Kinder-Intensivstationen im Blickpunkt

Gibt's ein Pfleger-Problem auch in Hammer Krankenhäusern?

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Hamm – Auf vielen Kinder-Intensivstationen in Nordrhein-Westfalen fehlen Pfleger. Das hat für Familien immer wieder unschöne Konsequenzen. Die Situation in Hamm stellt sich die Situation etwas anders dar.

Sind Kinder in schwere Unfälle verwickelt, zählt oft jede Minute. Offenbar können auf nordrhein-westfälischen Kinder-Intensivstationen aber nicht alle zur Verfügung stehenden Betten genutzt werden – weil Pflegepersonal fehlt. Die Konsequenz: Die Kinder werden nicht immer in die nächstgelegene Klinik gebracht. Das zumindest legen Recherchen des WDR nahe. In der Uniklinik Münster könnten demnach pro Jahr mehr als 100 Kinder nicht versorgt werden, obwohl man sie versorgen wolle.

In Hamm ist die Situation deutlich besser. Eltern müssten nicht befürchten, dass ihr Kind abgewiesen werde, erklärt Susanne Grobosch, Sprecherin des Evangelischen Krankenhauses (EVK). Dass Kinder nicht aufgenommen würden, sei „sehr, sehr, sehr, sehr selten“. Kommt es doch einmal vor, liege das daran, dass alle verfügbaren Betten voll seien – und nicht an fehlendem Personal.

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Aktuell stehen 22 von 24 Betten bereit

„Wir haben genug Pflegekräfte. In den vergangenen zwei Jahren hatten wir da eine positive Entwicklung“, erklärt Grobosch.

Im ersten Halbjahr 2019 wurden auf der Kinder- und der Frühgeborenen-Intensivstation 349 Patienten behandelt. Aktuell stehen 22 von 24 Betten bereit, um Kinder mit intensivem Betreuungsbedarf aufzunehmen.

„Kinderintensivpflege ist Saisongeschäft“

40 Vollzeitkräfte kümmern sich um die kleinen Patienten. Bei den Ärzten sei die Personaldecke zwar knapp bemessen, trotzdem seien die nötigen Stellen immer besetzt. „Nur wenn drei Ärzte auf einmal krank werden und einer im Urlaub ist, wird es schwierig“, so Grobosch.

Wie viel Ärzte und Pfleger zu tun haben, schwanke stark und könne sich schnell ändern. „Kinderintensivpflege ist ein Saisongeschäft“, sagt Grobosch. „Wenn beispielsweise ein Unfall auf der A2 passiert, in den Kinder verwickelt sind, kommen diese Patienten zu uns. Dann sind alle Betten schnell belegt.“

"Koordinierung erfolgt in der Luft"

Ist das der Fall, werde die Klinik bei der Leitstelle der Feuerwehr „abgemeldet“, sodass weitere Notfälle direkt zur nächstgelegenen Einrichtung gebracht würden. Wie oft das tatsächlich passiert, lasse sich nicht beziffern. Grobosch: „Wenn wir für Neuzugänge geschlossen sind, bekommen wir nicht mit, wie viele Kinder potenziell bei uns gelandet wären.“

Zeit verloren werde in der Regel nicht, wenn Kinder – etwa mit dem Rettungshubschrauber – zum nächsten freien Bett transportiert werden. „Die Koordinierung erfolgt in der Luft. Winkt die räumlich nächstgelegene Klinik ab, geht es ohne Zeitverlust zur ersten Alternative. Das ist sehr effizient geregelt“, so Grobosch.

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