Stolz auf die Hilfe der Heessener

Barbara Sander über ihr Reisebüro in der Krise: „Ich bin hier nicht alleine“

Erfährt viel Hilfe: Barbara Sanders Geschäft – das Sun-Reisebüro – hat stark unter der Corona-Krise gelitten.
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Erfährt viel Hilfe: Barbara Sanders Geschäft – das Sun-Reisebüro – hat stark unter der Corona-Krise gelitten.

Die Heessener Händler und Dienstleister wurden alle vom Auftauchen des mittlerweile schon nicht mehr ganz so neuartigen Corona-Virus in den Würgegriff genommen – besonders getroffen hat es eine: Die Inhaberin des Reisebüros am Heessener Markt, Barbara Sander.

Heessen – Jetzt ist sie ins Modehaus Lyko umgezogen. Michael Girkens wollte von ihr wissen: Was hat das Virus bei ihr angerichtet – und wie geht es ihr jetzt?

Bevor Sie Ihr Geschäft wegen des Corona-Lockdowns schließen mussten: Wie hat das Jahr denn begonnen?

Im Januar sah 2020 aus wie eines der besten Jahre überhaupt. Ich hatte ganz viele Kreuzfahrten verkauft, Flugreisen, Fernreisen, und ich habe mich sehr über diesen Umsatz gefreut.

Und dann kam der Lockdown?

Es ging vorher schon los. Ende Februar, in der ersten Märzhälfte haben mich viele Kunden angerufen und Rat gesucht. Soll ich noch fliegen? Soll ich noch auf ein Kreuzfahrtschiff? Die Menschen haben sich Sorgen gemacht.

Und dann der 18.März…

…der Tag, an dem ich das Geschäft schließen musste. Aber das heißt ja nicht, dass ich nichts zu tun hatte, im Gegenteil. Es gab mordsmäßig Arbeit! Die Kunden haben mich praktisch den ganzen Tag angerufen und die Reisen abgesagt. Oder die Reisen wurden abgesagt. Morgens um acht und abends um 19 Uhr oder später klingelte mein Telefon. Und es war ja erst auch mal völlig unklar, wie und wann die Kunden ihr Geld zurückbekamen. Mein Nachbar hat mich versorgt, weil ich nicht mal zum Einkaufen kam.

Und verdient haben Sie in der Zeit auch nichts, oder?

Ich habe nicht nur nichts verdient, ich musste die Provisionen, die ich für die Vermittlung von Reisen bekommen habe, zurückzahlen. Ich war oft sehr niedergeschlagen. Ich habe zum Beispiel individuelle USA-Rundreisen verkauft, die wurden alle storniert und die Provisionen einfach wieder abgebucht. Ich habe sozusagen ein Minus-Minus gemacht, den ganzen Tag geschuftet, und das Geld auf dem Konto wurde immer weniger.

Alle Provisionen?

Es waren alle Provisionen weg. Aber zum Teil konnte ich eine Ratenzahlung erreichen. Denn wie willst du von nichts etwas zahlen? Denn Lizenzgebühren, Miete für den ganzen Laden und Versicherungen werden trotzdem fällig.

Haben Sie die Corona-Unterstützung beantragt?

Ja, gleich am ersten Tag, und ich habe sie auch bekommen, 9000 Euro, aber nur für Betriebsausgaben. Das Kurzarbeitergeld für meine Mitarbeiterin habe ich auch gleich im März beantragt, das wurde aber erst Ende Juni ausgezahlt. Die Mitarbeiterin ist mittlerweile mit meiner Hilfe bei einem anderen Reisebüro untergekommen.

Wovon haben Sie gelebt?

Von meinen Reserven. Das war in der ganzen Branche so, alle Kollegen haben von ihrem Erspartem oder von ihren Ehepartnern gelebt. Und dann hatte Dagmar Hölscher…

...die Geschäftsführerin des Modehauses Lyko…

...die Idee, dass ich bei Lyko einziehe. Ich finde, das ist gelebte Solidarität. Ich habe gemerkt: Ich bin hier nicht allein. Der Vater von Dagmar Hölscher, Theo Frerich, hat die Ecke bei Lyko mit eingerichtet und beim Umzug geholfen, und Dagmar selbst hatte tolle Ideen. Und Margarete Schaffranietz vom DRK-Treff ist gekommen und hat mir Kuchen gebracht.

Aufmunterung: Barbara Sander erhielt diese Torte als Geschenk.

Und wie ist es so bei Lyko?

Es ist toll. Ich kann jetzt schon die Kasse bedienen, das ist ziemlich einfach. Der Deal ist ja auch, dass ich bei Lyko im Laden helfe, wenn ich gerade keine Kunden habe. Und ich werde von den Kunden angesprochen, vor allem von den Männern. Schauen Sie mal, das Hemd, heißt es dann zum Beispiel, kann ich das tragen? Das mache ich richtig gern.

Wie geht‘s denn weiter?

So langsam läuft das Geschäft wieder an. Erst waren es ganz kleine Dienstleistungen, ein Hotel zu buchen zum Beispiel, aber jetzt kommen die ersten Anfragen nach Kreuzreisen. Die Kunden wollen es wieder. Und es geht um Flugreisen, Griechenland gilt in Sachen Corona als sicheres Reiseland, dort haben sie perfekte Hygienestandards. So langsam geht es mir besser.

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