Friederikes Erbe: Darum sind die Hammer Wälder noch immer gesperrt

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Mindestens bis zum 25. März bleiben die Wälder für Spaziergänger und Jogger gesperrt.

Hamm - In Hamm fallen die Bäume schneller um als anderenorts in NRW. Schuld daran ist unter anderem der hohe Grundwasserpegel.

Weil’s so ist, bleiben alle 1.800 Hektar Wald im Stadtgebiet in Folge des Sturmtiefs Friederike bis mindestens zum 25. März gesperrt

Zwei Monate ist es her, dass Friederike über NRW hinwegzog. Auf den Tag genau elf Jahre nach dem Jahrhundertorkan Kyrill schien der Vier-Stunden-Sturm auch in Hamm zunächst kein flächendeckendes Trümmerfeld hinterlassen zu haben. 

Dieses Bild wird nun von der Stadt korrigiert: Ähnlich massiv sei der Wald beschädigt worden wie eben durch Kyrill, sagt Kirstin Nieland, Diplom-Forstwirtin und seit elf Monaten unter anderem als Wald-Beauftragte im Hammer Umweltamt beschäftigt. 

Sturmtief Friederike in Hamm

Viele tausend Bäume seien durch Friederike entwurzelt worden oder hätten Ast- und Kronenbrüche erlitten. Und das flächendeckend, übers gesamte Stadtgebiet verteilt. Die genaue Zahl könne derzeit noch niemand bestimmen, so Nieland.

Feststehe: Die Hälfte der Bäume sei unmittelbar während des Sturms gekippt, die andere Hälfte in der Zeit danach. Und diese sei auch heute noch nicht vorbei

Eiche und Kiefer stehen instabil 

Weil in Hamm das Grundwasser – vor allem bedingt durch den Bergbau und die geologischen Gegebenheiten – viel höher steht als in anderen Landesteilen, haben Pfahlwurzler wie die Kiefer und Herzwurzler wie die Eiche oder die Buche in Hammer Wäldern einen vergleichsweise instabilen Stand. 

Ihr Wurzelwerk kann nicht so tief ins Erdreich greifen – die Folgen werden bei jedem Starkwindereignis greifbar. Sprich: Die Bäume fallen schneller um. Ferner wurden auch in Hamm in früheren Jahrzehnten, weit bevor der „saure Regen“ in aller Munde war, großflächig „falsche“ Baumarten angepflanzt.

Falsche Bäume in unseren Wäldern

Die amerikanische Roteiche zum Beispiel, die zwar wärmere Temperaturen gut verträgt, sich dafür aber als – wie man heute weiß – anfällig für Pilzbefall entpuppt hat. Im Pilsholz stehen viele Roteichen dieser Art – oder spätestens seit Friederike eben nicht mehr. 

Die Beseitigung der Schäden in den Wäldern ist bei weitem noch nicht abgeschlossen. Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW hatte die Schadensanalyse durchgeführt und ist auch verantwortlich für die Sperrungen. 

Sperrungen sind nicht sichtbar, Wälder bleiben tabu

Zu sehen ist davon übrigens nichts. Lösungen per Warnbeschilderung oder Flatterbändern wären zu aufwändig gewesen, beziehungsweise dort, wo Absperrungen vorgenommen wurden, wurden sie flugs von Joggern und Spaziergängern wieder entfernt. Neben denen in Hamm sind heute noch die Wälder in Duisburg für Freizeitaktivisten tabu. Hier wie dort besteht weiterhin akute Umsturzgefahr. „Der Laie kann vielfach nicht erkennen, ob ein Baum akut umzukippen droht“, sagt Nieland. 

Die Hammer Dachdecker haben viel zu tun

Ihre Aufgabe ist es, nun Betriebe zu engagieren, die die Stämme und Äste in Wegesnähe beseitigen. Anders als die meisten anderen Kommunen, beschäftigt die Stadt keine eigenen Waldarbeiter. Auch deshalb ist man in Hamm spät dran. Die Stelle eines Försters ist derzeit ebenfalls noch vakant. Die Nachbarschaftshilfe – insbesondere durch die Landwirte – habe in Hamm nach Friederike dafür vorbildlich funktioniert, sagt Nieland. Lediglich Aufträge in Höhe von rund 3.000 Euro seien für die Beseitigung von Bäumen und Ästen, die auf Privatgrundstücke gefallen waren, erforderlich gewesen. 

Investitionen in den Wald nötig 

Geld wird allerdings in Zukunft nötig sein, um den Hammer Wald fit für die Zukunft und den Klimawandel zu machen. Um einen naturnahen Waldbau durchzuführen und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherzustellen, gehen Experten von 1.000 bis 1.500 Euro pro Jahr und Hektar Wald aus – eine Menge Holz angesichts von 300 Hektar städtischer und 1.500 Hektar in Privateigentum (dort rechnet man mit 800 bis 1.000 Euro) stehender Flächen im Stadtgebiet.

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