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Neue, deutliche Kritik: Droht am Standort für Recyclinghof der Verkehrskollaps?

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Von: Cedric Sporkert

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Ramponiert: Die Fahrbahn des Hellwegs ist von der Richard-Wagner-Straße ausgehend in einem schlechten Zustand.
Ramponiert: Die Fahrbahn des Hellwegs ist von der Richard-Wagner-Straße ausgehend in einem schlechten Zustand. © Robert Szkudlarek

Die Kritik am von der Verwaltung für den zweiten Recyclinghof gewählten Standort reißt nicht ab. Vor allem die Verkehrssituation bereitet Anliegern Sorgen.

Hamm - Bevor an diesem Dienstag die Bezirksvertretung Mitte erstmals im Rahmen einer politischen Sitzung in Hamm die Pläne für den neuen, zweiten Recyclinghof diskutiert, erneuern Anwohner und Gewerbetreibende ihre Kritik.

Ein Kernpunkt: Aus ihrer Sicht sind die Zufahrtsstraße im Gewerbegebiet „Im Ried“ sowie der von Schlaglöchern übersäte Hellweg nicht dafür ausgelegt, mehreren hundert Anlieferungen am Tag verkehrlich Stand zu halten.

Bis zu 550 Anlieferungen pro Tag in der Spitze

Mit Blick auf die erwartete Kundenfrequenz rechnet die Verwaltung so: Die Stadt geht davon aus, dass sich die rund 250.000 Anlieferungen pro Jahr am derzeit einzigen Recyclinghof „Am Lausbach“ gleichmäßig auf beide Standorte aufteilen werden. Bei rund 300 Öffnungstagen pro Woche liege die durchschnittliche Anlieferzahl bei 420 pro Tag und 50 pro Stunde.

Es gebe jahreszeitliche Schwankungen, die dazu führten, dass die Anlieferungen im anlieferstärksten Monat Oktober um bis zu 30 Prozent zunähmen. In der Jahresspitze geht die Verwaltung so von 550 privaten Anlieferungen am Tag aus. Für die Immissionsberechnungen hat die Stadt diesen Wert auf 1000 erhöht, um einen Puffer zu haben.

Anlieger: Selbst hoch gegriffener Wert noch zu niedrig

Selbst dieser Wert ist aus Sicht der Anlieger jedoch zu niedrig gewählt. Am jetzigen Standort der Notannahmestelle auf dem Ökonomierat-Peitzmeier-Platz in unmittelbarer Nähe sei dieser Wert schon häufiger überschritten worden, heißt es in einer Stellungnahme des Getränkehändlers Schürmann an den Rat.

Hier sollen täglich bis zu 1000 Autos durch: An der Zentrale von Schürmann vorbei geht es künftig zum Recyclinghof.
Hier sollen täglich bis zu 1000 Autos durch: An der Zentrale von Schürmann vorbei geht es künftig zum Recyclinghof. © Robert Szkudlarek

Bei einer Ausweitung der abzugebenden Abfallfraktionen sei mit einer weiteren Steigerung zu rechnen. Künftig sollen am Standort „Im Ried“ alle Abfallarten vom Restmüll über Sperrmüll, Papier, Altmetall, Bauschutt, Grünabfall, Elektroschrott und Sondermüll wie Farben Lacke oder Batterien abgegeben werden können.

„Straße Im Ried nicht geeignet, zusätzliche Verkehre aufzunehmen“

Schürmann-Geschäftsführer Thomas Schürmann bemängelt, dass die Stadt mit veralteten Zahlen aus Bockum-Hövel rechne, obwohl der Standort an den Zentralhallen seit zwei Jahren aktiv sei und hier ebenfalls Zahlen vorliegen sollten. „Die Zahlen vom Lausbach einfach zu halbieren, reicht unserer Ansicht nach nicht aus.“

Zum einen würde möglicherweise der Standort „Im Ried“ wegen seiner zentralen Lage von mehr als der Hälfte der Bürger genutzt, so Schürmann. Zum anderen könnten kürzere Wege zu häufigeren Fahrten zum Recyclinghof führen. Schürmann: „Wir halten die Straße Im Ried für nicht geeignet, diese zusätzlichen Verkehre aufzunehmen. Es müsste dann ja wohl auch in der gesamten Straße ein absolutes Park- und Halteverbot ausgesprochen und vor allem auch kontrolliert und durchgesetzt werden. Dies dürfte jedoch bei dem einen oder anderen ansässigen Gewerbebetrieb zu Schwierigkeiten führen.“

Nur ein auf der Straße parkendes Fahrzeug störe den Verkehrsfluss bereits erheblich.

Schürmann: Erhebliche Beeinträchtigung der Betriebsabläufe

Auch die eingeplante Wartezone von 100 Metern auf dem Gelände des Recyclinghofs sei zu kurz geplant. Auf dem Hellweg habe es sich in der Vergangenheit bereits 150 Meter lang gestaut – vor allem kurz vor Betriebsbeginn der Notannahmestelle. „Da die Einfahrt zu unserem Leerguthof direkt gegenüber zur geplanten Einfahrt zum Recyclinghof liegt, wäre dieser in solchen Fällen nicht mehr erreichbar“, so Schürmann.

„Ein Vorbeifahren an der wartenden Schlange ist mit einem Sattel- oder Gliederzug nicht möglich. Aus den genannten Gründen befürchten wir eine erhebliche Störung unserer Logistik und damit eine erhebliche Beeinträchtigung unserer Betriebsabläufe.“

Verwaltung: „Befürchtung ist unbegründet“

Die Stadtverwaltung hält die Einwände derweil für unbegründet. Die Straße Im Ried sei eine Gewerbestraße und mit sieben Metern einen halben Meter breiter als für eine solche Straße vorgeschrieben. Da ausschließlich Privatanlieferungen überwiegend per Pkw erfolgten, kämen trotz in der Straße parkender Autos zwei Pkw immer noch aneinander vorbei. „Die Befürchtung, dass es regelmäßig vom Recyclinghof ausgehend unverträgliche Rückstausituationen in die Gewerbestraße hinein gibt, ist unbegründet“, schreibt die Verwaltung.

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