Nazi-Vergangenheit: neue Namen für vier Straßen

HAMM ▪ Weil ihre Namensgeber eindeutig mit einer nationalsozialistischen Vergangenheit belastet sind, werden im Stadtbezirk Pelkum die Carl-Diem-Straße, die Haedenkampstraße und der Lenardweg sowie im Bezirk Rhynern die Pfitznerstraße umbenannt. Dies beschloss am Montag der Haupt- und Finanzausschuss.

Die zuständigen Bezirksvertretungen werden im Mai eine entsprechende Vorlage verabschieden.

Ute Knopp, Leiterin des Stadtarchivs, präsentierte im Ausschuss das Ergebnis ihrer Suche nach Straßennamen mit nationalsozialistischem Hintergrund. Die Lokalpolitik hatte sie damit beauftragt. Dabei hatte Knopp sich von Fachhistorikern aus Münster und Paderborn beraten lassen. Untersucht wurden auch die Namen von öffentlichen Gebäuden und Plätzen. Über einen Straßennamen sei noch kein abschließendes Urteil gefällt worden.

Der in Hamm geborene Karl Haedenkamp war maßgeblich an der Gleichschaltung und Arisierung des deutschen Gesundheitswesens beteiligt. Trotz seiner Nazi-Vergangenheit machte der Arzt nach dem Krieg Karriere und erhielt 1954 sogar das Große Bundesverdienstkreuz. „Ein unglaublicher Vorgang“, kommentierte Reinhard Merschhaus (Grüne).

Philipp Lenard unterstützte als Physiker Adolf Hitler bereits in den 1920er Jahren, war Nationalist und Antisemit. „Wer hat solche Leute vorgeschlagen?“, wunderte sich Monika Simshäuser (SPD). Knopp wies darauf hin, dass wegen der kommunalen Neuordnung viele Doppelnamen zu ändern waren. Für Lenard trifft das allerdings nicht zu. Sein Name ziert erst seit 1997 ein Straßenschild.

Wie bereits berichtet war der Komponist und Dirigent Pfitzner eine Stütze des NS-Regimes. Sportfunktionär Carl Diem hielt noch 1945 eine „Durchhalterede“. ▪ asc

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