„Die Leute stecken sich weniger an“

Wenigstens eine positive Folge der Pandemie: Weniger Fälle von Infektionen mit Norovirus, Grippe und Co.

Bei Noroviren- und bakteriellen Infektionen zeigt sich Nebeneffekt der Bekämpfung des Coronavirus: Die Zahl der Krankheitsfälle in anderen Bereichen sinkt deutlich.

Hamm – Mit Abstand gesünder? Fast scheint es so. Der Lockdown und die strengen Hygienemaßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus lassen die Norovirus-Infektionszahlen in Hamm deutlich purzeln. Waren bis Mitte Dezember des Jahres 2019 in Hamm noch 188 Fälle gemeldet worden, sind es im gleichen Zeitraum in 2020 weniger als halb so viele - nämlich lediglich 83 Fälle. Und auch die Zahl der an Camplyobacter Erkrankten ist deutlich zurückgegangen. Waren es 2019 noch 246 gemeldete Personen, die sich diese Bakterien eingefangen hatten, so sind es ein Jahr später lediglich 120. Campylobacter-Bakterien lösen ansteckende Durchfall-Erkrankungen aus. (News zum Coronavirus)

„Grundsätzlich kann man sagen, dass allgemeine Kontaktvermeidung und -reduzierung und Hygiene auch gerade auf die Verbreitung von meldepflichtigen, ansteckenden Krankheiten sicherlich positive Effekte haben könnte“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster. Und Jörg Kock, Serviceregionsleiter der AOK, fügt hinzu: „Wir gehen davon aus, dass die verstärkten Hygieneregeln im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu einem positiven Nebeneffekt bei den Norovirus-Infektionszahlen geführt haben.“

Nicht nur Norovirus und Camplyobacter: Kinderarzt vermutet, dass Influenza-Welle milder ausfallen wird

Auch der Hammer Kinderarzt Dr. Johannes Jeßberger bestätigt diesen Trend und verrät, dass es in seiner Praxis ruhiger zugehen würde als sonst zu Beginn des Monats Dezember. „Fälle von Norovirus hatte ich schon lange nicht mehr“, sagt er.

Zudem geht der Hammer Arzt davon aus, dass die Influenza-Welle in diesem Jahr wohl ebenfalls flacher ausfällt. „Die meisten Fälle haben wir immer im Januar. Aber wir haben dieses Jahr deutlich mehr geimpft. Ich bin mal gespannt, wie es im nächsten Monat aussehen wird“, sagt Jeßberger.

Norovirus, Camplyobacter, Grippe - so steht es um Atemwegserkrankungen abseits Corona

Zudem liegen die akuten Atemwegserkrankungen laut Meldung des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin deutlich niedriger als in den Vorjahren. „Die Leute stecken sich weniger an“, sagt Jeßberger. „Sonst war meine Praxis in den Tagen nach den Nikolaus- oder Weihnachtsfeiern immer voll. Aber diese Treffen haben ja dieses Jahr nicht stattgefunden.“

Norovirus, Camplyobacter, Grippe - Gehen die Leute seltener zum Arzt?

Neben den bundesweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie kann es aber auch zum Teil daran liegen, dass es viele Menschen gibt, die ihre Erkrankungen zuhause auskurieren und den Gang zum Arzt aus Angst vor einer Infektion derzeit eher meiden. „Der eine oder andere überlegt sicherlich einmal mehr als sonst, ob er einen Arzt aufsucht oder nicht“, meint auch Dr. Jeßberger. Dies würde bedeuten, dass die entsprechenden Fälle erst gar nicht aktenkundig werden.

Rubriklistenbild: © AOK

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