Opfer aus Bockum-Hövel meldet sich

Pädophiler Kaplan in Hamm: Missbrauch in der Skifreizeit

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Symbolbild

Hamm - Die Spur führt tatsächlich nach Bockum-Hövel. Der 2007 verstorbene Kaplan Heinz Pottbäcker, dem aktuell im Bistum Münster eine Vielzahl von Missbrauchsfällen vorgeworfen werden, hat sich offenbar auch an Jungen aus dem Norden Hamms vergangen.

Eines seiner mutmaßlichen Opfer meldete sich aufgrund der WA-Berichterstattung in der Redaktion. 50 Jahre lang hatte niemand die Geschichte des heute 57-Jährigen hören, geschweige denn an sie glauben wollen. Auch seine eigene Mutter nicht (siehe unten).

Es geschah demnach im Winter 1970/71. Heinz Pottbäcker war da bereits seit gut zwei Jahren in Bockum-Hövel tätig. Der Geistliche hatte unter anderem die Zeltlager für die Messdiener, die jeweils in den Sommerferien für vier Wochen im sauerländischen Wenholthausen (bei Eslohe) stattfanden, begleitet. 60 bis 70 Kinder, überwiegend Jungen, aus den Gemeinden Christus König und St. Pankratius nahmen daran teil.

In der Gemeinde beliebt

Pottbäcker war damals Kaplan in Christus König - offenbar beliebt und im Ort gut angesehen. Auch in der Familie seines heute 57-jährigen Opfers. Pottbäcker war dort ein gern gesehener Gast und wurde häufig zum Mittagessen eingeladen.

Offenbar wusste niemand in der Gemeinde von den pädophilen Neigungen des Geistlichen und davon, dass er im Mai 1968, einen Monat vor seiner Versetzung nach Bockum-Hövel, wegen einer Missbrauchstat in Waltrop vor dem Landgericht Bochum zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war.

Im Intimbereich begrapscht

Im Winter 1970/71 führte Pottbäcker mit den Messdienern eine Skifreizeit durch. Eine Woche ging es ins österreichische Innsbruck, wo die Bockum-Höveler Gruppe in einer Jugendherberge einquartiert war. Schon früher, so erzählt sein Opfer, das damals elf Jahre alt war, habe sich ihm der Kirchenmann genähert. Unangenehm sei das gewesen, und er habe nicht gewusst, wie er darauf hätte reagieren sollen.

An einem der Abende in Innsbruck sei der Kaplan dann zu ihm ins Bett gestiegen. Der damals 33-Jährige habe ihn unter der Decke im Intimbereich begrapscht. Aber das habe er nicht mit sich machen lassen. „Ich habe ihm eine Ohrfeige gegeben. Und zwar eine richtige. Daraufhin ist er dann weggelaufen.“

Selbst die Mutter beschwichtigte

Wieder zu Hause angekommen, vertraute er sich seiner Mutter an. „Aber die glaubte mir nicht. Dem Kaplan sei bestimmt nur kalt gewesen, hat sie gemeint.“

Jahrzehntelang sprach der heute 57-Jährige, der weiterhin in Bockum-Hövel zu Hause ist, nicht über den Übergriff. Als er nun aus dem WA erfuhr, dass Pottbäckers Taten systematisch vom Bistum vertuscht worden waren und er auch bei seiner nächsten Station in Rhede (1971 bis 1973) Jungen missbraucht hatte, kamen die Erinnerungen wieder in ihm hoch. Seine Befürchtung: Er war nicht das einzige Bockum-Höveler Opfer des Kaplans.

Ob er sich beim Bistum Münster, das sich derweil um eine schonungslose Aufklärung der Vorfälle bemüht, melden wird, hat der 57-Jährige noch nicht für sich entschieden.

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