Stadt entzieht Nutzungserlaubnis für Hinterhofgebäude

Nazi-Zentrum am Kentroper Weg nach Ortsbegehung sofort dicht gemacht

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Die Einfahrt zum „Zuchthaus“ am Kentroper Weg: Hier fand am Dienstag die Begehung statt.

Hamm – Sie sind also tatsächlich fündig geworden. Mitarbeiter des Bauordnungsamtes und der Feuerwehr haben am Dienstagvormittag eine Ortsbesichtigung in dem seit Jahren als Nazitreffpunkt bekannten Hinterhofgebäude am Kentroper Weg 18 durchgeführt. Am Ende stand fest, dass dort zumindest bis auf Weiteres keine Versammlungen, Konzerte oder Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen.

„Wir haben die Nutzungserlaubnis mit sofortiger Wirkung entzogen. Der Nazitreff ist aktuell Geschichte“, sagte Stadtsprecher Tom Herberg im Nachgang zu dem erst unter Androhung eines Zwangsgeldes von 2500 Euro gegen den Eigentümer zustande gekommenen Ortstermin. 

Kritiker werden nun angesichts des raschen und eindeutigen Ergebnisses anmerken, dass die Begehung schon längst hätte geschehen können oder müssen – und dann viel Ärger erspart geblieben wäre. 

Aus dem bürgerlichen und linken Lager war immer wieder ein härteres Vorgehen der Stadt gegen den Treffpunkt gefordert worden. 

Ursprüngliche Baugenehmigung als Werkstatt

Neben brandschutzrechtlichen Bedenken sei beim Ortstermin festgestellt worden, dass „der Zustand jetzt nicht mit der ursprünglichen Baugenehmigung als Werkstatt zusammenpasst“, so Herberg weiter. Dem Eigentümer stünde es nun frei, Rechtsmittel gegen die Entscheidung einzulegen. „Aber wir sind uns sehr sicher“, so der Stadtsprecher.

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Der aus Hamm stammende Eigentümer gab sich am Nachmittag gegenüber dem WA hingegen ganz entspannt. Festgestellt worden sei lediglich, dass eine Fluchttür/Notausgang an dem Objekt fehle, sagte er. Das könne leicht behoben werden. 

Den Klageweg bräuchte er deshalb gar nicht ins Auge zu fassen. „Ich will keinen Streit, sondern eine Lösung.“ 

"Ich bin Geschäftsmann, und er zahlt zuverlässig."

Warum er überhaupt an diesen Personenkreis vermiete? „Der Mieter ist ein Handwerker. Ich bin Geschäftsmann, und er zahlt zuverlässig. Daneben bin ich unpolitisch.“ 

Bei dem Objekt handelt es sich um eine Art Bungalow, der von der rechten Szene gerne auch als „Zuchthaus“ tituliert wird und aus zwei Räumen besteht. Das Gebäude ist laut Schätzung der Stadt 60 bis 80 Quadratmeter groß und von der Straße aus nicht zu sehen. 

23 Termine seit 2016 durchgeführt

Neben der Polizei hat auch der Verfassungsschutz NRW die Hinterhofimmobilie im Blick. Die Splitterpartei „Die Rechte“ und der NPD-Kreisverband Unna/Hamm haben dort in der Vergangenheit Veranstaltungen durchgeführt. 

Seit Januar 2016 sind laut Auskunft des NRW-Innenministeriums in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage vom Oktober 2019 insgesamt 23 Termine – 13 davon von „Die Rechte“ oder der NPD, der Rest ist unklar – durchgeführt worden. 

Zwischen 25 und 150 Teilnehmer vor Ort

Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen 25 und 80. Einmal waren es 150. Im Jahr 2019 gab es bislang drei Veranstaltungen – jeweils Konzerte mit Protagonisten aus der Rechtsrock-Szene. 

Das ehemalige Lokal „Daviscup“ am Kentroper Weg 16 mitsamt der ehemaligen Tennishalle, die später ein Fitnessstudio war, wird von den Rechten nicht genutzt.

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