPD-Depot Hamm: Corona schob Online-Handel an

Mitverantwortlich dafür war der durch die Corona-Pandemie boomende Online-Handel. „Wir waren gerade einmal ein halbes Jahr am Start, dann kam Corona.“ Die Pandemie und das sprunghaft gestiegene Paketaufkommen seien für alle eine große Herausforderung gewesen. Gerwin: „Ich denke aber, dass wir das gut gemeistert haben.“ Dank eines strengen Hygienekonzepts habe es bislang auch keinen Corona-Ausbruch im Hammer Depot gegeben. Der hätte, so Gerwin, Auswirkungen auf das gesamte Netzwerk von DPD gehabt. „Und natürlich auf die Kunden, Versender und Empfänger in unserem Zustellgebiet.“

Nach Angaben des Standortleiters hat DPD einiges an Geld investiert, um einen Corona-Ausbruch im Betrieb zu verhindern. Bei allen Mitarbeitern – aktuell sind es rund 740 – wird weiterhin vor Betreten des Betriebsgeländes Fieber gemessen. Das gilt auch für Besucher. „Wer eine Temperatur von 38 oder mehr Grad hat, wird nach Hause geschickt.“ Auf dem Gelände selbst kontrolliert ein Sicherheitsdienst, ob die Mitarbeiter einen Mund-Nase-Schutz tragen. Gerwin: „Tun sie dies nicht, werden sie auf ihre Pflichten hingewiesen.“ Zudem gebe es etliche Desinfektionsmittel-Spender und für jeden Kollegen zwei Schnelltests pro Woche. „Und 50 Mitarbeiter haben sich in Zusammenarbeit mit dem Werkarztzentrum vor Ort impfen lassen.“

Vollautomatisch: Jedes Paket wird gescannt und dann auf seine Reise durchs Verteilzentrum geschickt.

DPD-Depot Hamm: allein 7,5 Kilometer Förderband

Viele von ihnen arbeiten im „Herzstück“ des Depots, der Umschlaghalle. Fast rund um die Uhr herrscht hier ein emsiges Treiben. Die ersten Stunden des Tages werden dazu genutzt, um die technischen Anlagen, darunter allein 7,5 Kilometer Förderband, zu warten. „Wir haben dafür zehn Techniker im Einsatz“, so Gerwin.

In der Nacht kommen zudem die Lkw mit Paketen von den anderen Depots aus ganz Deutschland. Zwischen 5 und 8 Uhr werden diese dann sortiert und in die Sprinter für das Zustellgebiet, das bis nach Dortmund und ins Sauerland reicht, geladen. Aktuell sind das rund 40.000 Pakete. „Unsere Kapazität liegt aber bei 50.000 Paketen am Tag“, erläutert Gerwin. Der Standortleiter spricht hier vom sogenannten „Eingang“. Rund ein Viertel dieser Pakete gehe direkt auf Wechselbrücken zu den Amazon-Lagern, der Rest mit den Sprintern zu den Kunden im Zustellgebiet. „Das sind aktuell etwa 220 bis 240 Sprinterfahrten am Tag.“

Um 10.30 Uhr beginnt die „Zwischenschicht“ für den Paket-Ausgang. Zu Dutzenden fahren die Lkw mit ihren Wechselbrücken vor. Im Durchschnitt fassen sie etwa 500 Pakete. Auch sie werden nach der Entladung, ähnlich wie beim Eingang, gewogen und gescannt und über die Bandanlage zu den Beladetoren transportiert. Das alles passiert vollautomatisch und mithilfe eines Barcodes. „Dadurch erkennt die Anlage, wohin die Pakete müssen.“ Bis zu 17.500 Pakete schaffe sie in der Stunde.

Viel Platz: Bis zu 120 Wechselbrücken kommen auf der neuen Stellfläche unter.

DPD-Depot Hamm: ohne Menschen geht es nicht

Doch trotz moderner Technik: Ganz ohne Menschen geht es nicht. Zu sperrige oder zu schwere Pakete mit mehr als 31,5 Kilogramm Gewicht, Sendungen mit einem nicht lesbaren oder nicht vorhandenen Barcode sowie kleine Pakete, die nicht viel größer als ein Brief sind, werden automatisch aussortiert beziehungsweise kommen erst gar nicht auf die Bandanlage. An bis zu 15 separaten „NiO“-Arbeitsplätzen – NiO steht für „Nicht in Ordnung“ – werden die nicht scanbaren Pakete nachbearbeitet und erhalten ein neues Barcodelabel. Gerwin: „Es kommt auch vor, dass sich Pakete verhaken und ein Stau entsteht.“ Der müsse dann manuell aufgelöst werden.

Insgesamt ist das Verteilzentrum in einer H-Form konzipiert und besteht aus vier „Fingern“. Die Laufstrecke vom Anfang eines Fingers bis zum Ende des gegenüberliegenden Fingers beträgt 400 Meter. Um möglichst schnell zu sein, kommen dabei für die jeweiligen Schichtverantwortlichen E-Roller zum Einsatz. Die Überwachung der gesamten Anlage erfolgt von der „Kommandozentrale“ aus, die alles im Blick hat. „Sobald die Mitarbeiter via Bildschirm einen Paketstau feststellen, wird ein Kollege zu der entsprechenden Stelle geschickt.“

Die „Zwischenschicht“ endet um 14.30 Uhr, eine weitere Paketausgangs-Schicht geht von 15 bis 23.30 Uhr. Danach sollte die Halle – weitgehend – leer sein und sich die Pakete auf den Weg zu ihren Bestimmungsorten befinden. Neben den 77 weiteren DPD-Depots sind das auch Zentrallager in anderen Ländern. „Von Hamm aus gehen Pakete in Hauptumschlagsbetriebe nach Frankreich, Belgien, Österreich, Spanien, Italien sowie in die Niederlande.“ Die Kapazität im Ausgang liege eigentlich bei bis zu 130.000 Paketen am Tag. Aber in absoluten Spitzen werden sicherlich auch 150.000 bis 160.000 Pakete die Anlage während der Ausgangsschicht durchlaufen. Aktuell seien es 100.000.

DPD-Depot Hamm - Zahlen und Fakten:

  • Bauzeit: rund 18 Monate
  • Inbetriebnahme: 7. September 2019
  • Investitionsvolumen: rund 50 Millionen Euro
  • Grundstücksfläche: 122.000 Quadratmeter (rund 16 Mal größer als das Spielfeld im Signal-Iduna-Park in Dortmund oder in der Veltins-Arena auf Schalke)
  • Arbeitskräfte: aktuell 740
  • Tägliche Paketmenge: aktuell 140.000 am Tag, ab Herbst vermutlich wieder bis zu 180.000, kurzzeitig auch 200.000 bis 222.000 am Tag möglich
  • Bandanlage: 7,5 Kilometer
  • Zustellgebiet (Eingang): Dortmund, Hamm, Unna, Soest, Arnsberg, Sundern, Menden

DPD-Depot Hamm: bis zu 280 Sprinterfahrten am Tag

Nach den Wartungsarbeiten kurz nach Mitternacht geht der Betrieb mit dem Beladen der Sprinter wieder von vorne los. 235 der insgesamt 251 Tore stehen ihnen zur Verfügung. In Spitzenzeiten, wenn es bis zu 280 Sprinterfahrten am Tag gibt, müssen sich Fahrer Tore teilen. „Um nicht zu lange warten zu müssen und pünktlich loszufahren, helfen sie sich gegenseitig beim Beladen.“ Nach Ende der Tour kommen die Sprinter wieder ins Depot zurück. An Bord sind dann die Retouren, also Pakete, die nicht zugestellt werden konnten, sowie die bei Versendern und in den Shops abgeholten Pakete.

Für die Retourenabwicklung stehen den Fahrern vier separate Tore zur Verfügung. Die retournierten Pakete werden dann nach Möglichkeit am nächsten Tag zugestellt. „Die Abholpakete gehen taggleich in die Weiterverladung.“

Standortleiter Gerwin will nicht ausschließen, dass DPD, sollte das Paketaufkommen weiter ansteigen, das Depot im Inlogparc noch einmal erweitert. Dazu bräuchte man aber zusätzliche Flächen. Denn neben weiteren Toren benötige man auch Stellflächen für zusätzliche Wechselbrücken. Akut seien diese Überlegungen aber noch nicht.

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