Halle immer noch nicht wieder nutzbar

Nebeltest zeigt: Sachsenhalle trotz Sanierung weiter undicht

Weißer Rauch steigt aus der Sachsenhalle: Das ist kein Brand, sondern ein Nebeltest. Mit dem prüfte die Firma Brüggemann im Auftrag der Stadt die Dichtigkeit des Regenableitungssysteme.
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Weißer Rauch steigt aus der Sachsenhalle: Das ist kein Brand, sondern ein Nebeltest. Mit dem prüfte die Firma Brüggemann im Auftrag der Stadt die Dichtigkeit des Regenableitungssysteme.

Im August war der Starkregen, der die Sporthalle der Sachsenhalle unter Wasser setzte. Der Grund waren Undichtigkeiten im Regelablaufsystem. Seit dem Herbst untersuchten Experten die Rohre, dichtete sie ab - und testeten jetzt, ob alles wieder dicht ist. Ist es nicht.

Heessen - Für einen Moment stand Alfred Heukamp der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Der Leiter des Bereiches Haustechnik im Immobilienmanagement der Stadt hatte den dichten Nebel gesehen, der aus der Herrentoilette der Sporthalle der Sachsenhalle drang und für einen Moment geglaubt, das das Rohrsystem zur Ableitung des Regenwassers sei doch noch nicht dicht. Um es gleich zu sagen: Ist es auch nicht – aber das hat nichts mit der vernebelten Herrentoilette zu tun.

Seit dem Starkregen im August ist die Halle gesperrt

Nach einem Starkregen am 13. August vergangenen Jahres hatte die Sporthalle in der Sachsenhalle unter Wasser gestanden. Nach einer eingehenden Untersuchung war nach einigen Tagen klar: Das Wasser war über das Dach in die Halle eingedrungen.

Heukamp erklärte damals, wie das Regenwasser normalerweise abläuft: „Das Wasser sammelt sich auf dem Dach und wird durch zwölf Fallrohre nach unten weggeleitet“, sagt er, „die Rohre sind in Betonpfeiler eingelassen, die in der Sporthalle stehen.“ Über der Bodenplatte macht das Rohr noch eine Kurve zum Rand der Bodenplatte und von dort aus wird der Regen über ein breiteres Rohr zum Abwasserkanal geleitet.

Brennt es in der Herrentoilette der Sachsenhalle? Nein - nur der Nebel war durch falsche Rohre gewabert.

Der Regen am 13. August aber war so stark, dass der Abwasserkanal schon voll war. Das Regenwasser vom Dach der Sporthalle stand also in den Rohren und konnte nicht abfließen. „Das sind acht Meter Höhe, da wird richtig Druck aufgebaut“, sagt Heukamp.

Und unter diesem Druck gaben die 44 Jahre alten, möglicherweise schon spröden Dichtungen nach, das Wasser floss an vielen Stellen in die Sporthalle. Hinzu kommt, dass beim Bau der Sachsenhalle 1976 verschiedene Rohre verwendet wurden. Die Fallrohre sind aus Guss, die Rohre, die zum Kanal führen sind Steinzeugrohre. Die Übergänge – „Kupplungen“ genannt – sind die schwächsten Stellen im System.

Rohr für Rohr wurde untersucht

In den vergangenen Monaten haben Mitarbeiter der Stadt und von Fremdfirmen in der Halle Rohr für Rohr auf Dichtigkeit prüft, unter anderem mit Nebeltests. Dabei wird in das Rohrsystem an einem Ausgang Nebelfluid herein gedrückt, und der Nebel kommt natürlich da heraus, wo er auch austreten soll – aber auch eben dort, wo er gar nicht herauskommen darf. Wo eine Undichtigkeit auftrat, wurde sie beseitigt.

Das geschah auf zweierlei Weise. Manche Rohre bekamen eine Art Innenrohr, einen „Inliner“, der künftig für Dichtigkeit sorgt. Diesen Inliner einzuziehen ist bei den versteckt verlegten Rohren mit mehreren rechten Winkeln aber gar nicht so einfach. Wo das nicht ging, mussten die Arbeiter aufwendiger vorgehen: „Wir mussten an einigen Stellen den Boden aufmachen und die Rohre austauschen“, sagt Alfred Heukamp, „wenn wir mit dem Inliner nicht erfolgreich waren.“

Getrübter Blick: Wegen einer falsch angeschlossenen Nebelmaschine waberte der Nebel plötzlich durch die Herrentoilette.

Das sieht man an der einen oder anderen Stelle, stört aber den Gesamteindruck nicht. Denn fast immer konnten die Betonpfeiler oder -wände von den Hinterräumen wie dem Geräteraum geöffnet werden, oder es betraf andere nicht so sehr im Blickpunkt stehende Räume. Ein Rohr verlief durch eine Außenwand, und auch hier gibt es nichts zu sehen: Die Prallschutzwände verstellen den Blick auf die Außenwand selbst.

Und so kam Heukamp am Montagmorgen guten Mutes zum letzten Test. Mit ihm trafen Dieter Brüggemann und seine Mitarbeiter aus dem Betrieb Brüggemann Rohrreinigung ein. Bei klirrender Kälte schlossen sie die Nebelmaschine draußen an einem Gulli an das Abwasserrohr an und jagten den Nebel in die Rohre.

Von Schmutzwasser- und Abwasserrohren

Dabei gibt es zwei Rohrsysteme, die das Regenwasser vom Dach in die Kanalisation ableiten, jeweils an der Längsseite der Halle orientiert. Bei der Prüfung des Rohrsystems auf der Seite des Piebrockskamps unterlief den Arbeitern ein kleiner Fehler: Sie erwischten das Ende des Schmutzwasserrohres, das, so Brüggemann, dem Ende des Abwasserrohres zum Verwechseln ähnlich sieht. Und über die Schmutzwasserrohre gelangte das Nebelfluid in die Herrentoilette und vernebelte die gekachelten Räumlichkeiten.

Hier wird der Nebel gemacht: Dieter Brüggemann (links) mit seinen Mitarbeitern vor der Sachsenhalle.

Weniger vernebelt waren bei der Prüfung des anderen Abwasserrohrsystems ein Treppenaufgang und ein Geräteraum – aber das heißt: Die Sanierung muss noch weiter gehen. An einer der beiden Stellen war das Inliner-Verfahren angewendet worden, und doch war das Rohr nicht dicht. Ein Sprecher der Stadt sagte, man werde die beiden undichten Stellen so zügig wie möglich angehen, möglicherweise seien die Arbeiten schon Ende kommender Woche abgeschlossen.

Richtig tragisch ist die Entdeckung weiterer Undichtigkeiten nicht. Wegen der Corona-Pandemie findet in der Sporthalle weder Sportunterricht noch Vereinssport statt.

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