Weiteres Pottbäcker-Opfer aus Hamm

Kaplan verging sich offenbar in Bockum-Hövel an Realschülern

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Beim Gemeindekarneval: Heinz Pottbäcker spielte die Gitarre und war in Bockum-Hövel beliebt.

Hamm – Es nimmt kein Ende. Ein weiteres mutmaßliches Missbrauchsopfer des Kaplans Heinz Pottbäcker meldete sich in der WA-Redaktion und brach 50 Jahre nach den Übergriffen in Bockum-Hövel sein Schweigen.

Wenige Stunden bevor der Münsteraner Bischoff Felix Genn den emeritierten Pfarrer Ulrich Zurkuhlen (79) nach dessen Skandal-Predigt und weiterer umstrittener Äußerungen von allen Aufgaben entband, kam so auch in den Fall Pottbäcker wieder Bewegung. Der heute 61-Jährige, der sich am Mittwoch meldete, gab an, als Elfjähriger mehrfach von dem 2007 verstorbenen Kaplan Heinz Pottbäcker misshandelt worden zu sein. Auch sein Fall wurde nie zur Anzeige gebracht.

Es ist bereits das fünfte Opfer, das sich seit November in der Redaktion gemeldet hat und von Übergriffen dieses Geistlichen aus den Jahren 1968 bis 1971 berichtet. Der spätere Bischof Lettmann vertuschte in seiner damaligen Funktion als Generalvikar die pädokriminellen Machenschaften Pottbäckers und versetzte ihn immer wieder an andere Orte.

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Zurkuhlen bewohnt Pottbäckers Wohnung

Der nunmehr endgültig in den Ruhestand versetzte Zurkuhlen soll in seiner Predigt, in der er sich dafür stark machte, dass Priestern, die Kinder missbraucht haben, vergeben werden solle, Pottbäcker im Sinn gehabt haben. Zurkuhlen bewohnt nach Informationen der Selbsthilfegruppe Rhede ferner Pottbäckers ehemalige Wohnung in Münster (siehe Video weiter unten) und soll mit ihm zusammen auf dem Priesterseminar gewesen sein.

„... und es gibt noch weitere Opfer"

Die jetzt bekannt gewordenen Übergriffe sollen sich 1969 in der Realschule Bockum-Hövel zugetragen haben. Das mutmaßliche Opfer war damals mehrfach vom Schulleiter zum Nachsitzen verdonnert worden. Obwohl Pottbäcker keine Funktion an der Schule hatte, soll er sich bei diesen Gelegenheiten in dem Karzer-Raum aufgehalten und sich an dem heute 61-Jährigen vergangen haben.

„Und es gibt noch weitere Opfer. Aber die können bis heute nicht über das Erlebte sprechen“, sagte der seit einigen Jahren außerhalb Bockum-Hövels lebende Mann dem WA.

Suizidversuche und Albträume

Er selbst habe sich im Februar/März 2019 an die Missbrauchsstelle des Bistums gewandt und warte seitdem auf eine Entscheidung bezüglich einer Anerkennung des Leids.

Die Folgen der Übergriffe ließen ihn bis heute nicht los. Zwei Suizidversuche habe er hinter sich, leide seit Jahrzehnten unter Albträumen und befinde sich deshalb auch in Behandlung.

Wie Hohn klingen für ihn die Worte Zurkuhles, der am Dienstag erklärt hatte: „Wenn Kinder wirklich so etwas Schreckliches erlebt haben bei einem Jugendkaplan, warum gingen sie immer wieder dahin?“ Die Kinder hätten ja offenbar auch ein positives Verhältnis zu dem Mann gehabt. Er sei jedenfalls der Auffassung, dass es „vielleicht nicht so tragisch für die Kinder war“.

Zurkuhlen im Teddybär-Zimmer:

Zurkuhlen in Ruhestand versetzt:

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