Begegnung wieder möglich

Normalität mit Vorsicht: Hammer Pflegeheime nach Corona-Dramen

 Lange galten Beschränkungen in Heimen, die für viele Isolation bedeuteten.
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Begegnung ist wieder möglich. Lange galten Beschränkungen in Heimen, die für viele Isolation bedeuteten. Trotz Lockerung herrscht aber weiter Vorsicht.

Corona-Fälle gab es seit dem Ausbruch der Pandemie in den Seniorenheimen in Hamm. Die Lage dort war lange besonders kritisch. Inzwischen hat sich vieles entspannt.

Hamm - Bewohner von Seniorenwohnheimen waren durch die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen lange Zeit besonders hart getroffen. Als Schutz vor dem Virus zunächst gar keine Besuche, später nur unter streng geregelten Bedingungen: Als besonders gefährdete Gruppe waren Senioren in Pflegeheimen von der Außenwelt regelrecht abgeschnitten. Sowohl Bewohner als auch Angehörige litten unter der Isolation und den Treffen hinter Plexiglas. Mit dem Impffortschritt und der Entspannung der Corona-Lage ist nun vieles wieder möglich. Aber die Vorsicht bleibt, und manchmal kann das für Irritationen sorgen.

Nach seiner Einschätzung sei in allen 29 Pflegeheimen „ein Stück Normalität“ eingekehrt, sagt der Leiter des Amtes für Soziales, Wohnen und Pflege, Frank Schulte. In seinem Amt ist auch die Heimaufsicht angesiedelt, die im Fall der Fälle ein Auge auf Dinge hat, die nicht so laufen, wie sie sollten. Dafür gebe es aber aktuell keine Hinweise, so Schulte. Fest stehe: „Eine soziale Teilhabe soll stattfinden.“

Aktuell gebe es nach der Corona-Schutzverordnung wenig Besuchseinschränkungen – außer den drei „G“s: getestet, genesen, geimpft. Um Besuche zu ermöglichen, bieten Heime eigene Tests an. Manche wollen das vorher terminlich vereinbart haben. In den Pflegebereichen können Bewohner längst wieder Kontakt untereinander haben. Beispielsweise sei das Essen in gemeinsamen Bereichen auf den Stationen wieder tägliche Praxis. Formal werden Wohnbereiche als ein Haushalt gewertet.

Corona und Seniorenheime in Hamm: Kritik in Kurpark-Residenz

Die Stadt könne und wolle den externen Besucherkontakt nicht verbieten, verstehe aber umgekehrt, wenn Einrichtungen noch vorsichtig seien, so Schulte gegenüber unserer Zeitung. Dass dies manchmal nach innen wie außen unpopulär ist, zeigte sich am Beispiel der Seniorenresidenz am Kurpark. Von Angehörigen beziehungsweise Freunden wurde Kritik geäußert, der Café-Bereich sei als Ort der sozialen Begegnung noch nicht wieder geöffnet. Bewohner des „Service Wohnen“ würden hier gerne ihre Mahlzeiten einnehmen und Kontakt suchen.

Corona und Seniorenheime in Hamm

Seit Beginn der Pandemie gab es laut Stadt Hamm rund 450 Corona-Fälle in Senioreneinrichtungen. Das betrifft zusammen sowohl Bewohner als auch Personal. Weiter zwischen den Gruppen differenziert werden könne nicht. Nach dem Pflegebedarfsplan gibt es in den 29 Seniorenheimen 1957 Plätze. Wie viele davon belegt sind, ändert sich täglich. Aber es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Bewohner von Pflegeeinrichtungen nicht wesentlich niedriger ist, so die Stadt. Auf einen Platz komme rechnerisch ein Mitarbeiter. Deren Zahl liege also bei rund 2000.

Wenn das Café erst heute, Mittwoch, wieder öffne, habe das gute Gründe, machte eine Sprecherin des Betreibers, der Alloheim Senioren-Residenzen deutlich. „Das Café für Mieter der Seniorenwohnungen konnte aufgrund geltender Coronaschutzmaßnahmen und behördlicher Vorgaben nicht geöffnet werden“, so die Sprecherin. „Die Mieter konnten aber in den auf jeder Etage vorhandenen Gemeinschaftsräumen oder im Zuge gegenseitiger Besuche gemeinsam essen. Dies war auch für Angehörige und Freunde der Mieter uneingeschränkt möglich.“

Corona und Seniorenheime in Hamm: kein Zutritt für Externe

Das Café, das wie eine Gastronomie einzustufen ist, wird zunächst ausschließlich für die Mieter des Service Wohnen geöffnet. Dafür hat die Einrichtung ein Hygienekonzept erstellt. Externe Besucher oder größere Gesellschaften – wie früher üblich – haben noch keinen Zutritt. Das sei mit den Behörden abgeklärt, so die Sprecherin. Letztlich ist dies aber eine Entscheidung des Trägers.

Die Bewohner der stationären Pflege hingegen nähmen wohnbereichsbezogen ihr Essen ein. Die stationäre Pflege sei nicht mit dem „Service Wohnen“ zu vergleichen, da auch aufgrund der Pflegebedürftigkeit völlig andere Rahmenbedingungen und Vorgaben gelten, so die Sprecherin. Das Service Wohnen sei im Kern schlicht ein Mietverhältnis mit weiteren Leistungen, die individuell zugebucht werden könnten. Es handele sich hierbei immer um eigenständige Privathaushalte.

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