Jüngstes Aus in Bockum-Hövel

Noch eine Hausarzt-Praxis weniger - So geht es jetzt weiter

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Der Druck für die aktiven Hausärzte in Hamm ist enorm groß.

Dr. Annette Potthoff hat ihre Praxis in Bockum-Hövel aufgegeben. Damit hat Hamm eine weitere Hausärztin verloren. Damit wird der Mangel an Hausärzten in Hamm noch größer.

Hamm – Dr. Matthias Bohle, dem Sprecher des Hammer Ärztevereins, sind zwei weitere Hausärzte bekannt, die bis zum Ende des Jahres aufhören werden. Finden sich keine Nachfolger, arbeiten am Ende des Jahres höchstens noch 89 Hausärzte in Hamm – das sind etwa zwölf Prozent weniger, als es sein dürften. Schon jetzt gibt es Niederlassungsmöglichkeiten für 6,5 Hausärzte in der Stadt. Dr. Potthoff war zu einer Stellungnahme nicht bereit. Drei Allgemeinmediziner hatten zuletzt angekündigt, ihre Praxen bis März zu schließen: Dr. Pipprich in Uentrop, Dr. Wackerbeck im Hammer Osten und Dr. Steinberg im Hammer Westen.

Um gemeinsam eine Lösung zu suchen, haben CDU und SPD nach einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses zum Ärztemangel Ende Januar einen Antrag gestellt. Stadtverwaltung, Kassenärztliche Vereinigung und Vertreter des Ärztevereins Hamm sollen eine Arbeitsgruppe gründen, hieß es darin. Diese Gruppe soll sich eine aussagekräftige Datenbasis schaffen – auch mit Blick auf die Sozialräume: So soll deutlich werden, wenn in einem Stadtteil der Hausarztmangel besonders groß wird.

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Die Groko geht damit darauf ein, dass die Zahl der Hausärzte sich in den einzelnen Stadtteilen stark unterscheidet: So gibt es in Herringen derart viele Hausärzte, dass auf einen Arzt etwa 1999 Einwohner kommen – während in Pelkum 3232 Einwohner auf einen Arzt kommen. Besonders viele Ärzte pro Einwohner gibt es übrigens in Hamm-Mitte: Allerdings werden in der Stadtmitte auch viele Patienten aus den Bezirken mitversorgt.

"Der Druck ist enorm groß"

Über die Beschaffung von Daten hinaus soll die Gruppe gemeinsam mit der Hammer Ärzteschaft überlegen, wie sich Ärzte unterstützen lassen – und prüfen, ob und wie man die Vorschläge umsetzen kann. „Ich finde, dass das ein sehr positives Signal ist“, sagte Bohle nach der Sitzung.

Er selbst ist Allgemeinmediziner und Diabetologe. Er hat bereits viele Patienten aus anderen Praxen mit aufgenommen. „Der Druck ist enorm groß“, sagt Bohle. „Man kann ja nicht doppelt so schnell arbeiten.“ Er nimmt deshalb an, dass er künftig keine oder nur noch wenige Hausbesuche machen kann.

Über den Antrag der Groko entscheidet der Rat im März. Da die Groko eine Mehrheit hat, ist es wahrscheinlich, dass er so beschlossen wird. „Wir wollen dann Ergebnisse sehen“, sagte Oskar Burkert (CDU), der den Antrag gemeinsam mit Ralf-Dieter Lenz (SPD) mit auf den Weg gebracht hat. Ende Juni tagt der Gesundheitsausschuss erneut. Bis dahin soll es die Arbeitsgruppe geben – und sie soll bereits erste Vorschläge liefern.

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