Hammer Arbeitskreis für Jugendhilfe aktiv

WG-Projekt für Wohnungslose bietet Chance auf Neuanfang

Basis für einen Neustart: Katharina Köhnke begleitet die Hausbewohner.
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Basis für einen Neustart: Katharina Köhnke begleitet die Hausbewohner.

Seit Anfang November bietet der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. (AKJ) als Träger des vernetzten Drogenhilfesystems in Hamm generationsübergreifend ein Wohnprojekt für wohnungslose Menschen an.

Hamm - Acht Teilnehmer haben am Bockumer Weg die Chance, wieder in feste Strukturen zu finden. Betreut werden sie von einer Sozialarbeiterin. Das Ziel: Früher oder später sollen die Bewohner Aussicht auf eine eigene Wohnung haben. Das Projekt ist ein neuer Baustein in der Wohnungslosenhilfe in Hamm.

Das Projekt wird vom Land gefördert und ist auf eineinhalb Jahre angelegt, mit Option auf eine einjährige Verlängerung. Dafür ist Sozialarbeiterin Katharina Köhnke beim AKJ in Vollzeit angestellt. Köhnke hat ein Büro im Erdgeschoss bezogen. Das Haus ist von einem Privateigentümer gemietet. Nach weniger als einem Monat gibt es schon eine Warteliste.

Die acht Bewohner und Bewohnerinnen leben in Wohngemeinschaften: eine Frauen-WG, eine Männer-WG und eine gemischte, barrierearme Wohngemeinschaft. Jeder Bewohner hat einen Mietvertrag unterzeichnet. Die Miete kommt von den zuständigen Ämtern. Damit Regeln für das Zusammenleben gelten, haben alle eine Hausordnung unterschrieben.

WG-Projekt für Wohnungslose in Hamm: Bett, Kühlschrank und Schrank

Die Zimmer sind vom Vermieter mit Bett, Kühlschrank und Schrank möbliert. Hinzu kommen Dinge, die die Bewohner mitbringen. Das ist oft nicht viel: Horst (55) kam hier im Wesentlichen mit den Kleidern an seinem Leib an. Manches ist bereits über Spenden hinzugekommen. Jede WG verfügt über eine voll ausgestattete Küche und ein Gemeinschaftsbad.

Die Menschen, die hier leben, kommen aus der Wohnungslosigkeit und unterschiedlichen Problemlagen. Meistens spielen Drogen eine Rolle. Katharina Köhnke, die Erfahrung aus dem Betreuten Wohnen und der Drogenhilfe mitbringt, steht ihnen zur Seite. „Einige sind schon sehr fit, andere müssen kleinschrittiger betreut werden“, sagt sie. Dazu gehören beispielsweise Schriftverkehr oder Behördengänge, Tagesabläufe und Wochenstrukturen. „Oft handelt es sich um komplett autonome Menschen. Manchem fällt es schwer, Hilfe anzunehmen. Andere haben Angst vor zu vielen Regeln. Ziel ist es, von einer engmaschigen Betreuung mehr und mehr zu einer Verselbstständigung zu gelangen“, sagt Köhnke.

WG-Projekt für Wohnungslose in Hamm: Wohndauer nicht vorgegeben

Die Wohndauer ist nicht vorgegeben. Köhnke ist optimistisch, dass manchem der Schritt in eine eigene Wohnung schneller gelingen wird, andere würden möglicherweise die komplette erste Projektphase in der WG leben. Der 55-jährige Horst ist froh über seinen kleinen Freiraum, auf ewig sei dies für ihn aber keine Perspektive.

Mit dem Projekt einher geht eine Auswertung. Im Hintergrund steht ein prominent besetzter Beirat mit Vertretern aus Fachämtern, Organisationen, Stiftungen und dem Eigentümer.

Sachspenden sind willkommen. Horst beispielsweise schlägt einen Wäschetrockner für die Hausgemeinschaft vor. Kontakt AKJ: Telefon 9215324 (Katharina Köhnke).

Horst (55) in seinem WG-Zimmer am Bockumer Weg.

Ein Bewohnerschicksal

Horst (55) ist einer der ersten Bewohnern des Hauses am Bockumer Weg. Er hatte seine Wohnung verloren und drei Monate bei einem Freund „auf der Couch“ geschlafen. Auf der Straße hat er bisher nicht gelebt. „Da würde ich kaputt gehen“, sagt er. Der 55-Jährige wurde vom AKJ auf das Projekt angesprochen. Er wird substituiert und ist Empfänger von Hartz IV. Er hat einst im Bergbau gelernt und war sieben Jahre unter Tage. Später arbeitete er noch für ein Sicherheitsunternehmen als Posten im Gleisbau. Mit Alkohol und Drogen kam er schon als Kind in Berührung. „Ich komme aus einer Bergbaufamilie. Da gab es immer Bier. Das war normal“, sagt er. Mit 18 habe er in Amsterdam erstmals ein Heroin-Kokain-Gemisch konsumiert. Mit der Abhängigkeit geriet sein Leben aus dem Gleichgewicht: Arbeit und Partnerin weg, Wohnung nicht mehr haltbar. Sein Ziel heute: Ordnung finden und eine eigene Wohnung.

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