Kommt die Innenstadt der vielen Zentren?

„Offene Wunde Westentor“: Wie soll es mit Innenstadt weitergehen?

Die leere Einkaufspassage als Tagungsort: Marc Herter lud ein zur Innenstadtkonferenz.
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Die leere Einkaufspassage als Tagungsort: Marc Herter lud ein zur Innenstadtkonferenz.

Immobilienbesitzer, Geschäftsleute, Kulturschaffende und Gastronomen haben über die Zukunft der Innenstadt diskutiert. Das Westentor sehen sie als eine „Offene Wunde“.

Hamm – An einem symbolträchtigen Ort ging es am Samstag um die Zukunft der City in Hamm: Die leere Ritterpassage bot den Rahmen für die Innenstadtkonferenz 2021. Dazu hatte Oberbürgermeister Marc Herter rund 80 Vertreter aus verschiedenen Bereichen eingeladen. Immobilienbesitzer, Geschäftsleute, Kulturschaffende und Gastronomen entwickelten neue Visionen für eine gute, lebenswerte Innenstadt. Dabei unterstützte mit Professor Dr. Rainer Zimmermann ein Experte aus der Wissenschaft (Design und Kommunikation) die lokalen Vertreter. (Lesen Sie hier mehr über die Zukunft der Ritterpassage.)

„Das ist ja erst der Auftakt zu den notwendigen Gesprächen“, sagt der Oberbürgermeister. Er sei sich sicher, dass die Innenstadt mehr könne als sie zurzeit darstelle. Einige Probleme seien auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, doch es gebe auch ganz klassische, strukturelle Probleme.

Probleme in der Innenstadt: „Das Westentor ist eine offene Wunde“

Rainer Zimmermann benannte die Herausforderungen der Zukunft und versuchte mit Beispielen aus mehreren Metropolen Lösungsansätze aufzuzeigen. „Sie haben Handlungsbedarf festgestellt und gleich alle Betroffenen mit einbezogen“, lobte der Professor zunächst. Auch die Einbeziehung von Wasser zum Erlebniskonzept hob er hervor, bevor er dann auf verschiedene Probleme einging – konkret wie allgemein: „Das Westentor ist eine offene Wunde in der schlauchartigen Innenstadt“, so der Wissenschaftler.

Zunächst haben zwei Faktoren die Planung der Innenstädte bestimmt, der Autoverkehr und der Einzelhandel.

Prof. Dr. Rainer Zimmermann

Zudem sei beim Beginn der Planungen die Dringlichkeit von Klimawandel und der Corona-Pandemie nicht absehbar gewesen. Dann kam er dazu, warum die meisten Innenstädte so aussehen, wie sie heute sind. „Zunächst haben zwei Faktoren die Planung der Innenstädte bestimmt, der Autoverkehr und der Einzelhandel“, so Zimmermann.

Oslo, Helsinki und Basel als Vorbild: Wie kann es mit der Innenstadt weitergehen?

Mit Hilfe von Plänen der am Reißbrett entworfenen Stadt Brasilia, die mit viel Beton, Hochhäusern und breiten Straßen 1960 eingeweiht wurde und aktuellen Gegenbeispielen aus Helsinki, Oslo und Basel, in denen Themen wie Begrünung, nachhaltiges Bauen mit Holz oder die völlige Autofreiheit ganz aktuell verfolgte Ziele sind, bot er faszinierende Kontraste.

Nach vielen Zahlen, Daten und Fakten zur Lebens- und Bevölkerungsveränderung gingen die Teilnehmer dann reihum in vier große Räume, um sich dort den Bereichen City-West, City-Ost, Bahnhofsviertel sowie Martin-Luther-Viertel und Südstraße zu widmen.

Vision von Hamm: Innenstadt mit vielen Kleinzentren mit individuellen Angeboten

In den offenen Gesprächen wurden jede Menge Probleme aufgenommen, von fehlenden Gastro-Angeboten, notwendigen Parkflächen bei der Umgestaltung von Plätzen oder Fragen der Sicherheit. Schnell wurde klar, dass eine City sich in Kleinzentren mit individuellen Angeboten und einem Mix aus Grün, Kultur, Einzelhandel und Gastro aufteilen solle. (Lesen Sie hier mehr zu den Plänen für den leer stehenden Kaufhof).

CDU-Vertreter Arnd Hilwig betonte, dass nun auch das Zeit-Moment in den Blick genommen werden müsse und nicht nur diskutiert werden dürfe. Künstlerin und Unternehmerin Tanja Prill forderte, auch planerisch alle Bereiche besser zu verbinden und reine Durchgangsflächen zu vermeiden. Stadtbaurat Andreas Mentz lobte nach dem Termin die offene Einbeziehung aller Aspekte von der baulichen Gestaltung bis zur ärztlichen Versorgung.

Der Oberbürgermeister bewertete den Termin, gerade auch wegen seiner offenen, auch kritischen Beiträge, als vollen Erfolg.

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