Caritas-Notunterkunft an der Dortmunder Straße

Jeder gibt was er kann: Herringer Angebot macht Obdachlose satt

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Ein heißes Getränk, etwas zu essen und gute Gespräche gibt es bei der Caritas.

Hamm - Seit gut acht Wochen ist die Obdachlosen-Notunterkunft an der Dortmunder Straße 143 auch tagsüber geöffnet. Das Angebot macht die Nutzer satt - und Hunger auf Informationen.

Die Caritas bietet dort an verschiedenen Tagen ein Frühstück an, um mit den betroffenen Menschen ins Gespräch zu kommen und Hilfen anzubieten. „Das Konzept wird angenommen. Wir sind auf einem guten Weg“, resümiert Benedikt Schulz, Teamkoordinator bei der Wohnungsnotfallhilfe der Caritas. Er ist meistens morgens da und bereitet das Frühstück vor. Brot, Wurst, Marmelade, Kaffee. 40 Cent müssen seine Klienten dafür bezahlen. Wer weniger hat, gibt was er kann.

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Um 9 Uhr, wenn die Obdachlosen aus der benachbarten Einmalübernachtung heraus müssen, dann wird es voll in der Küche im ersten Geschoss. Zwischen vier und 14 Obdachlose sind es immer, die sich an den Tisch setzten und frühstücken wollen. „Hier ist der Kontakt ganz intensiv. Meine Mitarbeiter und ich können vertrauliche Beziehungen zu den Menschen aufbauen und ganz gezielt Hilfe anbieten“, so Schulz.

Besuch in der Obdachlosenunterkunft Dortmunder Straße

Das steckt auch hinter dem Konzept zur Wohnungsnotfallhilfe, das der Rat der Stadt Hamm Ende des vergangenen Jahres beschlossen hatte. Denn als problematisch bewertet die Verwaltung den Zugang zu den Personen, die in der Übernachtungsstelle für eine oder wenige Nächte schlafen. „Sie fallen oft mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen auf“, heißt es in dem neuen Konzept. Durch ein niederschwelliges Aufenthalts- und Betreuungsangebot soll entsprechende Hilfe angeboten werden. „Da müssen wir oft mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen“, so Benedikt Schulz. Viele der Betroffenen lehnten Hilfe erst einmal grundsätzlich ab. Schulz: „Dazu hat natürlich jeder das Recht.“

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Doch könnten damit keine Probleme gelöst werden. In vielen kleinen Schritten werde versucht, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Schulz: „Am Ende des Prozesses sollte eine bedarfsgerechte Wohnform gefunden werden.“ Das könnte vom betreuten Wohnen in einer Einrichtung bis zu den eigenen vier Wänden alles sein. Allerdings: „Bezahlbaren Wohnraum nach ALG II gibt es in Hamm fast nicht“, so Schulz.

An der Dortmunder Straße arbeitet er eng mit der Wohnungsnotfallhilfe der Stadt Hamm zusammen. Schulz: „Wir tauschen uns regelmäßig aus und besprechen die Fälle.“ In Hamm müsse niemand durch das soziale Netz rutschen. „Wir helfen, wo wir können.“ Doch oft, so Schulz, gerate man auch an Grenzen. „Wir bräuchten eigentlich mehr Mitarbeiter, um allen gerecht zu werden.“

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Bis 11 Uhr haben seine Gäste Zeit für das Frühstück, dann wird auch die Unterkunft abgeschlossen. Wer krank ist, darf bleiben und wird nicht hinausgeschickt.

Wenn seine Gäste das Haus verlassen, fährt Schulz zum Caritas-Beratungszentrum an der Franziskanerstraße. Dann kümmert er sich um die Prävention, nämlich um die, die von Wohnungsnot bedroht sind. Damit die erst gar nicht an der Dortmunder Straße einquartiert werden, müssen frühzeitig Warnsignale erkannt werden. Auch das ist in dem neuen Konzept der Stadt verankert. So bekommen Scholz und die Mitarbeiter der Wohnungsnotfallhilfe bei der Stadt Hinweise über jede beim Amtsgericht eingegangene Räumungsklage. „Dann können wir rechtzeitig helfen und in den meisten Fällen den Wohnungsverlust abwenden.“

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