Corona-Lockdown

Unendliche Lockdown-Last für Kosmetikerin in Hamm

Jacqueline Lutterbeck in ihrer Beauty-Lounge
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Es geht hin und her: Jetzt bleibt die Ladentür der „Beauty Lounge Hamm“ an der Hohenhöveler Straße erst mal wieder zu. Für Kosmetikerin Jacqueline Lutterbeck geht die Corona-Pandemie nicht nur ans Finanzielle. Die vielen Einschränkungen und Unwägbarkeiten kosten Kraft.

Es ist gerade mal ein knappes Jahr her, da hat Jacqueline Lutterbeck noch ihr Ladenlokal vergrößert. 15 Quadratmeter hat sie für ihre „Beauty Lounge Hamm“ an der Hohenhöveler Straße dazu gemietet. Die Geschäfte gingen gut. Und so lange sollte diese Sache mit Corona doch nicht gehen.

Bockum-Hövel – Jetzt, im April 2021, weiß es die 34-Jährige besser. Und die vielen Erfahrungen, die sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gemacht hat, haben nicht gerade ihren Optimismus gestärkt. „Ich kann nachts nicht mehr schlafen“, sagt sie. „Denn als alleinerziehende Mutter und selbstständige Frau im Bereich der körpernahen Dienstleistungen sehe ich, dass meine Existenz gefährdet ist.“ Mit dem erneuten harten Lockdown, der am Mittwoch in Kraft getreten ist, haben sich diese Befürchtungen noch verstärkt.

Was die Unternehmerin auf die Palme bringt, sind vor allem „das ganze Heckmeck, die Widersprüche und all diese Dinge“, sagt sie. Also das ständige Hin und Her der zahlreichen Corona-Verordnungen, in dem sich kaum noch jemand zurechtfindet. Das simpelste Beispiel sieht sie in ihrem eigenen Laden. Dort bietet sie eine Palette von der Fußpflege über Kosmetik bis zum Fingernagelstudio an. Vier Mitarbeiterinnen waren bei ihr beschäftigt – eine hat sich bereits neu orientiert.

Und während die Kundschaft der beiden Kolleginnen, die sich um die Fußpflege kümmern, als Vorgabe für den Besuch im Ladengeschäft nur einen medizinischen Mundschutz tragen mussten, sah das in den vergangenen Wochen in den anderen Bereichen anders aus. Um sich die Fingernägel machen oder kosmetisch beraten zu lassen, mussten die Kundinnen einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen. „Aber alle sind ja durch die selbe Tür reingekommen“, versteht Lutterbeck den Sinn der Vorgaben nicht mehr. Sie selbst muss als Dienstleisterin, um ihr Geschäft weiter offen halten zu können, alle 48 Stunden einen Test machen.

Lockdown-Last für Kosmetikerin: Zusätzlicher Job

Um die laufenden Geschäfts- und Gewerbemietkosten bezahlen zu können, hat Lutterbeck im Februar einen zweiten Job in einer Immobilienfirma angenommen – in dem Beruf, den sie vor 15 Jahren ursprünglich gelernt hat. Entsprechend hatte sich ihr Tagesablauf in den vergangenen Wochen deutlich verändert: Von acht bis zehn Uhr war sie in ihrem Geschäft, anschließend von zehn bis 17 Uhr im Immobilienbüro – und danach noch einmal bis 19 Uhr an der Hohenhöveler Straße.

Lockdown-Last für Kosmetikerin: Betreuung des Sohnes

Nebenbei muss sie sich um ihren achtjährigen Sohn Phil kümmern, der bis zum Pandemie-Ausbruch nach der Schule ins Geschäft gekommen ist. Das war zuletzt aufgrund der Vorschriften nicht mehr möglich. „Wegen meines Sohnes habe ich sonst bis 15 Uhr gearbeitet“, sagt sie. „Jetzt bin ich aber bis 17 Uhr im Büro und muss dann auch noch jemanden finden, der sich um ihn kümmert. Denn die Notbetreuung in der Schule ist mittags nach der regulären Schulzeit beendet.“

Lockdown-Last für Kosmetikerin: Finanzielle Sorgen

Dadurch, dass sie in ihrem Zweitjob nun Geld verdient, fällt sie aus der aktuellen Corona-Hilfe heraus. „Mein Einkommen wird da angerechnet“, sagt sie in dem Wissen, dass sich an dieser Stelle die Katze in den Schwanz beißt. „Den Job habe ich ja angenommen, weil ich meine Sachen sonst nicht bezahlen kann. Und unsere Vermieterin kommt uns auch nicht entgegen.“ Derzeit reiche das Geld daher gerade, um die Fixkosten zu bezahlen und sich über Wasser zu halten.

Als die ersten Corona-Hilfen vor einem Jahr auf den Weg gebracht wurden, erhielt Lutterbeck noch 9000 Euro. „Das Geld kam damals sehr schnell, aber ich musste dann später über die Hälfte wieder zurückzahlen“, erinnert sie sich. Jetzt bekommt sie gar nichts, „weil ich wieder im Büro arbeite“.

Lockdown-Last für Kosmetikerin: Verordnungs-Hickhack

Was die Unternehmerin aber am meisten nervt, ist die Tatsache, dass es mittlerweile kaum noch möglich ist, mit dem Tempo der Verordnungs-Änderungen und Differenzierungen mitzuhalten. „Ich wünsche mir, dass alles ein bisschen durchsichtiger erklärt wird. Selbst das Ordnungsamt weiß ja irgendwann nicht mehr weiter“, sagt sie. Und: „Man sollte alles auf eine Ebene stellen und einheitliche Regeln schaffen.“ Jetzt bleibt die Ladentür vorerst wieder geschlossen. Das, zumindest, ist deutlich.

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