Zuruf-Schranken: Die Bahn setzt digitale Technik ein

Nostalgisch wirkende Bahnübergänge werden moderner

Neue Technik: Die aus grauer Vorzeit stammenden Anrufsäulen in Süddinker (hier: In der Huffel) werden erneuert.
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Neue Technik: Die aus grauer Vorzeit stammenden Anrufsäulen in Süddinker (hier: In der Huffel) werden erneuert.

Nostalgie trifft Technik. Die Anrufsäulen an der Bahnstrecke Soest-Hamm werden demnächst in digitaler Technik ihren Dienst ausüben. Viel mehr ändert sich allerdings nicht. Die Nutzer werden per Knopfdruck weiterhin mit einem Mitarbeiter im Zentralstellwerk Soest verbunden und können dann per Fernsprechautomat das Öffnen der Bahnschranken anfragen. Die neuen Rufsäulen sind bereits aufgestellt, aber noch verhüllt. Sie werden demnächst die alten gelben Geräte ersetzen. Diese stehen dort seit 1981.

Süddinker – Was für Bürger in den ländlichen Bereichen nicht besonders außergewöhnlich klingt, dürfte bei dem einen oder anderen „Städter“ sehr wohl Fragezeichen erzeugen. „Schrankenöffnung auf Zuruf?“ Diese Technik wird vereinzelt an Bahnübergängen eingesetzt, die nicht besonders stark frequentiert werden. In Süddinker sind dies die Übergänge „In der Huffel“ und „Im Hagen“.

Bei „normalen“ Bahnübergängen schließen die Schranken nur, wenn ein Zug naht und öffnen anschließend wieder. Die eingangs erwähnten Anrufschranken sind aber immer verschlossen. Vor dem Bahnübergang steht eine Anrufsäule. Ein Tastendruck genügt, und es meldet sich der Fahrdienstleiter der Bahn. Dieser gibt Auskunft, ob oder wann er die Schranken öffnen kann. „Nach Überqueren des Übergangs sollten die Personen dem Fahrdienstleiter wieder mitteilen, wenn der Übergang frei ist“, erklärt ein Bahnsprecher, dass der Schrankenwärter den Übergang nicht einsehen kann.

Was im Alltag zumeist sehr gut funktioniert, stellt allerdings zu bestimmten Feiertagen wie dem 1. Mai oder Christi Himmelfahrt den ein oder anderen Ausflügler vor Probleme. So stehen nicht selten gerade an diesen Tagen Wanderer und Radfahrer am Übergang vor einem Problem, weil sie darauf warten, dass sich die Schranke von alleine öffnet. Das tut sie in der Regel nicht.

Übergänge sind nicht ganz ungefährlich

Ganz ungefährlich sind diese Übergänge nicht. Noch vor einem Jahr streifte ein Güterzug einen Pkw am Übergang „Im Hagen“. Die Autofahrerin war einem Bagger gefolgt, der zuvor die Öffnung der Schranken angefordert hatte. Da dieser Bagger nur langsam die Schienen querte, hatte der Bedienstete im Stellwerk die Schranken zeitnah wieder geschlossen. Zu schnell für die Autofahrerin. Es blieb glücklicherweise beim Blechschaden. Auch in Werl-Holtum hatte es ein vor einigen Jahren einen schweren Unfall an einer solchen Schranke gegeben. Zudem kommt es vor, dass Unwissende die Anrufsäule nicht nutzen und aus Ungeduld die Gleise bei geschlossenen Schranken überqueren. Das ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch teuer. Rund 350 Euro stehen dafür auf dem Bußgeldkatalog.

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