SPD-Spitzenkandidat Andreas Obering über seine politischen Ambitionen

Mehr als Comedy: So will der "Obel" in Hamm Bürgermeister werden

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Der Obel: Andreas Obering liegt die Nachnutzung des alten Bahnhofs „Zum Klosterfeld“ sehr am Herzen.

Die SPD im Stadtbezirk schickt ein bekanntes Gesicht als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf. Andreas „Obel“ Obering führt das Team an. Im Interview zeigt Obering, dass er mehr kann und will als Comedy.

Rhynern – Das neue Team von Andreas Obering soll möglichst viele Sitze im Bezirksparlament holen – „im besten Fall sogar mit mir als Bezirksbürgermeister“, sagt der Obel. Die SPD möchte den Titel des Bezirksvorstehers gerne in „Bezirksbürgermeister“ umbenennen. Das ist aber nur eines von vielen Zielen der Sozialdemokraten, wie "Der Obel" im Gespräch mit WA.de verrät.

Der Obel geht in die Politik. Wie kam es dazu?

Meine Frau und ich haben uns vor etwa drei Jahren dazu entschlossen, in die SPD einzutreten. Wir wollten unbedingt etwas gegen Rechts tun. Uns war klar, dass wir aktiv etwas für unsere Gesellschaft tun müssen. Die Gesellschaft driftet immer weiter auseinander. Da ich aus einer Arbeiterfamilie komme, war die Farbe dann auch klar. Als stellvertretender Kassierer habe ich auch ein Amt im Ortsverein übernommen. Dass ich nun in den Wahlkampf gehe, habe ich Marc Herter zu verdanken. Er hat mich gefragt – also mache ich das.

Und die Unterstützung der Familie ist Ihnen dabei gewiss?

Voll und ganz. Die Familie hält mir nicht nur den Rücken frei. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe für uns. Aber wir sind nur Teil eines tollen Teams im Stadtbezirk.

Sie wohnen seit neun Jahren in Rhynern. Das klingt zunächst wenig für ein solches Amt. Wie Sie es geschafft, Euch so schnell einzuleben?

Das war gar nicht so schwierig, wie viele meinen. Wir haben uns offen gezeigt, und die Rhyneraner haben es uns dann leicht gemacht, in diese Dorfgemeinschaft reinzukommen. Da hilft tatsächlich das Mitwirken in den Vereinen. Ich bin in die Karnevalsgemeinschaft reingerutscht, wo ich bislang siebenmal ehrenamtlich Teil des Programms war. Einmal dabei, wurde mir gesagt, dann müsse ich auch im Schützenverein mitmarschieren. Das konnte ich mir als Langhaariger gar nicht vorstellen. Jetzt bin ich stolz, hier Blaukittler zu sein. Diese Erlebnisse während des Schützenfestes möchte ich nicht missen. Diese Offenheit und Lockerheit verbunden mit Tradition finde ich super. Das Vereinsleben ist im Stadtbezirk grundlegend für das Zusammenleben. Und darauf legen wir in der Politik auch Wert.

Und nun möchten Sie den Bürgern Rhynerns etwas zurückgeben, indem Sie Verantwortung übernehmen?

So würde ich das nicht ausdrücken. Ich möchte daran mitarbeiten, dass es allen gut geht. Dafür muss man auch Verantwortung übernehmen. Aber das muss eigentlich ja jeder. Letztlich war mir schon klar: Wenn ich in die Politik einsteige, dann hier. Denn ich komme auch mit „Nicht-Genossen“ gut klar. Wir kennen uns aus dem Karneval und von all den anderen wunderbaren Veranstaltungen. Es geht um die Menschen hier. Da muss man auch mal Strukturen aufbrechen.

Sie müssen sich bei den Wählern nicht groß vorstellen, da sie in Hamm durchaus zu den Prominenten gehören. Ist das ein Vorteil oder sogar eine Bürde?

Ja, die Menschen kennen mich. Aber sie kennen doch nur die fünf Prozent von mir auf der Bühne. Die Leute kennen doch längst nicht alle Aspekte, die mit meiner Person zu tun haben. Das ist doch in allen Berufen so, das man immer nur den einen Teil des Menschen sieht und meint ihn zu kennen. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich auch Angriffsflächen biete. Aber auf diesem Level möchte ich mich nicht bewegen. Wenn ich das jetzt mache, mache ich das auch aus voller Überzeugung und engagiert. Und da ist es vielleicht auch ein wenig eine Bürde, da man bei mir genauer hinsieht. Aber es geht ja wie gesagt um das Wohl der Bürger, nicht um mich.

Entsprechend habt Ihr Euer Programm zusammengestellt?

Auf jeden Fall. Wir sind ganz nah am Bürger und wollen dessen Willen verfolgen. Daher haben wir aktiv Bürger befragt. Selbst diejenigen, bei denen wir im Grunde wissen, dass sie uns gar nicht wählen werden. Wir wollen ja keinen Klassenkampf, sondern das Leben für alle hier verbessern.

Wie sieht das konkret aus?

Wir haben fünf Leuchtturmprojekte. Das ist der Verkehr mit Bundesstraße und Weiterbau A445, das ist die Nachnutzung des alten Bahnhofs „Zum Klosterfeld“, das ist die Entwicklung der neuen Klimasiedlung am Dierhagenweg mit der Stärkung der Quartiersmitte rund um den neuen Bahnhaltepunkt. Wir machen uns Gedanken zur Nachnutzung des Papenloh-Geländes und wollen die Wassertürme zu einem Ausflugsziel entwickeln. Das wollen wir noch konkreter vorstellen. Weitere wichtige Themen sind Tempo 30 auf allen Wohnstraßen, die Sanierung der Straßen, ein neuer Standwort für die Bücherei, die Vernetzung der Vereine, die Aufwertung der Rhynernhalle als Mehrzweckhalle, die medizinische Versorgung, der Ausbau für den Radverkehr, die Schaffung eines Wochenmarktes, die Aufwertung des Freibads, eine Entwicklung des Kley-Geländes zum Stadttor Süd. Und mir liegt natürlich auch die Kultur am Herzen. Diese Szene möchte ich stärken.

Sie treten als Kandidat für den neuen Bezirksvorsteher in Rhynern an. Das ist als SPD-Kandidat hier traditionell schwierig. Welche Chancen sehen Sie denn?

Die Situation auf Bundesebene spielt zwar auch eine Rolle, das will ich hier aber gar nicht spielen, denn die Kommunalpolitik funktioniert anders. Wir wollen – wie erwähnt – bürgernah sein und die Themen hier vor Ort aufgreifen. Darauf kommt es an. Dabei bin ich vollkommen neu und unbeleckt. Ich kann am Ende mit allen demokratischen Parteien zusammenarbeiten, da es letztlich um Respekt geht.

Darum nutzt der Kandidat (auch) seinen Künstlernamen:

Andreas „Obel“ Obering: Seinen Spitznamen „Obel“ benutzt Andreas Obering ganz bewusst, auch in seiner neuen Rolle in der Lokalpolitik. Der Begriff „Spitzname“ ist eigentlich auch nicht ganz korrekt, es ist sein Künstlername. Und der ist tatsächlich eingetragen im Personalausweis des Entertainers. „So kennt man mich, das bin ich, das kann man nicht trennen, ich will mich nicht verstellen, also trete ich als Andreas Obel Obering bei der Wahl an“, sagt er.

Geboren ist Obering 1964 in Hamm. Er wuchs als viertes Kind einer Arbeiterfamilie im Hammer Westen und Herringen auf, später zog es die Familie nach Welver-Eilmsen aufs Land. „Hier merkt man, was Strukturschwäche bedeutet, wie wichtig eine Busverbindung sein kann.“ Sein Abi machte er auf dem Stein-Gymnasium in Hamm, seine Ausbildung absolvierte er als Kaufmann in einem Schallplatten-Großhandel.

Mit 15 Jahren intensivierte er seine musikalischen Aktivitäten, spielte einige Jahre als Drummer in Bands, zum Beispiel „Return“.

Im Duo „Till und Obel“ wurde er deutschlandweit bekannt. Seit 2000 ist er solo unterwegs, „mit allen Höhen und Tiefen“, so Obel. „Ich bin durchaus krisenerprobt“, beschreibt er seine Lebenserfahrung, die ihm auch durch die Corona-Zeit helfe.

In Rhynern wohnt Familie Obering seit 2011 und hat sich durch Mitwirken beim Karneval und im Schützenverein  schnell eingelebt.

Neben seiner Künstler-Karriere arbeitet er halbtags als Veranstaltungskaufmann.

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