Hammer Unternehmer ändern im Überlebenskampf Geschäftsmodelle

Neues in der Corona-Not: Gastronomen und Firmen setzen auf Abholen und Bringen

Greta Debus vom Restaurant „Die Knolle“ im Hammer Osten hat sich kurzerhand Lieferboxen besorgt. Ihre Stammkunden bleiben ihr treu.
+
Greta Debus vom Restaurant „Die Knolle“ im Hammer Osten hat sich kurzerhand Lieferboxen besorgt. Ihre Stammkunden bleiben ihr treu.

Gastronomen und Händler in Hamm sind durch die Corona-bedingten Schließungen in Not. Um wirtschaftlich zu überleben, steigen zahlreiche Geschäftstreibende zum Beispiel auf Lieferungen um. Doch auch dafür gibt es klare Spielregeln.

Hamm – Greta Debus ist die Inhaberin des Restaurants „Die Knolle“ in Hamm-Osten. Sie blickt Tag für Tag auf leere Tische. „Wir wurden voll aus dem Geschäft gerissen“, sagt sie. Innerhalb weniger Tage hat sie sich Transportboxen zum Warmhalten besorgt und liefert Schnitzel, Kartoffel-Pizza und Co. jetzt auch nach Hause.

„Der Lieferservice wurde am Wochenende schon gut angenommen. Besonders unsere Stammgäste unterstützen uns weiter. Das rührt mich sehr und tut einfach nur gut“, sagt sie. Leicht werden die kommenden Wochen trotzdem nicht. Die Getränkeumsätze bleiben aus, die Lieferungen können die fehlenden Gäste nicht ausgleichen. „Wir hoffen darauf, dass diese Situation nicht zu lange anhält.“

Einige Beispiele, wie es gehen kann:

Beispiel Restaurant

Die Geschäftsführung des „Brauhaus Henin“, das auch ausliefert, hat sich eine besondere Aktion einfallen lassen. „Helden“, die während ihrer Corona-Krise ihre Gesundheit riskieren, gewähren sie 25 Prozent Rabatt. Das gilt für alle Beschäftigten der Hammer Krankenhäuser, der Feuerwehr und der Polizei. Ein Nachweis darüber sei nicht erforderlich, heißt es in einer Mitteilung. Aber: „Wir appellieren an alle Gäste, dieses Angebot nicht zu missbrauchen, damit wir die betroffenen Berufsgruppen weiterhin unterstützen können.“

Das Team kündigt an, in der kommenden Woche weitere Berufsgruppen zu belohnen, die außerordentlichen Einsatz in der Krise zeigen und appelliert, bei lokalen Einzelhändlern einzukaufen.

Beispiel Burger-Bräter

Rouven Kirchhoff, Inhaber des „Beef Club“ an der Pauluskirche, musste mehreren Mitarbeitern kündigen, um die Existenz des Burger-Ladens vorerst zu sichern. Als Zwei-Mann-Team arbeiten er und der letzte verbliebene Beschäftigte weiter. Kirchhoff hat sich für die neuen, ganztägigen Lieferfahrten das Auto seiner Mutter geliehen und informierte in den sozialen Netzwerken.

„Wir hoffen jetzt, dass das anläuft“, sagt Kirchhoff. Neu ist eine verkleinerte „Corona-Karte“, auf der aufwendige Zutaten wie Guacamole fehlen. Das lohne sich einfach nicht.

Wir berichten in unserem Newsticker fortlaufend über die Coronavirus-Entwicklungen in NRW

Nicht nur Gastronomen lassen sich was einfallen

Doch nicht nur Gastronomen stellen ihre Geschäftsabläufe als Reaktion auf die Corona-Krise um.

Beispiel Fahrradhändler

Zweirad Niehues darf innerhalb der vor kurzem grundsanierten Geschäftsräume am Kloster-Drubbel keine Kunden mehr empfangen – und weitet den Service deshalb aus. Das Team hat angekündigt, kaputte Fahrräder, die eine Reparatur benötigen, künftig auch abzuholen. Probe-Räder würden ebenfalls künftig zu den Interessenten nach Hause gebracht. Neuräder und Zubehör (ab 50 Euro) werden künftig ebenfalls in einem Umkreis von 15 Kilometern geliefert.

Beispiel Buchhändler

Die Hammer Buchhändler freuen sich darüber, dass viele Menschen jetzt, da sie nicht mehr im Geschäft stöbern können, auf die lokalen Online-Shops und Liefermöglichkeiten ausweichen. „Das wird überraschend gut angenommen“, sagt Luise Harms von der Buchhandlung Harms am Alten Uentroper Weg. „Das ist eine bewusste Entscheidung, die viele Kunden treffen. Sie wollen die Händler vor Ort stärken. Das ist toll.“ Harms hofft darauf, wegen der weiter laufenden Verkäufe und trotz der Einbußen keinen Mitarbeiter in Kurzzeit schicken zu müssen.

Auch die Buchhandlung Holota in der Weststraße setzt auf einen Lieferservice.

So erfahren Sie von den Angeboten:

Neben den genannten Anbietern sprießen in ganz Hamm unzählige weitere Beispiele toller Geschäftsideen aus allen möglichen Branchen aus dem Boden. Vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda und Social Media versuchen sie potenzielle Kunden und Nutzer zu erreichen. Ein neues Portal namens "Lieferservice Hamm" will helfen, indem es diese Angebote bündelt und sichtbar macht. (Klicken Sie sich hier in das Portal hinein.)

Regeln und Bußgelder:

Gastronomie-Betriebe und die meisten Geschäfte müssen zwar grundsätzlich geschlossen bleiben. Außer-Haus-Verkäufe und Lieferungen sind aber laut Erlass erlaubt, wenn der Mindestabstand (1,5 Meter Mensch-zu-Mensch) eingehalten wird.

Aber Achtung: Der Verzehr von Außer-Haus-Speisen näher als 50 Meter am Restaurant oder Imbiss kostet allerdings 200 Euro. Das besagt der am Dienstag erlassene neue Bußgeldkatalog des Landes NRW.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos hier:

Corona - Das Leben in Hamm in Zeiten des Virus (2)

Corona - Das Leben in Hamm in Zeiten des Virus (2)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare