Alt, krank, allein, entlassen

Mitten in der Nacht allein aus Krankenhaus entlassen: Minister sieht keinen Fehler

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Das Evangelische Krankenhaus in Hamm.

Hamm – Ein 90-Jähriger wird mitten in der Nacht aus der Notaufnahme eines Hammer Krankenhauses ohne Befund entlassen – unsere Zeitung hatte vor gut einem Jahr über den Fall berichtet. Jetzt hat sich Landesgesundheitsminister Karl Josef Laumann dazu geäußert.

Wenn die Klinik keinen Grund sieht, einen Patienten ins Krankenhaus aufzunehmen, wird er entlassen: Auch wenn er allein und hochbetagt ist, auch mitten in der Nacht. Das sei gängige Praxis, sagten vor einem Jahr Feuerwehrleute dem WA.

Gesundheitsminister Laumann sieht kein Fehlverhalten bei den Kliniken. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) hatte sich im April 2018, kurz nach der WA-Berichterstattung, an den CDU-Landtagsabgeordneten Peter Preuß gewandt, der das Schreiben an Laumann weiterleitete.

Man sei ob der geschilderten Entlasspraxis in Krankenhäusern beunruhigt, schrieb der CDA-Kreisvorsitzende Dirk Wilke. Ohne Befund werden Patienten demnach auch nachts nach Hause geschickt, ausschlaggebend sei nur die Abrechnung von Fallpauschalen.

Der von unserer Zeitung geschilderte Fall eines 90-Jährigen hatte sich im Evangelischen Krankenhaus (EVK) zugetragen. Von einem bedauerlichen Einzelfall hatte das EVK damals gesprochen. Die Untersuchung habe lange gedauert, dann habe es aber keinen Grund gegeben, den Patienten dazubehalten; er sei zuhause besser aufgehoben gewesen.

Dieselbe Begründung lieferte das EVK jetzt auch der Bezirksregierung Arnsberg, die Laumann beauftragt hatte, den Vorwürfen nachzugehen. Alle drei Hammer Krankenhäuser mit Notaufnahmen betreiben nach Einschätzung der Bezirksregierung ein „strukturiertes Entlassmanagement“,  heißt es in Laumanns Antwortschreiben an die Hammer CDA.

Damit solle ein sachgerechter Übergang von der stationären zur ambulanten Behandlung sichergestellt werden; und das sei im angesprochenen Fall auch geschehen.

Die Bezirksregierung habe keinen Zweifel an den Ausführungen des EVK. Vielmehr kämen alle Hammer Krankenhäuser ihrem Auftrag nach, so Laumann: „Mir liegen keine Erkenntnisse vor, die mich daran zweifeln lassen.“

Auch die Aussagen der von unserer Zeitung zitierten Feuerwehrleute ändern daran nichts. Die Feuerwehr könne solche Aussagen nicht bestätigen und habe sich auch nie offiziell so geäußert, lautet die Antwort der Amtsleitung an die Bezirksregierung.

Während Laumanns Ministerium einen Teil der Krankenhausinfrastruktur finanziert, kommen die Krankenkassen für die Betriebskosten auf. Ihm sei bekannt, „dass es in einigen Einrichtungen Probleme bei der Refinanzierung der Betriebskosten gibt“, schreibt Laumann. Dies könne zu „wirtschaftlich motivierten Fehlsteuerungen führen“. Die grundsätzliche Problematik dieses Systems werde aktuell erörtert.

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