Zusatztext an Nazi-OB-Porträt erinnert an Gräuel-Taten

HAMM -  Das Porträt des Hammer Nazi-Oberbürgermeister Erich Deter soll mit einem Begleittext versehen werden. Damit reagiert Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) auf den „Hammer Bildersturm“ und politischen Druck des Koalitionspartners SPD.

 Anfang des Jahres ist die Hammer Antifa mitten im laufenden Verwaltungsbetrieb in das Rathaus marschiert und hat das Porträt des Nazi-Oberbürgermeisters Deter aus der Ahnengalerie genommen. Damit wollte die SPD-nahe „Antifaschistische Aktion Hamm“ nach eigenen Angaben anlässlich des 72. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz ein Zeichen setzen.

 „Dass ein Nazi, der maßgeblich an der Deportation, Drangsalierung und dem Mord an Tausenden mitwirkte, heute noch einen Platz im Rathaus hat, finden wir skandalös,“ teilen die Aktivisten damals mit. 

Thomas Hunsterger-Petermann hatte seinerzeit erklärt, dass die Galerie der ehemaligen Oberbürgermeister im Rathaus keine Ehren- sondern eine Ahnengalerie sei. Er wolle keine Geschichtsfälschung betreiben, indem er das Bild abnehme. Man müsse auch zu den dunklen Stunden der Stadt Hamm ein Gesicht zeigen. 

Die Fraktion „Die Linke“ hat die Aktion zum Anlass genommen und ein Zusatzschild beantragt, das die Gräueltaten des ehemaligen Hammer Oberbürgermeisters detailliert beschreibt.

Aus dem Rathaus hat es allerdings geheißen, dass der Antrag der Linken nicht beschlussfähig sei, da der Oberbürgermeister als Hausherr dafür zuständig sei. Dieser habe bereits das Stadtarchiv beauftragt, einen entsprechendes Schild zu erarbeiten.

 Jetzt, gut sechs Monate nach dem Antrag, ist die Info-Tafel fertig und soll in den nächsten Tagen angebracht werden. Außerdem wird der Zusatztext heute im Kulturausschuss vorgestellt.

Hamm unter dem Hakenkreuz 

Künftig heißt es bei Erich Deter unter der Überschrift „Hamm unter dem Hakenkreuz: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1933 drängte Erich Deter den amtierenden Oberbürgermeister Josef Schlichter wegen angeblicher Korruption aus dem Amt. Im April 1933 ließ er sich seine Selbsternennung zum Staatskommissar für die Stadt Hamm ‘nachträglich legitimieren’. Als Oberbürgermeister trieb Erich Deter die Gleichschaltung der Stadtverwaltung und der Stadtvertretung voran. Er war mitverantwortlich für ‘Säuberungsaktionen’ und die Gleichschaltung von Parteien und Gewerkschaften in Hamm. Als Vertreter des NS-Staates hatte er die systematische Verfolgung von Juden, Sinti, Behinderten und vieler weiterer Gruppen zu verantworten. Nach dem Krieg wurde Erich Deter als amtierender Oberbürgermeister von amerikanischen Truppen in Fröndenberg festgesetzt und unter nicht geklärten Umständen erschossen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare