Neues Konzept für Notaufnahmen

Ohne Notfall in der Notaufnahme: Werden bald Patienten abgewiesen?

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Kommen einige Patienten demnächst nicht mehr bis ins Wartezimmer des Krankenhauses?

Hamm - Die Krankenhaus-Notaufnahmen in NRW sind überlastet. In diesem Winter warteten Patienten in der Notaufnahme des Evangelischen Krankenhauses (EVK) mehr als drei Stunden, bis ein Arzt sie untersuchte. Aus dem Landesgesundheitsministerium kommt ein Lösungsvorschlag: Portalpraxen.

Mehr als 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der Notaufnahme könnten mit dem Arztbesuch warten, bis ein niedergelassener Mediziner Sprechzeit hat. Das schätzt Prof. Dr. Wolfgang Kamin, Ärztlicher Direktor des EVK. Bei den Erwachsenen liege der Anteil bei 40 Prozent.

Abgewiesen werden die Patienten derzeit nicht. Allerdings stufen Pfleger am Empfang der Notaufnahme ein, wie dringend eine Behandlung  ist. Wer nicht als dringender Fall gilt, muss oft viel Zeit verbringen, bevor ihn ein Arzt untersucht.

Das Landesgesundheitsministerium hält Portalpraxen für eine Möglichkeit, Notaufnahmen zu entlasten. Bis 2022 soll es sie flächendeckend in NRW geben. „Patienten werden in Krankenhäusern über einen zentralen Empfang der Portalpraxis und ein strukturiertes Ersteinschätzungsmodell zum richtigen Behandlungsort weitergeleitet“, erklärt eine Sprecherin des Ministeriums. Dieser Ort könne die Klinik sein, eine Notfallpraxis, aber auch ein niedergelassener Arzt.

Im Klartext: Einige Patienten werden künftig nach Hause geschickt, wenn das Personal am Empfang der Portalpraxis findet, die Behandlung dränge nicht.

Zu diesen Zeiten hat die Notdienstpraxis der Kinderärzte geöffnet

Patienten abzuweisen, sieht Kamin kritisch: Wenn Eltern mit ihren Kindern in die Klinik kämen, sei die Situation für sie immer belastend. Das nähmen er und seine Kollegen ernst – so dass immer ein Arzt die Patienten untersucht. Zudem will er nicht, dass doch mal ein Notfall übersehen wird.

Am liebsten würde Kamin im Winter einen weiteren Arzt in der Notaufnahme beschäftigen. Doch dafür fehlt das Geld. Für Versorgung eines ambulanten Falls nach 19 Uhr und am Wochenende bekommt die Klinik 21,10 Euro. Laut Kamin reicht das nicht annähernd, um die Kosten zu decken.

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