Naturschutzgebiet nur im Westen: Auf der Hammer Seite der Sandbochumer Heide tut sich aktuell noch nichts

Luftbild, Bergwerk Ost Schacht Sandbochum, Waldgebiet Sandbochum, Wald Sandbochum, steag Umspannwerk Sandbochum, Kerstheider Straße, Hamm, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
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Luftbild, Bergwerk Ost Schacht Sandbochum, Waldgebiet Sandbochum, Wald Sandbochum, steag Umspannwerk Sandbochum, Kerstheider Straße, Hamm, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

In Sachen Naturschutz sind die Stadt Bergkamen und der Kreis Unna weiter als die Stadt Hamm. Zu dieser Einschätzung kommt Jürgen Hundorf, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Hamm.

Sandbochum/Lerche – Denn: Während in der Nachbarstadt der Romberger Wald als Teil der Sandbochumer Heide in absehbarer Zeit als Naturschutzgebiet ausgewiesen wird, tut sich auf Hammer Seite – zumindest vorerst – weiterhin nichts.

Zur Erinnerung: In ihrer Stellungnahme zum Entwurf des neuen Regionalplans hatte die Stadt erklärt, dass eine Ausweisung der Sandbochumer Heide als Bereich zum Schutz der Landschaft und landschaftsorientierten Erholung (BSLE) ausreiche. Eine Ausweisung als Bereich zum Schutz der Natur (BSN) wurde abgelehnt.

Das sorgte vor allem beim Nabu und bei den Grünen für Kritik. Doch ihrem Antrag auf Unterschutzstellung der Sandbochumer Heide folgte auch der Umweltausschuss nicht. Er will erst in zwei Jahren noch einmal beraten. Allerdings wurde der Regionalverband Ruhr (RVR) als Groß-Eigentümer des Waldes aufgefordert, forstwirtschaftliche Maßnahmen in diesem Gebiet nur nach Abstimmung mit dem Umweltamt und dem Nabu durchzuführen.

Wert des Waldes nicht genügend geschätzt

Hundorf geht das nicht weit genug. Er fordert die Stadt erneut auf, schon jetzt alles dafür zu tun, dass das riesige Waldgebiet im Westen Hamms demnächst unter Naturschutz gestellt wird. Im Nachbarkreis habe man den Wert dieses Waldgebiets erkannt.

Dort hatte Peter Driesch, Leiter des Fachbereichs für Natur und Umwelt, auf Anfrage des Aktionskreises Wohnen und Leben in Bergkamen mitgeteilt, dass der Kreis von der Möglichkeit, den Wald offiziell unter Schutz zu stellen, Gebrauch machen werde. „Das ist beabsichtigt, sobald der Regionalplan voraussichtlich 2023 verabschiedet ist.“ Der Kreis werde dann ein Änderungsverfahren des Landschaftsplanes mit dem Ziel einer Naturschutzgebietsausweisung an dieser Stelle einleiten.

Gibt es für den Bereich Windkraftpläne?

Das ist zwar auch in Hamm weiter denkbar. Doch warum sperrt sich die Stadt aktuell gegen einen solchen Schritt? Hundorf vermutet, dass das mit der Ausweisung einer Windkraftkonzentrationszone in diesem Bereich zu tun haben könnte, die die Stadt, wie er gehört habe, ausweisen wolle. Und ein Naturschutzgebiet erschwere die Ansiedlung von Windrädern erheblich, sagt Hundorf. „Es schließt sie aber auch nicht aus“, so der Nabu-Vorsitzende, der, wie er betont, der Windkraft grundsätzlich positiv gegenüber stehe. Aktuell habe er jedoch den Eindruck, dass seitens der Verwaltung und der Politik Klimaschutz und Artenschutz an dieser Stelle gegeneinander ausgespielt werden sollen.

Und das könne er nicht gutheißen, so Hundorf. Die Nicht-Unterschutzstellung des Bereichs könnte aber auch damit zu tun haben, dass es – neben dem RVR – mehrere Privateigentümer gebe, die gegen einen solchen Schritt seien.

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Stromgewinnung oder Artenschutz?

Ob Teile der Sandbochumer Heide demnächst tatsächlich als Winkraftkonzentrationszone ausgewiesen werden, kann Stadtsprecher Lukas Huster nicht sagen. Die Windkraftkonzeption der Stadt Hamm sehe das derzeit nicht vor. Allerdings habe der Rat die Verwaltung im Vorjahr beauftragt, die Konzeption zu überarbeiten und gegebenenfalls den Flächennutzungsplan zu ändern.

„Ob und in welchem Umfang eine Windkraftkonzentrationszone entsteht, kann noch nicht beantwortet werden und hängt entscheidend von der Ausgestaltung übergeordneter Rechtsvorschriften des Bundes und des Landes ab.“

Warum der Nabu eine Unterschutzstellung für notwendig hält

Zusammen mit den Wäldern am Neustädter Bach die Sandbochumer Heide der größte zusammenhängende Waldkomplex Hamms. Anlässlich einer Exkursion Anfang März hatte der Nabu noch einmal auf die Besonderheiten hingewiesen, die diese Mischwälder, die sich einst im Eigentum des Bergbaus befanden, auszeichnen: „Kiefernwälder mit teilweise schon alten Bäumen werden von Freiflächen unterbrochen und von Eichen-Buchenwäldern abgelöst. Auch moorige Flächen mit ihrem eigenen Bewuchs sind erhalten.

Alle Bereiche zeigten sich als beginnende ,Urwälder‘, Totholz in jeder Form bietet Nistplätze für zahlreiche Vogelarten. Insgesamt gibt es dort eine große Vielfalt von Flora und Fauna zu entdecken. Um die zu erhalten, ist die Einrichtung eines Naturschutzgebietes notwendig, in dem Bäume nicht geerntet werden, sondern Eingriffe zur Entwicklung (...) behutsam und mit Weitblick auf Nachhaltigkeit durchgeführt werden.“ Durch die Unterschutzstellung will der Nabu vor allem einen Kahlschlag wie 2019 in der Geithe verhindern.

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