„Night of Light“ am 22. Juni als Hilferuf

„Trust“-Chef Christian Brüne hat Angst vor einer vierten Welle

Veranstaltungstechniker Christian Brüne von Trust Music.
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Der Veranstaltungstechniker Christian Brüne mag sich von der Lockerungs-Euphorie (noch) nicht anstecken lassen. Er befürchtet Rückschläge spätestens im Herbst.

Christian Brüne und sein Team bei „Trust-Music“ sind seit März 2020 quasi arbeitslos. Denn sie statten Veranstaltungen mit all dem aus, was die Hauptdarsteller glänzen lässt. Doch seit März 2020 gab es quasi keine Veranstaltungen mehr. Die vielen Lockerungen findet Brüne gut, doch seiner Firma helfen sie kaum. Deshalb will er am 22. Juni ein leuchtendes Zeichen setzen – Motto: „Uns geht es schlecht, und das wollen wir zeigen!“

Hamm – Als mit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 Veranstaltungen aller Art radikal gestoppt wurden, brachen der riesigen Kultur- und Veranstaltungsbranche alle Einnahmen weg. Im Gegensatz zu den meisten anderen Branchen, die sich zwischenzeitlich über Lockerungen und finanzielle Hilfen berappeln konnten, gilt das für Trust und Co. - mit sehr wenigen Ausnahmen - bis heute. Ein Ende ist nicht absehbar, auch wenn es derzeit anders aussehen mag.

Weil das nicht nur an den Nerven zerrt, sondern auch Existenzen bedroht, will sich Trust-Geschäftsführer Christian Brüne mit seinen Leuten am 22. Juni, ein Dienstag, erneut an der bundesweiten Aktion „Night of Light“ beteiligen. Wie schon vor einem Jahr werden die Hammer Technikprofis unter dem Motto „Alarmstufe Rot“ die Wassertürme in Berge und die Zentralhallen ab 21 Uhr und dann die Nacht über rot erstrahlen lassen.

„Night of Light“ 2021 in Hamm

Neben den Wassertürmen, den Zentralhallen (Fassade) und der Waldbühne (Tribüne) werden am 22. Juni ziemlich sicher auch weitere bekannte Gebäude in Hamm rot angeleuchtet; umfassende Infos lagen bis Redaktionsschluss aber leider noch nicht vor. Bei der Aktion im Juni 2020 gehörten zum Beispiel auch die Pauluskirche, der Maxipark, das Kurhaus und das Rathaus dazu. (Mehr online unter www.alarmstuferot.org/nightoflight2021.)

Hilferufe aus Hamm: Feste Mitarbeiter an Bord gehalten

Geschäftsführer Brüne beschäftigt bei seiner Firma hinter den Zentralhallen acht feste Mitarbeiter (darunter drei Azubis, ein neuer wird zum 1. August noch gesucht). Vor Corona hatte er einen Gesamtpool von 30 bis 40 Mitarbeitern, ohne die er seine vielfach bundesweit verteilten Aufträge nicht stemmen konnte. Seit 15 Monaten kann er niemanden von ihnen mehr normal entlohnen. Während der 39-jährige Familienvater zweier Kinder stolz darauf ist, die Kurzarbeit-Zahlungen für die festen Mitarbeiter durch solide, aber inzwischen schwindende Rücklagen auf ein vernünftiges Gehaltsniveau aufzustocken, flüchteten viele Freie verständlicherweise zu anderen Geldtöpfen. Daher werde es schwierig werden, wieder neues Personal zu bekommen, glaubt Brüne.

Da war die Welt noch (sehr) in Ordnung: Christian Brüne mit Kollegen im im Juni 2013 vor der für den „Hammer Summer“ vorgesehenen Bühne.

Das Jahr 2020 würde der Trust-Chef am liebsten komplett aus der Erinnerung streichen. Immer wieder zerstoben Hoffnungen auf finanzielle Hilfen, weil immer neue „Sternchen“ immer mehr Ansprüche speziell seiner Branche ausradierten: „Eine Katastrophe“, findet Brüne. Er gibt zu, dass er sich im Sommer 2020 „kreative Lösungen“ der Stadt Hamm hätte vorstellen können, zeigt sich aber dankbar, dass solche im Jahr 2021 endlich da sind. So konnte er sich einige Wochen lang mit Hybrid-Events (Stichwort „Genusskonzert“) und Streaming-Angeboten wie „Hamm hoch 3“ über Wasser halten. Fünf Klassiksommer-Veranstaltungen und auch das im September angedachte „Comeback-Hamm“-Programm geben einen Funken Hoffnung.

Hilferufe aus Hamm:

Was aber fehlt, sind die großen Aufträge, ist das Tourneegeschäft. Und da verengen sich Brünes Augen. Denn er befürchtet, dass eine vierte Corona-Welle im Herbst, wenn alles wieder in die Innenräume zurückkehrt, die derzeit weithin sichtbare und durch Termine und Ticketverkäufe geschürte Euphorie wieder ausbremsen könnte. „Ich will kein Schwarzmaler sein“, sagt Brüne. Er versuche aufgrund der gewonnenen Erfahrung schlicht eine pragmatische Prognose.

Mit der allgemein spürbaren „Endlich-wieder-so-wie-vorher“-Mentalität kann der Trust-Chef jedenfalls wenig anfangen. Sinnvoller wäre es doch gewesen, mit der Corona-Präsenz klug umgehen zu lernen, findet er. So wie bei Trust eben: Denn er und seine Mitarbeiter hätten die lange Auszeit auch dafür genutzt, sich für das Erstellen und Durchführen entsprechender Konzepte zu schulen. Die liegen jetzt in der Schublade und könnten jederzeit dort herausgeholt werden.

Der doppelte Kaya in Hamm

Das wiederholte Verschieben von Veranstaltungen wegen der immer wieder verlängerten Corona-Auflagen sorgt bisweilen für skurrile Situationen: So wird der Comedian Kaya Yanar nach aktuellem Stand innerhalb von zwei Wochen zwei Mal mit demselben Programm („Fluch der Familie“) in Hamm auftreten: am 29. September in den Zentralhallen (ursprünglich am 23. April 2020 geplant) und am 8. Oktober in der Westpress-Arena. Beide Termine sind derzeit (noch) im Vorverkauf.

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