Nach Vorstoß von Bezirksbürgermeisterin

Obdachlose in Hamm: Stadt kündigt Konzept an - Grüne aufgebracht

Schlafen in der Öffentlichkeit: Gefühlt tun das zuletzt mehr Menschen in Hamm.
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Schlafen in der Öffentlichkeit: Gefühlt tun das zuletzt mehr Menschen in Hamm.

Der Vorstoß von Bezirksbürgermeisterin Stefanie Baranski zum Obdachlosen-Problem in Hamm wird von den Grünen scharf kritisiert. Gleichzeitig kündigt die Stadt ein Konzept an.

Hamm - Die Stellungnahme von Stefanie Baranski (SPD), Bezirksbürgermeisterin für den Stadtbezirk Hamm-Mitte, stößt auf offene Kritik. Bisher zumindest beim Vorsitzenden des Sozial- und Gesundheitsausschusses und Dritten Bürgermeister der Stadt Hamm, Karsten Weymann (Bündnis 90/Die Grünen). „Ich finde die Äußerungen der Bezirksbürgermeisterin ausgesprochen deplatziert“, sagt Weymann. Unterm Strich sieht aber auch er Handlungsbedarf.

Baranski sei auch die Bürgermeisterin der Drogenkranken, der Alkoholiker und der sozial Schwachen im Bezirk Mitte, gibt Weymann zu bedenken. Eine reiche Gesellschaft wie die unsere müsse sich insbesondere um die gesellschaftlichen Randgruppen kümmern und nicht die Verdrängung dieser Gruppen nach dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“ propagieren. „Dies ist nicht die Sozialpolitik, der sich die Koalition des Aufbruchs verschrieben hat“, stellt Weymann fest.

Irritiert reagiert er auch zu Baranskis Vorstoß in Sachen Nordring-Treff: „Der Treff der drogenkranken Menschen ist ein von allen demokratischen Parteien in Hamm getragener Kompromiss. Nach meiner persönlichen Meinung, aber auch nach Meinung Ratsfaktion der Grünen, gibt es keinen Grund, diesen Kompromiss aufzukündigen. Mit den Stimmen der Grünen-Ratsfraktion wäre dies auch nicht zu machen.“

Streit um Obdachlose in Hamm: Politik nicht nur für Reiche und Schöne

Politik werde nicht nur für die Reichen und Schönen, sondern insbesondere auch für die finanziell schwächeren Menschen dieser Stadtgesellschaft gemacht. „Die Rathauskoalition wird und muss sich mit der zunehmenden Armut in Hamm, insbesondere der Kinderarmut befassen“, benennt Weymann ein Handlungsfeld. Auch deshalb sei die Stellungnahme der Bezirksbürgermeisterin eher kontraproduktiv, aber auf gar keinen Fall hilfreich.

„Auch werden sich die Koalitionsparteien über die zunehmende offene Trinkerszene in Hamm unterhalten müssen“, nennt Weymann einen zweiten Arbeitsauftrag. Wer glaube, dass durch Platzverweise und das Ordnungsamt die Probleme abnehmen, sei bestenfalls naiv. Und auch wer schnelle Lösungen fordere, befinde sich auf dem Holzweg. „Die Hammer Kommunalpolitiker müssen gemeinsam überlegen, wie die Situation entschärft werden kann. Dass Handlungsbedarf besteht, ist allen klar, die sich mit der Problematik befassen“, sagt der Dritte Bürgermeister. „Klar ist aber auch, Verdrängung einer bestimmten Szene löst die Probleme nicht, sondern verschiebt diese auf die andere Straßenseite.“

Wohnungsnotfälle in Hamm

Seit 2015 führen die Träger der Wohnungsnotfallhilfe eine gemeinsame Statistik. Stichtag der Erhebung ist jeweils der 30. Juni. Noch sind Zahlen und Hintergründe 2021 urlaubsbedingt nicht öffentlich kommuniziert worden. Dies soll Mitte August geschehen. Bekannt wurde aber schon vorab, dass sich die Situation der Menschen ohne eigenes Mietverhältnis nicht entspannt hat. Ausgehend von 236 (2015) waren die Zahlen kontinuierlich gestiegen und liegen demnach jetzt bei über 360. Corona habe viele Menschen ohne digitalen Zugang vom Wohnungsmarkt abgeschnitten, hieß es 2020.

Streit um Obdachlose in Hamm: Stadt entwickelt aktuell Fahrplan

Von der Stadt Hamm werde derzeit ein Fahrplan für ein Konzept zum weiteren Umgang mit Obdachlosigkeit entwickelt, sagte Stadtsprecher Detlef Burrichter auf Nachfrage. Wichtig sei dabei eine Beteiligung der zuständigen Träger und Hilfestellen. Das Thema Obdachlosigkeit werde ganzheitlich betrachtet. „Die zu treffenden sozial-, ordnungs- und stadtentwicklungspolitischen Maßnahmen werden Bestandteil des Konzeptes sein“, kündigte Burrichter an.

Der Szenetreff im Nordring werde in die Betrachtungen mit eingebunden. „Aktuell ist eine Verlagerung nicht geplant“, so der Sprecher.

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