Gaststätte mit eigener Brauerei?

Neues Konzept für einen Traditionsgasthof in Rhynern

Der Lindenhof in Rhynern hat einen neuen Eigentümer.
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Der Lindenhof in Rhynern hat einen neuen Eigentümer.

Der Lindenhof in Rhynern hat den Eigentümer gewechselt. Für die weitere Nutzung wird nun ein völlig neues Konzept entwickelt.

Rhynern - Über 200 Jahre alt ist das Fachwerkhaus im Herzen von Rhynern. Seit dem 2. Weltkrieg heißt es Lindenhof und stand als Gastwirtschaft schon im immer im Mittelpunkt des Dorfgeschehens. Nun soll eine neue Ära eingeläutet werden. Die Adolph-Kolping-Stiftung hat jedenfalls eine interessante Ideenliste für ein neues Konzept zusammengestellt.

Die Stiftung aus Paderborn ist seit dem 1. Juli dieses Jahres Eigentümerin der denkmalgeschützten Immobilie, sie wurde ihr von Hermann Velmerig zugestiftet, also geschenkt. Velmerig gehörte der Lindenhof in dritter Generation der Familie. Seit 1970 war er für das Gebäude verantwortlich. Selbst hinter dem Tresen stand er dabei nie, aber er erfüllte stets den Auftrag seiner Eltern, dass der Lindenhof für Rhynern erhalten bleiben soll. Mangels direkter Erben und fehlendem Interesse anderer in Frage kommender Erben hat er sich nun nach seinem 80. Geburtstag dazu entschlossen, den Lindenhof der Kolping-Stiftung zu übergeben, in der Hoffnung, dass der Wunsch seiner Eltern erfüllt wird: Der Lindenhof soll noch lange für die Bürger Rhynerns erhalten bleiben.

Ein Geschenk für soziales Engagement: Hermann Velmerig (Zweiter von rechts) erhielt ein Bild, das unter anderem Adolph Kolping zeigt. Wolfgang Gelhard (von links, Stiftungsvorstand), Ingeborg Velmerig, David Bontempi (Hotel Sosato), Friedel Schulz (Geschäftsführer Kolpingbildungswerk Hamm) und Regina Schafmeister freuen sich auf die Zukunft des Lindenhofes in Rhynern.

Im Laufe der 50 Jahre, die Hermann Velmerig für den Lindenhof verantwortlich war, habe es Höhen und Tiefen bei der Verpachtung gegeben. „Im Moment ist es leider nicht mehr der Treffpunkt für die Bürger des Ortes“, stellte er fest. „Es wäre schön, wenn das wieder so wird“, wünscht er sich und sieht die weitere Zukunft bei der Kolping-Stiftung in guten Händen.

Die nahm das Geschenk voller Freude an, lobte das soziale Engagement Velmerigs, und es sprudelten bereits einige Ideen für die Zukunft.

Die ersten Ideen

Grundsätzlich soll das Restaurant und Hotel „Lindenhof“ als Inklusionsbetrieb konzipiert werden. Damit wäre auch gewährleistet, dass das Gebäude weiterhin allen Bürgern als Gastwirtschaft erhalten bleibt. Inklusionsbetrieb bedeutet zum Beispiel, dass unter anderem ein Teil der Belegschaft Menschen mit Behinderung sind. Geplant sind Synergieeffekte unter anderem mit dem Hotel Susato in Soest, das ein ähnliches Konzept fährt. Dessen Hoteldirektor David Bontempi ist auch ins „Brainstorming“ für den Lindenhof einbezogen. Noch sei alles in der Vorplanung, ein kleines Bonbon verriet Bontempi bereits: „Wir sind bereits in Gesprächen, so dass wir im Lindenhof eine kleine Brauerei errichten könnten und vielleicht sogar dort ein neues „Kolping-Bier“ brauen können.

Die Umsetzung

Um letztlich die Ideen umsetzen zu können, werden Umbaumaßnahmen erforderlich sein. An der Außenfassade wird sich allein aus Denkmalschutzgründen nichts verändern. Aber innen wird vieles dem neuen Konzept angepasst werden. Stand jetzt werde auch der alte Saal (aktuell Lager einer Elektro-Firma) mit in die Planungen eingebunden, bestätigte Regina Schafmeister vom Stiftungsvorstand. Ein Architekturbüro sei bereits mit im Boot.

Der Zeitplan

Das alles bedarf noch viel Zeit. Zunächst muss das Konzept vom LWL genehmigt werden, davon hängt auch die Finanzierung ab. „Da sind wir aber sehr optimistisch“, so Schafmeister. Allerdings werde die Vorplanung wohl mindestens noch bis zum Jahresende andauern. Mit dem aktuellen Pächter Ali Mazachir ist bereits gesprochen worden, dabei sei ihm mitgeteilt worden, dass womöglich in den kommenden Monaten der Pachtvertrag unter Einhaltung der gesetzlich Kündigungsfrist gekündigt werde. Solange – und das wird noch einige Monate so sein – läuft das Hotel und Restaurant Lindenhof wie bislang unter der Regie von Mazachir weiter. Unter seiner Leitung waren die Fremdenzimmer im Obergschoss umfangreich renoviert worden und sind stets gut belegt.

Die Geschichte

Das Fachwerkhaus stammt aus dem Jahre 1831, erste bekannte Eigentümerin war Josephine Isenbeck. Anschließend ging es in den Besitz der Familie Hötte über. In dieser Zeit verkehrte in Rhynern die Pferdepost, die auch für die Personenbeförderung eingesetzt wurde. Haltepunkt war unter anderem die Gastwirtschaft Hötte. 1912 kaufte Hermann Velmerigs Großvater Franz das Gebäude und betrieb die Gastwirtschaft. 1937 ging der Besitz an dessen Sohn Theodor Velmerig, ein Elektro-Geschäftsmann aus Rhynern, ehe 1970 wiederum dessen Sohn Hermann Velmerig Eigentümer wurde. Nach dem 2. Weltkrieg erhielt das Gebäude den Namen „Lindenhof“, da auf dem Vorplatz Linden standen. „Der Name bleibt in jedem Fall erhalten. Das ist notariell so festgesetzt“, erklärte Hermann Velmerig.

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