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Konkreter Zeitplan: Dann sollen über umstrittene Straße B63n erste Autos und Lkw rollen

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Von: Jörn Funke

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Riesig: Die Dimensionen des Rangierbahnhofs sind aus der Luft gut zu erkennen. Hierher soll auch die B63n geführt werden.
Riesig: Die Dimensionen des Rangierbahnhofs sind aus der Luft gut zu erkennen. Hierher soll auch die B63n geführt werden. © Hans Blossey

17 Jahre wird es noch dauern, bis Autos über die Bundesstraße 63n fahren können. Doch die Stadt beginn jetzt schon mit einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung. Man wolle das Verfahren so transparent wie möglich führen, sagte Oberbürgermeister Marc Herter am Freitag bei der Vorstellung des Vorhabens. Der Rangierbahnhof soll zuvor von der Kamener Straße aus erschlossen werden.

Hamm – Und da steht die Stadt immer noch am Anfang; aktuell läuft noch die Vorplanung. Teilweise müssen dabei Gutachten neu eingeholt werden – die letzte Verkehrsprognose beispielsweise ist von 2010 und damit veraltet. Genaue Vorstellungen haben die Planer inzwischen über den konkreten Verlauf: Die Straße soll weitgehend auf dem Gleiskörper des Rangierbahnhofs verlaufen. Die Deutsche Bahn halte dafür Flächen frei, sagte Stadtbaurat Andreas Mentz. Der einst geplante Tunnel an der Rathenaustraße ist damit endgültig vom Tisch.

Größtes Problem: Die komplizierte Anbindung an die Hafenstraße

Unklar ist aber, wie sich im südlichen Abschnitt die geplante Erweiterung der Bahnlinie Hamm–Dortmund auf den Straßenbau auswirkt. Hier müssten die Planungen noch abgestimmt werden, sagte Mentz. Kniffelig wird es in jedem Fall am nördlichen Ende: Der Westausgang des Hauptbahnhofs und die Hafenbahn sollen überbrückt werden, bevor die B63n auf einem relativ kurzen Streckenabschnitt zur tiefer gelegenen Hafenstraße geführt wird. Eine „technisch schwierige“ Aufgabe, bemerkte Ingenieurin Catrin Schultenkamp (Tiefbauamt).

Die Vorplanung soll nach derzeitigem Stand 2024/25 abgeschlossen sein. Es folgen: Entwurfsplanung (2025-29), Genehmigungsverfahren (2028/29), Planfeststellungsverfahren (2028-32), Ausführungsplanung (2031-34), Ausschreibung und Bau (2033-39) sowie die Freigabe. 2038 soll der Verkehr auf dem Südabschnitt rollen, 2039 auf dem Nordabschnitt – „wenn alles gut läuft“, so Schultenkamp.

Für den „Multi Hub Westfalen“, den die Deutsche Bahn bis 2028 schrittweise auf dem Rangierbahnhof einrichten will, kommt die B63n also zu spät.

K35 soll Rangierbahnhof erschließen - mit „Hochdruck“ wird geplant

Die Stadt will dafür sorgen, dass das Terminal noch in diesem Jahrzehnt per Lastwagen angefahren werden kann, und zwar über eine neue Kreisstraße 35. Die Planung für diese Verbindung von der Kamener zur Rathenaustraße treibe man „mit Hochdruck voran“, sagte Herter. Der Verlauf soll 2023 feststehen, das Planfeststellungsverfahren 2025 beginnen.

Den langen Planungsprozess für die B63n will die Stadt transparent gestalten und setzt dabei auf eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung. Auftakt einer ganzen Reihe von Beteiligungsformaten war am Donnerstag das erste Treffen eines Begleitkreises aus Abgeordneten, Bürgermeistern und Bezirksvertreten aus Hamm und dem Kreis Unna.

Im Frühjahr soll eine Homepage freigeschaltet werden, in der aktuell über das Projekt informiert wird. Planer und Bürger sollen sich hier austauschen können. Man wolle nicht hinter verschlossenen Türen planen, sagte Herter. Der Planungsstand solle für alle sichtbar sein. Es gehe auch um die Akzeptanz beim Bau einer solchen Straße.

Dass sich da noch viel ändern kann, zeigt ein Blick auf die Kosten. Knapp 60 Millionen Euro nennt der Bundesverkehrswegeplan. Am Ende, sagte Mentz, werde die Summe wohl höher ausfallen.

Die lange Planungsgeschichte der B63n

Die Bundesstraße 63n soll die Autobahnanschlussstelle Bönen/Pelkum mit dem Hammer Hafen verbinden und dabei den Rangierbahnhof erschließen. Die Planungen reichen bis 1924 zurück. Im Laufe der Zeit waren verschiedene Varianten im Spiel, unter anderem eine Hochstraße durch Hamm-Osten und Hamm-Süden. Die aktuelle Variante durch Hamm-Westen war ursprünglich dreiteilig.

Nachdem der Nordabschnitt von der Hafenstraße durch die Lippeaue nach Heessen aufgegeben wurde, geht es jetzt noch um einen Mittelabschnitt zwischen Hafenstraße und Wiescherhöfen und einen anschließenden Südabschnitt bis zur Autobahn 2 in Nordbögge. Seit 2016 steht das Projekt im Bundesverkehrswegeplan. Weil sich jahrelang nichts tat, übernahm die Stadt 2019 die Planungen mit eigenem Personal.

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