Corona-Situation im Supermarkt

Nervlich nah am Lockdown: Verkäufer bekommen aggressive Stimmung weiterhin zu spüren

Bewahrt immer die Ruhe: Kassiererin Julia Bagdohn freut sich, wenn Kunden wie Marc Sauer sich an die Corona-Schutzmaßnahmen bei Rewe Jahns halten.
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Bewahrt immer die Ruhe: Kassiererin Julia Bagdohn freut sich, wenn Kunden wie Marc Sauer sich an die Corona-Schutzmaßnahmen bei Rewe Jahns halten.

Corona und kaum das Ende in Sicht: Im Supermarkt wird die Stimmungslage bei den Hammern derzeit besonders deutlich. Wut und Frustration bekommen dabei vor allem die Mitarbeiter an der Kasse zu spüren. Sie sind immer da – und müssen immer alles aushalten.

Hamm – Die Corona-Regeln im Supermarkt gelten schon eine ganze Weile. Sie dürften eigentlich bekannt sein – und zwar allen Kunden. Wirklich?

Bei Rewe Jahns halten sich laut Kassenaufsicht Julia Bagdohn 90 Prozent an die Schutzmaßnahmen im Geschäft, doch es gebe immer wieder „Experten, die beispielsweise eine Stoffmaske tragen oder keinen Einkaufswagen nutzen“. Mitarbeiter wie Bagdohn müssen sich immer wieder Beleidigungen anhören, wenn sie Kunden auf ihr Fehlverhalten hinweisen. „Aber es ist unsere Pflicht, die Auflagen durchzusetzen. Das geht manchmal ganz schön an die Substanz“, sagt die 34-Jährige. In einigen wenigen Fällen müsse erst mit der Polizei gedroht werden, bis sich der Kunde beruhige. „Das ist aber zum Glück die Ausnahme.“

Situation im Supermarkt entspannter

Auch ihre Kollegin Marita Derbich hat solche Situationen schon erlebt: „Wir haben diese Schutzmaßnahmen nicht erst seit gestern. Wenn sich einige Kunden immer noch nicht daran halten, dann fühlt man sich mittlerweile echt veräppelt.“ Sie gibt zu bedenken, dass die Mitarbeiter acht bis zehn Stunden am Tag die medizinische Maske tragen, „dann schaffen es Kunden doch wohl für eine halbe Stunde diese aufzusetzen.“ Die Stimmung ist seit dem ersten Lockdown bei Rewe Jahns jedoch besser geworden.

Auch beim Edeka-Markt an der Pausluskirche hat sich die Stimmung mittlerweile gebessert. „Schlimmer war es im ersten Lockdown, weil sich einige Kunden nicht an die Schutzmaßnahmen gewöhnen konnten und wir deshalb viel über die Einhaltung der Regeln diskutieren mussten“, sagt eine stellvertretende Filialleiterin des Edeka-Marktes und möchte anonym bleiben. Aggressive Kunden kämen mittlerweile seltener vor. Bei schlechtem Wetter merke sie, dass die Anspannung jedoch zunehme. Auch hier verstünden einige Kunden die herrschenden Schutzmaßnahmen bis heute nicht. Weisen Mitarbeiter Kunden auf ihr Fehlverhalten hin, würden Kunden oft dabei aggressiv. „Ich glaube, die Menschen vermissen ihre Freiheiten und lassen dann hier ihren Frust raus.“

Umgang mit aggressiven Kunden

Marita Derbich von Rewe Jahns nimmt ausfallende Äußerungen zwar nicht mehr persönlich, dafür aber gedanklich aber immer öfter mit nach Hause. „Vor allem jüngere Kunden werden ordinär, wenn man sie zurechtweist.“ Beleidigungen wie „Schlampe“ oder „Engstirnige Kuh“ musste sich die Verkäuferin bereits anhören. Bagdohn berichtet zuhause von ihrem „neuen“ Alltag. Dort tausche sie sich mit ihrem Partner aus.

„Wir sind alle gereizt und genervt, das ist verständlich, aber man sollte es nicht an anderen auslassen.“ Wenn ein Kunde ausfallend wird, versuchen die Mitarbeiter bei Edeka und Rewe Jahns, freundlich zu bleiben. „Man kann das mit dem passiv Rauchen vergleichen: Die aggressive Stimmung wirkt sich auch auf andere aus. Deshalb sollte man versuchen, sich gegenseitig davor zu schützen“, so Bagdohn.

Die Edeka-Mitarbeiter versuchen, sich von solchen Unhöflichkeiten ebenfalls nicht die Laune vermiesen zu lassen. Und trotz all des Ärgers gibt es laut der stellvertretenden Filialleiterin des Edeka-Marktes auch etwas Positives: „Hin und wieder entschuldigt sich ein Kunde, wenn er sich falsch verhalten hat.“

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