Ein Funke hat genügt

Großbrand bei der WDI vor einem Jahr - Neubau läuft längst

Dicke schwarze Rauchwolken steigen am Ostermontag, 22. April 2019, aus der brennenden Beizanlage der WDI empor. Funkenflug bei Reparaturarbeiten hatte den Großbrand ausgelöst, an dem rund 400 Einsatzkräfte beteiligt waren.
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Dicke schwarze Rauchwolken steigen am Ostermontag, 22. April 2019, aus der brennenden Beizanlage der WDI empor. Funkenflug bei Reparaturarbeiten hatte den Großbrand ausgelöst, an dem rund 400 Einsatzkräfte beteiligt waren.

Es war einer der größten Feuerwehreinsätze in Hamm seit dem Zweiten Weltkrieg. Vor einem Jahr wurde bei einem Großbrand auf dem Werksgelände der Westfälischen Drahtindustrie (WDI) die Beizanlage komplett zerstört.

Hamm – Riesige schwarze Rauchwolken steigen am Ostermontag 2019 über dem WDI-Gelände in den Himmel, bis zu 400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und DRK sind im Einsatz, es dauert mehrere Stunden, bis der Großbrand gelöscht ist.

Die Bilanz am Ende des Tages: Sechs Verletzte mit Rauchvergiftungen, Dutzende Anwohner aus der unmittelbaren Nähe werden evakuiert und die Halle mit der Beizanlage ist komplett ausgebrannt. Die Maschine: Totalschaden. Der Sachschaden beläuft sich auf mehre Millionen Euro, heißt es einige Tage später im Polizeibericht.

Ein Funke genügte

Ursache des Großbrandes, so bestätigen sich die Vermutungen, die schon am Ostermontag geäußert wurden, war Funkenflug bei Schweißarbeiten am sogenannten „Hauptaggregat Beize“. Dort liefen gerade Reparaturarbeiten an der Anlage, bei denen offenbar ein Funke von einer Absauganlage angesaugt wurde und die ganze Anlage in Brand setzte.

Die drei damals in der Halle anwesenden Mitarbeiter versuchten zunächst, das Feuer mit Feuerlöschern selbst zu löschen. Als dies nicht gelang, alarmierten sie umgehend die Feuerwehr. Die drei Mitarbeiter kamen mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Verletzt wurden im Laufe des Tages zudem zwei Anwohner und ein Feuerwehrmann.

Ein Jahr nach dem Brand bei der WDI

Ein Jahr nach dem Brand bei der WDI
Ein Jahr nach dem Brand bei der WDI
Ein Jahr nach dem Brand bei der WDI
Ein Jahr nach dem Brand bei der WDI
Ein Jahr nach dem Brand bei der WDI

In der 75 Meter langen Anlage wurden Drähte in einem Salzsäurebad gereinigt. „90 Prozent der in Hamm bei der WDI und der Tochterfirma Nedri Industriedraht gefertigten Produkte brauchen diese Reinigung durch die Beize“, erläutert WDI-Geschäftsführerin Katja Pampus.

Gebeizt wird aktuell nicht mehr in Hamm

Damit der Betrieb weiterlaufen kann, wird seitdem an drei anderen WDI-Standorten gebeizt: in Rothenburg an der Saale, in Iserlohn-Kalthoff und in Venlo in den Niederlanden. Das alles ist jedoch keine Lösung auf Dauer. Deshalb wird bereits seit einigen Monaten an einer neuen Beizanlage in Hamm gebaut.

Im Juli vergangenen Jahres, drei Monate nach dem Großbrand, haben die Arbeiten begonnen, derzeit sei man im Plan, erklärt Pampus und ergänzt: „Wir hoffen, Ende dieses Jahres auf der neuen Beizanlage probeweise den Betrieb anfahren zu können.“

Neuer Standort der Beize

Die neue Anlage entsteht übrigens nicht an alter Stelle. Das bisherige „Hauptaggregat Beize“ aus dem Jahr 1972 befand sich im nördlichen Bereich des WDI-Geländes und hatte einen Nachteil: Um die zu beizenden Drähte dorthin zu bringen, mussten sie über die Otto-Brenner-Straße transportiert werden – und später wieder zurück. Und diese Fahrten passierten mehrmals täglich.

Der strategische Nachteil für das Unternehmen und die Wartezeit für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer entfallen mit dem Neubau, der im südlichen Bereich des WDI-Geländes entsteht.

Die neue Beizanlage der WDI soll Ende des Jahres den Probebetrieb aufnehmen können.

Auf dem neusten Stand der Technik

Die neue Beize ist damit näher an der Produktion. Sie ist größer als die alte, abgebrannte Vorgängeranlage. „Sie hat größere Becken und kann mit einem größeren Beizhaken schwereres Gewicht bewältigen. Damit sind wir auf dem Stand der Technik“, sagt die WDI-Geschäftsführerin. Mit der alten, fast 50 Jahre alten Beize wurden jährlich 20.0000 Tonnen Draht behandelt.

Die WDI hat derzeit 1300 Mitarbeiter, davon 400 in Hamm. In der alten Beize hatten 30 Mitarbeiter gearbeitet. Sie alle sind weiterhin bei der WDI beschäftigt, einige wenige an den Beizanlagen der anderen Standorte, die meisten an anderen Anlagen hier in Hamm.

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