Krisenstab hat getagt

Hamm steht still: Massive Einschränkungen privater Feiern, zwei neue Infektionsfälle

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Der Krisenstab im Rathaus hat neue Maßnahmen beschlossen, um die Folgen der Coronavirus-Pandemie einzudämmen.

[Update 16.52] Hamm – Die Stadt hat neue Maßnahmen bekanntgegeben, um die Corona-Welle in Hamm einzudämmen. Damit sind drastische Einschnitte für alle Bürger verbunden.

"Die Situation wird stündlich dramatischer", sagt Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie in der Stadt. "Wir haben heute beschlossen, dass nur noch Zusammenkünfte von maximal 25 Personen zulässig sind." 

Das gelte auch für alle private Feiern wie Hochzeiten, Taufen oder Geburtstage.

Etliche neue Auflagen seien durch Landeserlasse in Sachen Coronavirus hinzugekommen. Alle Sporthallen und Fitnessstudios werden geschlossen. Genauso wie Shisha-Bars, Kneipen, Kinos und Saunen, der Maxipark und der Tierpark. Alle städtischen Veranstaltungen bis Ende Mai werden abgesagt.

Coronavirus: Hamm entrümpelt Keller, Garagen und Dachböden 

Auch der Recyclinghof wird geschlossen, um die Aufrechterhaltung der Müllabfuhr zu sichern. Am Montag war der Andrang von Menschen, die am Wochenende offenbar Keller, Dachböden oder Garagen entrümpelt haben, riesig.

"Da wird mit Bargeld gezahlt. Wir wollen nicht riskieren, dass das Virus über diesen Weg in die Verwaltung getragen wird", erklärt Ralf Hohoff, Leiter des OB-Büros.

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Tagespflegeeinrichtungen schließen ebenfalls. Wer als Angehöriger keine Möglichkeit hat, einen Pflegefall anders zu betreuen, sollte sich bei der Stadt melden. Die Verwaltung versucht dann, einen stationären Platz auf Zeit zu vermitteln.

Coronavirus in Hamm: Keine Besuch mehr im Krankenhaus

Die Besuchsregelungen in den Krankenhäusern wird noch einmal der Lage angepasst. Ab Dienstag werden keinerlei Besuche gestattet. Bei Altenheimen bleibt es bei der Regelung ein Besucher für eine Stunde pro Bewohner pro Tag. 

Coronavirus in Hamm: Restaurants müssen Kranke abweisen

Auch für Restaurants gibt es Einschnitte: Nur die Hälfte der vorhandenen Plätze darf besetzt werden. Menschen mit Grippe-Symptomen soll der Zutritt verwehrt werden. Zwei-Meter-Abstände zu Nachbartischen müssen eingehalten werden.

Die Hammer Tafel bleibt trotz des Coronavirus' vorerst geöffnet.

Der Wochenmarkt wird als Grundlage der Nahversorgung aufrecht erhalten. In jedem Stadtbezirk soll es künftig Einkaufsdienste für Menschen geben, die in Quarantäne sind und nicht von Freunden und Verwandten versorgt werden können. Ob dauerhaft Publikumsverkehr in der Verwaltung zugelassen wird, soll in den kommenden beiden Tagen entschieden werden.

"Wir sind kurz davor, dass das öffentliche Leben endgültig stillgelegt wird. Es werden neue Allgemeinverfügungen erarbeitet", sagt der Oberbürgermeister. Die Hotline der Stadt unter 02381 17-6444 ist weiterhin stark nachgefragt. Pro Tag laufen mindestens 500 Anrufe ein. 20 bis 25 Mitarbeiter sind für die Beantwortung abgestellt.

Hunsteger betont, die neuen Maßnahmen verstärkter zu kontrollieren. "Gegen alle, die dagegen verstoßen, werden wir auch Bußgelder verhängen." Die Stadt wird bei der Durchsetzung auch um Amtshilfe bei der Polizei bitten.

Coronavirus in Hamm: Zwei neue Infektionsfälle bekannt

Es gibt darüber hinaus zwei neue Infektionsfälle in Hamm. Damit steigt die Zahl auf 10. Ein Mann und eine Frau, beide unter 50 Jahre alt, sind betroffen und befinden sich in häuslicher Quarantäne. Beide haben sich wie sieben der acht bislang Infizierten auf Reisen in die Skigebiete in Österreich und Tirol angesteckt. Die Krankheit hat bei beiden einen sehr milden Verlauf.

In Hamm befinden sich aktuell rund 50 Kontaktpersonen der Infizierten in vorsorglicher Quarantäne. Keine dieser Personen zeigt derzeit Anzeichen, ebenfalls an Covid-19 erkrankt zu sein.

Coronavirus in Hamm: Schulbusse sind zwangsläufig fast leer

Der OB lobt die Reaktion der Hammer auf die Maßnahmen. So seien die Menschen bislang sehr diszipliniert. In den Kitas seien 115 von 7.300 Kindern abgeliefert worden, die in Notgruppen untergebracht wurden. 

In den Schulen wurden am Montag 96 Schüler in 22 Einrichtungen betreut. Der bislang sichtbar gewordene Bedarf sei am Montagmorgen eine Entspannung der Situation gewesen. "Vor heute und morgen hatte ich Angst", so Hunsteger. "Selbst wenn diese Zahlen noch einmal deutlich ansteigen sollten, kriegen wir das gestemmt."

Der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke spricht davon, dass die E-Fahrzeuge, also die Schulbusse, nahezu komplett leer geblieben sind.

Coronavirus in Hamm: Eingeschränkter Fahrplan (noch) nicht geplant

Auch ansonsten nutzen die Hammer den ÖPNV offenbar nur noch dann, wenn es zwingend geboten ist. Die Busfahrer sprechen von einem Fahrgastanteil von 60 Prozent gegenüber normalen Tagen.

„Wir planen derzeit aber nicht, den Fahrplan einzuschränken“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Sollte dies irgendwann doch nötig werden, denke man zunächst ähnlich wie bei der Bahn darüber nach, auf den Wochenendfahrplan umzustellen.

Die Geschäftsstelle des WA und das Kundenzentrum der Stadtwerke sind ab sofort für den Publikumsverkehr geschlossen. Anfragen von Kunden werden telefonisch unter Tel. 274-0 entgegengenommen.

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