Neue Vorschriften gefährden Kleinbetrieb von Friseurin aus Westünnen

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Gertraud Kuse-Hahn, Friseurmeisterin aus Westtünnen, sorgt sich um den Fortbestand des Mobilen Friseurteams.

Gertraud Kuse-Hahn aus Westtünnen betreibt seit über 25 Jahren ein mobiles Friseur-Geschäft. Sie hat sich auf Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen spezialisiert. So versorgt sie auch viele Krebspatienten mit Perücken. Die Nachfrage ist groß. Jetzt aber machen ihr neue Vorschriften Sorgen.

Westtünnen – „Der Beruf macht mir einfach unheimlich viel Spaß. Auch nach so vielen Jahren noch“, sagt Gertraud Kuse-Hahn strahlend. Nur zuletzt sei ihr der Spaß gehörig vergangen. Damit meint sie auf keinen Fall die Arbeit mit den Menschen, auch nicht unbedingt die Folgen der Corona-Krise. 

Es sind die besonderen Auflagen und Vorschriften, die ihrem kleinen Betrieb – sie hat zwei Kräfte auf 450-Euro-Basis als Aushilfen – das Leben erschweren. Sie findet: „Kleine Unternehmen werden ohne Not kaputtreglementiert.“ Damit spricht sie sicherlich vielen Betrieben aller Branchen aus der Seele. In unterschiedlichen Bereichen haben die Unternehmer darunter zu leiden. In ihrem Fall geht es um die Abrechnungsmöglichkeit mit den Krankenkassen. 

Vieles ist jetzt komplizierter

Das macht sie bei einem Großteil der krankheitsbedingten Perücken seit rund zehn Jahren ohne Probleme. Das soll auch grundsätzlich so weiterlaufen. Aber: Für den Erhalt einer notwendigen Präqualifizierung, also eine Zulassung für die Abrechnung mit Krankenkassen, haben sich die Bestimmungen geändert. Und das hat Vieles komplizierter gemacht. 

Das geht los mit einem großen Fragenkatalog, den Kuse-Hahn beantworten muss. Beispiel: Sie sollte Fotos vom Ausstellungsraum liefern. Sie hat einen Arbeitsraum zu Hause eingerichtet. Einen Salon hat sie als mobiles Unternehmen ja gar nicht. Kunden kommen in der Regel gar nicht zu ihr, da viele ein Handicap haben und nicht mehr oder nur sehr beschwerlich ihr Zuhause verlassen können. 

Lange Liste an Anforderungen

Aber gut, dachte sich Kuse-Hahn, wenn es denn sein muss, dann schicke ich Fotos. Da sie in der Computer- und Internetwelt nicht wirklich zu Hause ist, übernahm ihr Sohn diese Aufgabe. Diese Hilfe eines Familienmitglieds hätte die Friseurmeisterin aber nicht in Anspruch nehmen dürfen: „Dritte Personen dürfen nicht mit einbezogen werden“, hieß es, da alles streng vertraulich sei. 

Zusätzlich zu den Fotos sollte ein Grundriss des Hauses eingereicht werden. „Das sind nur Beispiele. Die Liste der Vorgaben und Anforderungen an uns war lang. Die Gründe dafür schwer nachvollziehbar“, so Kuse-Hahn, die dennoch hofft, dass sie mittlerweile Wünsche der Präqualifizierungsstelle erfüllt hat. Denn nach der Corona-Krise möchte sie ihren Betrieb schon sehr gerne fortführen. 

Besonderes Vertrauensverhältnis zu Kunden

Aber in Deutschland werde solch Kleinunternehmen immer mehr die Lust genommen. Und das kann und will sie nicht einsehen. „Ich möchte mich nicht dem Schweigen der Lämmer anschließen, da es um Existenz und Arbeitsplätze geht.“ Sie ist sich sicher, dass Hamm ohne ihren Betrieb etwas fehlen dürfte. Sie verstehe sich gar nicht als reine Dienstleisterin. Dazu sei der Kontakt zu den Menschen auch viel zu persönlich. 

Bei ihren Besuchen in Krankenhäusern und Heimen werde ein besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut. „Man wechselt halt seinen Friseur genauso ungern wie seinen Hausarzt“, zieht sie einen Vergleich. Über ihre Arbeit hat sie 2002 ein Buch geschrieben mit dem Titel „Mit Schere, Kamm und Lockenstab.“ Gerade Kunden, die auf eine Perücke angewiesen sind, greifen gerne auf ihren Service zurück. „Wir helfen den Kunden bei der Pflege und bei allen Problemen, die anfallen.“

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