Rückkehr aus Österreich mit dem Coronavirus

„Souvenir“ aus dem Ski-Urlaub - Ein infizierter Hammer erzählt

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Urlaub im Zillertal: Ein 35-Jähriger aus Hamm infizierte sich im Skigebiet mit dem Coronavirus.

Solch ein Souvenir aus dem Ski-Urlaub mag niemand mit nach Hause bringen. Ein infizierter Hammer berichtet über seine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2.

Hamm – In der Gondel? Im Ski-Bus? An der Theke? Wo sich Stefan W., der eigentlich anders heißt, mit dem Coronavirus infiziert hat, wird er nie erfahren. „Das sieht man den Leuten ja nicht an“, sagt der 35-Jährige. Mit zwei Freunden war der zweifache Familienvater aus Hamm bis Freitag im Skiurlaub in Mayrhofen, Osttirol. Am Dienstag wurde er positiv auf Sars-CoV-2 getestet.

Vorsorglich hatte W. sich nach der achtstündigen Autofahrt schon am Freitagabend selbst unter Quarantäne gestellt. „Wir wussten ja, dass wir aus einem Risikogebiet gekommen sind. Deshalb sind wir gar nicht mehr unter Leuten gewesen“, sagt W. Am Samstag zeigte er die ersten Symptome. Kopfschmerzen, Unwohlsein, erhöhte Temperatur, Husten. Sonntag kam das Fieber. „Da habe ich mir schon gedacht, dass ich infiziert bin“, erklärt W. Am Montag rief er bei seinem Hausarzt an, der einen Test veranlasste.

Coronavirus in Hamm: Test-Kit auf die Fußmatte

Ein Freund, der nicht mit im Urlaub war und noch keinen persönlichen Kontakt zu ihm hatte, holte ein Test-Kit in der Praxis ab und legte es bei Familie W. auf die Fußmatte vor der Haustür. W. machte den Test, der Freund holte das versiegelte Päckchen wieder ab und brachte es zum Arzt. „Der Test hat keine zwei Minuten gedauert. Ich musste einen Abstrich im Rachen und in der Nase machen. Fertig“, erklärt W. 24 Stunden später war das Ergebnis da. Und das Fieber schon wieder verschwunden.

„Normalerweise würde ich jetzt noch zwei Tage zuhause bleiben und dann wieder arbeiten gehen“, sagt der 35-Jährige. „Aber das geht jetzt natürlich nicht so einfach.“ 14 Tage lang müssen W., seine Frau und die beiden Kinder jetzt in häuslicher Quarantäne bleiben. Die Familienmitglieder zeigen bislang keine Symptome.

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Coronavirus in Hamm: Lob für die Reaktionen

Kurz nach dem Anruf beim Arzt meldete sich das Gesundheitsamt. W. wurde gefragt, mit wem er seit seiner Rückkehr Kontakt hatte und wie es ihm geht. Ob er weitere Unterstützung braucht. „Das lief alles sehr professionell. Die Kette hat gut ineinandergegriffen“, lobt W. die Behörden. Sein Chef reagierte verständnisvoll. „Normalerweise bin ich im Außendienst viel mit Kunden im Kontakt. Da wäre ich ja auch bei einer normalen Grippe krankgeschrieben worden“, sagt der 35-Jährige.

Seine Frau arbeitet am Empfang in einer Physiotherapie-Praxis. Auch ihr Chef hat Verständnis für die Situation der Familie. „Wir erleben eine große Hilfsbereitschaft. Freunde und Familie haben angeboten, für uns einkaufen zu gehen.“

Coronavirus in Hamm: Lange eng zusammen

Die Test-Ergebnisse der beiden Urlaubsbegleiter stehen noch aus. Beide befinden sich seit Freitag aber ebenfalls zunächst in freiwilliger, nach W.’s positivem Test in angeordneter Quarantäne. Einer der beiden ist Rettungssanitäter im Kreis Warendorf. „Weil wir so lange auf engem Raum im Auto saßen, würde es mich wundern, wenn die beiden nicht positiv getestet werden“, sagt W. unserer Zeitung.

An der Piste in Österreich hatten die drei Männer aus Bockum und Heessen noch keine Einschränkungen erlebt. „Da lief alles normal. Jeder hat sich so verhalten, als gäbe es das Virus gar nicht. Das Gebiet war da auch noch nicht so betroffen wie zum Beispiel Ischgl“, sagt der 35-Jährige. „Wir haben am Freitag dort den letzten Skitag erlebt. Danach wurde plötzlich alles dicht gemacht.“ Restaurants und Kneipen schlossen, kurz nachdem die drei Hammer die Heimreise antraten.

Coronavirus in Hamm: Stresstest im Alltag

Am Dienstag genoss W. zusammen mit den beiden Kindern – sechs und drei Jahre alt – die vielen Sonnenstunden im Garten. „Raus gehen dürfen wir ja zum Glück. Nur eben nicht vor die Haustür“, sagt W. Für die Zeit zuhause hat er sich vorgenommen, den Dachboden zu entrümpeln.

Trotzdem glaubt er, dass es eine Herausforderung wird, sich nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen: „Das ist einem vielleicht nicht immer bewusst, wie wenig Zeit man im Alltag miteinander verbringt. Selbst im Urlaub kann man sich ja aus dem Weg gehen. Jetzt nicht mehr. Aber vielleicht ist das ja auch mal ganz schön. So lernt man die Familie ganz neu kennen.“

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