Viele Stimmen aus CDU-Lager

Rechtsruck mit der AfD in Hamm: Wer sind diese Wähler?

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Hamm - Die SPD ist bei der NRW-Wahl am Sonntag in Hamm die erfolgreichste Partei gewesen. Ihr Direktkandidat Marc Herter zog direkt in den Landtag ein. Und doch: 6713 Wähler haben mit ihrer Stimme für die AfD für einen erkennbaren Rechtsruck gesorgt. Eine Analyse.

Schon am Wahlabend gab es betretene Gesichter über die hohen Stimmenanteile für die AfD, dies insbesondere in Bockum-Hövel. Nur in diesem Stadtbezirk holte die AfD 1506 der insgesamt 6713 Stimmen (inklusive Herringen). In dem Wahllokal in der Kindertagesstätte St.Ida erreicht die Rechtsaußen-Partei sogar 20,8 Prozent der Stimmen. (Hier klicken für alle Detail-Ergebnisse!)

„Damit hatte ich nicht gerechnet, das ist ein erschreckender Wert“, sagte der Bockum-Höveler Ratsherr Hartmut Weber (SPD). „Das werden wir sehr ernst nehmen und darauf die passende Antwort geben“, sagte Ratsherr Georg Hellmann (SPD).

Phänomen im Hammer Norden nicht neu

Das Phänomen ist nicht neu. Im Wahllokal Kita St. Ida (siehe Google-Karte unten dem Artikel) ist auch früher schon gerne rechts gewählt worden. Der Unterschied jetzt ist, dass die Schamgrenze, die AfD zu wählen offenbar deutlich niedriger ist als früher bei den Republikanern und der Partei Die Rechte. Das spiegelt sich in der hohen Zustimmung: Von insgesamt 26 Wahllokalen in Bockum-Hövel kam die AfD in 17 Wahllokalen auf zweistellige Werte oberhalb von zehn Prozent.

Ticker vom Wahltag in Hamm zum Nachlesen

Spannender Blick in die Stadtbezirke

Das Phänomen gibt es in etwas schwächerer Form aber auch in anderen Hammer Stadtbezirken: In Uentrop waren es 1 046 Wahlberechtigte (6,8 Prozent), die ihre Stimme der AfD gegeben haben. In der Mitte waren es 1079 Wähler (7,8 Prozent). Auch in den Stadtbezirken Herringen, Pelkum und Hessen waren es jeweils rund 800 Wähler, die ihre Zweitstimme der rechts ausgerichteten Partei anvertraut haben.

„Auch ich bin überrascht darüber, wie stark die AfD in unserer Stadt punkten konnte“, sagte auch Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann: „Wir werden darauf eine Antwort geben müssen.“

War die AfD stark, war die CDU schwach

Nicolai Boudaghi, AfD-Kandidat im Wahlkreis 188 (Hamm ohne Herringen).

Auffällig ist: Wo die AfD stark punkten konnte, ist Hilwig schwächer und umgekehrt. Diesen Effekt gibt es landesweit: Laut Meinungsforschungsinstitut infratest dimap hat die CDU landesweit rund 50.000 Stimmen an die AfD abgegeben. Bei den Erststimmen ist die AfD übrigens schwächer: Da waren es stadtweit (inklusive Herringen) mit 5256 Stimmen fast 1500 weniger als bei den Zweitstimmen.

Das muss nicht nur an den einem größeren Publikum weitgehend unbekannten Kandidaten gelegen haben. Mancher CDU-Wähler wollte mit der Zweitstimme offenbar deutlich machen, dass ihnen der örtliche Kandidat Hilwig zusagt, ihnen die Politik der CDU insgesamt aber missfällt. Dabei bleibt unklar, ob für diese Wahlentscheidung eher bundes- oder landespolitische Aspekte den Ausschlag gegeben haben.

NRW-Landtagswahl 2017 in Hamm

Hammer AfD setzt Fokus auf Kommunalwahl 2020

Osan Yalcin, AfD-Kandidat im Wahlkreis 117 (Herringen u.a.).

Zu dieser Auslegung des Wahlergebnisses passt, dass die SPD dort besonders stark ist, wo die AfD gewählt wurde. In Bockum-Hövel holte die SPD 5930 Zweitstimmen (41,9 Prozent), in Herringen 3232 Zweitstimmen (46,9 Prozent). Das kann als Beleg dafür gelten, dass es Stimmenwanderung von der SPD zur AfD in deutlich geringerem Maße gegeben hat.

Erste Rückschlüsse aus ihrem Wahlerfolg hat die AfD bereits gezogen. Seine Partei fokussiere sich nach dem Erfolg bei der Landtagswahl nun auf die Kommunalwahl im Jahr 2020, sagte Osan Yalcin, Hammer AfD-Kandidat in Herringen und dem Wahlkreis 117 (Unna III, Hamm II). „Wir wollen in drei Jahren in den Rat einziehen“,  formuliert Yalcin das nächste Etappenziel.

Hier erhielt die AfD besonders viele Stimmen:

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