Lebendfallen in Hamm: So gelingt eine effektive Waschbären-Jagd

So sieht eine Lebendfalle aus: Rhynerns Hegeringsleiter Dirk Sennekamp zeigt ein Exemplar.
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So sieht eine Lebendfalle aus: Rhynerns Hegeringsleiter Dirk Sennekamp zeigt ein Exemplar.

Rhynern – 498 getötete Waschbären sind im Zeitraum vom 1. April 2019 bis zum 31. März 2020 allein im Hegering Rhynern registriert worden. Diese Zahl ist im Vergleich zu den beiden Vorjahreszeiträumen (330 und 208) noch einmal deutlich größer geworden und lässt auf die stark gestiegene Population der „Einwanderer“ schließen. Die effektivste Möglichkeit, die weitere Vermehrung in den Griff zu bekommen, ist die Lebenfalle, denn zu sehen bekommen die Jäger die nachtaktiven Räuber kaum.

Der Hegering Rhynern erstreckt sich auf etwa 7700 Hektar in den Stadtbezirken Rhynern und Uentrop. Vorsitzender ist Dirk Sennekamp. Gemeinsam mit Jäger Rüdiger Grosche aus Freiske erläutert er der WA-Redaktion den Einsatz der Lebendfallen. Noch jüngst hatte sich eine Spaziergängerin in der Unteren Jagdbehörde der Stadt Hamm gemeldet, dass sich in diese Fallen doch zum Beispiel auch Hunde oder Katzen verirren könnten. Die beiden Jäger können beruhigen: Die Fallen müssen so gebaut werden, dass die Tiere unversehrt gefangen werden.

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wer darf welche Fallen aufstellen?

Nur wer im Besitz eines Jagdscheins ist, darf innerhalb seines Reviers Fallen aufstellen. Zusätzlich muss er noch einen gesonderten Lehrgang belegt haben. Diese Bescheinigung muss bei der Unteren Jagdbehörde vorgelegt werden. Aufgestellt werden dürfen nur noch Lebendfallen, die zudem noch bestimmte Kriterien erfüllen müssen.

Wie muss eine Falle aufgebaut sein?

Alle Fallen sind registriert. Seit einigen Jahren ist es vorgeschrieben, dass sie mit einem Sender ausgestattet sind. Schnappt sie zu, wird der Jäger umgehend über eine App informiert. Anschließend ist der Jäger angewiesen, zeitnah die Falle zu kontrollieren, vor Ort oder per Kamera. Rüdiger Grosche hat keine Kamera, ist aber nicht alleine verantwortlich, die Meldungen erreichen auch die Handys anderer Revierkollegen, die nach Absprache nachsehen. „Die Falle ist blickdicht. Das sorgt dafür, dass die Tiere im Dunkeln sitzen und ruhig bleiben“, erklärt Grosche. Seine Falle ist fast zwei Meter lang, der Auslöser befindet sich mittig. Damit sei gewährleistet, dass das Tier sowohl im Eingangs- als auch im Ausgangsbereich unversehrt bleibt.

Was passiert mit irrtümlich gefangenen Tieren?

Grundsätzlich dürfen Tiere nur zu den vorgegebenen Zeiten im Jahr gejagt werden. Tappt eines in der Schonzeit in die Falle, muss es freigelassen werden. Die Falle auf dem Foto wird vorrangig für die Jagd auf Waschbären, Marder, Dachse und Jungfüchse eingesetzt. Hasen werden wieder ausgesetzt. Katzen werden dem Tierheim übergeben. Beispiele von gefangenen Hunden kennen die beiden Jäger nicht. Hier würde ähnlich verfahren, wenn sich kein Besitzer ermitteln lassen würde.

Wo werden die Fallen aufgestellt?

Sie stehen in der Regel nicht einsehbar. „Die Spaziergängerin hat sich auf einem Ackerrandstreifen bewegt, den nicht einmal der Landwirt betreten darf“, weist Sennekamp darauf hin, dass Bürger nicht von den Wegen abweichen dürfen. „Schon gar nicht mit Hunden, sie scheuchen das versteckte Wild auf.“

Wird im Bereich der Fallen Futter ausgelegt?

„Das kommt drauf an. Es werden auch mal Früchte in die Falle gelegt“, sagt Rüdiger Grosche. Erlaubt sei es.

Was passiert mit den Waschbären und anderen Tieren in der Jagdzeit?

Dann ist der Begriff „Lebendfalle“ temporär. Die Tiere werden mit einer Kurzwaffe erlegt.

Warum werden die Waschbären gejagt?

Weil die große Population eine große Gefahr für andere gefährdete Tierarten darstellt. Auf seinem Speiseplan stehen unter anderem kleine Fische, Frösche, aber auch Vögel und Echsen, natürliche Feinde hat er nicht. „Wenn wir nichts machen, dann zerstört sich die Natur selbst“, so Sennekamp.

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