Oldtimer-Rallye Hamm erFahren (Serie, Teil 2)

Skorpion mit Sportlenkrad: der Fiat 124 CSA Abarth

Hamm - Wenn sich Fahrer und Beifahrer in einem Auto wie Pilot und Co-Pilot fühlen können, dann in dem Fiat 124 CSA Abarth Rallye, mit dem Heike Honermeyer und Marika Wollschläger bei „Hamm erFahren“ an den Start gehen.

Wenn sie in den Schalensitzen mit überraschend komfortabler Beinfreiheit Platz genommen haben, finden sie sich – gut gesichert mit Überrollbügel und Hosenträgergurten – wieder inmitten von chromblitzendem Feuerlöscher vor dem Beifahrersitz, analogem und digitalem Tripmaster, typischem Abarth-Sportlenkrad, Pedalanlage in Aluminium und einer ganzen Reihe typischer Armaturen bis hin zum Öldruckmesser.

Im Rahmen einer sechsteiligen Serie stellt WA.de im Vorfeld der Oldtimerrallye „Hamm erFahren“ zugunsten des Hammer Hospizes (mehr dazu weiter unten) historische Fahrzeuge vor, die dort mitfahren.

Nicht umsonst ist der Skorpion das Markenzeichen des einst selbstständigen, seit 1971 zu Fiat gehörenden Automobilherstellers und Tuners Abarth, denn auch dieser Rallye-Spider von 1973 hat „Biss“: Dazu verhelfen ihm 130 Pferdestärken, die er mit Weber-Doppelvergaser und Sportluftfilter aus 1800 Kubikzentimetern Hubraum kitzelt. In Kombination mit der gegenüber der Serie „abgespeckten“ Ausstattung verhilft ihm das zu einer Höchstgeschwindigkeit von 190 Kilometern pro Stunde: Weil Heck- und Motorhaube aus schwarzem Kunststoff und die Türen aus Aluminium bestehen, liegt das Leergewicht bei 900 Kilogramm.

Fiat 124 CSA Abarth: Skorpion mit Sportlenkrad

Zusammen mit ihrem rallyeerfahrenen Ehemann, dem früheren Hammer Sparkassenchef Bernd Honermeyer, hat Heike Honermeyer rund zwei Jahre gezielt nach diesem Modell gesucht. Auch sie ist vom Rallyevirus infiziert, schließlich ist sie in einer Zeit groß geworden, als es noch echte Querfeldein-Rallyes gab. Schon als Kind habe sie stolz hinter dem Lenkrad von Vaters Autos gesessen.

Der Abarth:

Erstzulassung: 6. Juni 1973 - PS: 130 (95,6 kW) - Hubraum: 1800 ccm - Länge: 4 m - Breite: 1,61 m - Höhe: 1,25 m - Radstand: 2,42 m - Produktionszeit: 1972-1975

Und aus dieser Zeit stammt der Rally-Abarth. Er wurde genau in dem Jahr produziert, als die Rallye-Markenweltmeisterschaft neu eingeführt wurde und er gegen Renault Alpine und Lancia Stratos konkurrieren sollte. Auf eigene praktische Erfahrung im Rallyefahren musste Heike Honermeyer da noch einige Jahre warten. Bis vor kurzem hat sie immerhin im Serviceteam für ihren Ehemann für Ersatzreifen und Getränke gesorgt. „Da habe ich mir einiges abgeschaut“, sagt sie.

Also wuchs der Wunsch, selbst ins Cockpit zu steigen. Die Suche nach dem 124er Rally-Abarth führte 2016 zum Erfolg: Ein ursprünglich in die Schweiz ausgeliefertes Modell hatte 2010 den Weg nach Heilbronn und schließlich nach Hamm gefunden. Dabei handelt es sich um eine echte Rarität: Gerade einmal zwischen 950 und 1013 Fahrzeuge (Bernd Honermeyer; „So genau weiß man das nicht.“) wurden zwischen 1972 und 1975 produziert, vermutlich seien nur noch rund 300 Exemplare erhalten.

Von denen hat sich Heike Honermeyer eines der besseren gesichert: Rost ist – untypisch für einen Fiat aus jener Zeit – Fehlanzeige. Gerade einmal knapp 13.000 Kilometer stehen auf dem Tacho, entsprechend topfit sind Karosserie und Innenraum. Einzig das Hardtop changiert in mehreren Schwarz-Tönen. Der verchromte Drehgriff des Treibstoff-Einfüllstutzens befindet sich auffällig zwischen Heckfenster und Kofferraumdeckel, während der „Sprit“ beim Serienmodell seitlich eingefüllt wird. Anstelle der Starrachse sorgt die Einzelradaufhängung für ein deutlich besseres Fahrverhalten gerade auf losem Untergrund.

Natürlich ziert der Abarth-Skorpion die Cromodora-Leichtmetallfelgen mit 205er Breitreifen ebenso wie das Emblem auf der einen Karosserieseite, während auf der anderen das Logo von Designer Pinin Farina glänzt. Aufkleber auf Kotflügeln und Fenstern weisen diese „bella macchina“ eindeutig als Rallyefahrzeug aus. „Geadelt“ wurde es zudem durch die Unterschrift von Walter Röhrl auf dem linken Kotflügel. Die Rallye-Legende trafen Bernd Honermeyer und ein befreundeter Co-Pilot im Februar 2017 auf der Historischen Rallye Monte-Carlo („Histo Monte“). Den Weg absolvierten die beiden in dem Abarth-Fiat, in dem sie dafür 45 Stunden verbrachten.

Heike Honermeyer lernte ihr Fahrzeug bisher vor allem bei kleineren Ausfahrten kennen – gerne „zum Eisessen an den Möhnesee“. Ihre erste Rallye als Pilotin – mit Ehemann als Co-Pilot – führte im Mai 2018 bei der „Bodensee-Klassik“ dank einer gewonnenen Wertungsprüfung gleich zu seinem Pokalerfolg. Dass sie so gut bei „Hamm erFahren“ abschneiden, ist für Heike Honermeyer und ihre Co-Pilotin Marika Wollschläger nicht das Wichtigste: „Es kommt auf den Spaß an und darauf, das Hammer Hospiz zu unterstützen.“

Die Rallye:

Die Oldtimer-Rallye „Hamm erFahren“ zugunsten des Hammer Hospizes findet am Sonntag, 26. August, statt. Rund 120 Teilnehmer haben sich angemeldet, um die etwa 140 Kilometer lange Strecke zu absolvieren. Der Start erfolgt um 10 Uhr im Kurhausgarten, hier ist auch das Ziel. Die Mittagsrast findet auf Bombecks Hof in Rheda-Wiedenbrück statt. Rund 60 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz. Veranstalter sind der Förderverein Hospiz Hamm, das 1. Hammer Oldtimer-Register und das Stadtmarketing.

www.hamm-erfahren.de

www.hospiz-hamm.de

Teil 1 unserer Serie:

Ungewollte Luxusversion: Christian Seubert und sein VW Santana LX

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