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Gekommen, um zu bleiben: Pascal Ledune packt die großen Themen an

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Von: Frank Osiewacz

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Pascal Ledune ist neuer Chef der Wirtschaftsförderung.
Oberster Wirtschaftsförderer für Hamm: Pascal Ledune hat die Nachfolge von Dr. Karl-Georg Steffens angetreten. © © Andreas Rother

Pascal Ledune soll der heimischen Wirtschaft einen kräftigen Schub verleihen - und sie dauerhaft nach vorne bringen. Er hat bereits Anlauf genommen.

Hamm – Er steckt voller Tatendrang, der neue Chef der Wirtschaftsförderung Hamm (WFH). Knapp zwei Wochen ist Pascal Ledune als Nachfolger von Dr. Karl-Georg Steffens und Martin Löckmann, der die Geschäfte kommissarisch führte, im Amt. Von einem langsamen Eingewöhnen ist zumindest nach außen hin keine Spur. Vom Wirtschafts-, Handels- und Hochschulstandort Hamm und was in ihm steckt hat er klare Vorstellungen. Das ist mehr als mancher meinen mag.

Pacsal Ledune wird Chef von „Verschmelzungs-Agentur“

Mit der Installation der neuen Impuls GmbH zum 1. Juli erwartet Ledune (gesprochen: „Ledün“) zügig die erste größere Herausforderung. Die Verschmelzung der WFH mit der Hammer Technologie- und Gründerzentrum GmbH (Hamtec) und der Stadtmarketing Hamm GmbH sähen viele als lange überfällig.

Ledune: Raus aus alten Schablonen

„Zusammen werden wir eine ganz andere Performance haben“, meint Ledune. Für jeden Mitarbeiter sei das eine Einladung zum Mitgestalten. „Gewinner oder Verlierer gibt es dabei nicht“, sagt der WFH-Chef. „Es geht darum, breiter zu denken und aus den alten Schablonen und festen Zuständigkeiten herauszukommen.“ Wenn ein Unternehmer seine Zeit für ein Gespräch zur Verfügung stelle, müsse das für ihn am Ende auch lohnend sein.

Zur Person

Pascal Ledune ist in Wickede/Ruhr geboren. Mit seiner Familie lebt er im Ortsteil Echthausen (rund 1500 Einwohner). Ledune studierte in Aachen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH), war Leiter Invest und stellvertretender Geschäftsführer der Dortmunder Wirtschaftsförderung und danach ab 2021 Projektentwickler bei der Gütersloher Unternehmensgruppe Hagedorn. Hamm kenne er seit Jahren, so der 51-Jährige. Nicht zuletzt weil sein Stammtisch sich hier einmal im Monat treffe. Nach außen hin werde Hamm bisher vielleicht nicht so stark wahrgenommen. Die Stadt habe großes Potenzial. Ledune ist Fußballfan und fühlt sich trotz beruflicher Dortmunder Vergangenheit beim VfL Bochum zuhause.

Wie die neuen inhaltlichen Zuschnitte aussehen, sei im Moment in der Abstimmung. In der Vergangenheit hatte es zwischen Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Überschneidungen gegeben, kritisiert wurden beispielsweise im Handel klare Zuständigkeiten. Neben der Gründung der Impuls GmbH stecken Hamm und die Wirtschaftsförderer mitten in einer Reihe weiterer richtungweisender Themen, die großen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung haben werden. Bei einem Besuch in der Redaktion hat Ledune Handlungsfelder und Leitprojekte kurz angerissen und kommentiert.

Thema Wasserstoff

„Für mich gibt es drei Standorte in NRW“, sagt Ledune. „Duisburg mit Thyssen/Krupp im Hintergrund, Dortmund mit der Technischen Uni und Hamm mit echter Nähe zum Rohstoff. Das ist eine Riesenchance für die Stadt. Hier ist Potenzial, das Thema größer zu machen. Mit Lippetal zusammen haben wir interkommunal Flächen für Ansiedlungen.“

Thema Multihub

„Wenn wir ernsthaft darüber reden, mehr Güter auf die Schiene zu bringen und nicht irgendwo auf der grünen Wiese neu anfangen wollen, gibt es wenige Argumente gegen den Standort Hamm. Die Bahn muss jetzt Gelder freisetzen. Es schreit danach.“

Thema Hochschulen

„Hochschulen und Unternehmen sollten gut vernetzt sein, um die gegenseitigen Bedarfe zu kennen und darauf reagieren zu können. Da ist sicher noch viel Potenzial. Ich stelle mir zum Beispiel eine regelmäßige Börse mit Unternehmen und Hochschulen vor. Es geht am Ende auch darum, junge Menschen in Hamm zu halten.“ Nicht nur in diesem Zusammenhang spricht Ledune gern von einem „Klebe-Effekt“.

Thema Handel/Gastro

„Handel hat es nicht nur in Hamm schwer“, sagt Ledune. „Eine Patentlösung habe ich nicht in der Tasche. Jede Stadt hat ihre eigenen Merkmale. In jedem Fall ist eine gute Vernetzung der Akteure immens wichtig. Wir müssen uns fragen, wie sich Anreize schaffen lassen, das Publikum in Hamm zu halten. Zum Beispiel auswärtige Maxipark-Besucher noch zum Besuch in der Innenstadt zu bewegen. Aktionen und Veranstaltungen wie Fachmessen oder auch zuletzt eine Bierbörse können dazu beitragen, die Stadt stärker in den Fokus zu rücken. Ich stelle mir zum Beispiel auch mehr Pop-Ups vor, um kurzfristig Leerstand zu schließen und die Stadt zu beleben.“

Thema Wirtschaft

„Ich wünsche mir, dass Unternehmen nach außen Botschafter für die Stadt werden, indem sie sich mit dem Standort identifizieren. Daher müssen wir zunächst für den Bestand gute Rahmenbedingungen schaffen, denn hier spielt die Musik. Natürlich brauchen wir auch eine gute Willkommenskultur für Unternehmen und eine starke Vernetzung untereinander. Wir müssen die Wertschöpfungsketten hier halten (Stichwort Klebe-Effekt). Hamm ist stark im Mittelstand. Vielleicht können wir in der Vermarktung branchenübergreifend noch stärker anpacken – insbesondere auch im Handwerk. Hamm wird nach außen bisher nicht so stark wahrgenommen, ist in mancher Hinsicht eher ein Standort auf den zweiten Blick. Aber ein lohnenswerter.“ Nichts geschehe von heute auf morgen, sagt Ledune. „Aber ich habe nicht vor, hier nur eine Amtsperiode zu machen.“ Die Ärmel sind hochgekrempelt.

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