Naturfreunde und Stadt planen Waldlehrpfad

Einzigartig in Hamm: Vom Aussichtsturm Bäumen beim Wachsen zuschauen

Geithewald in Hamm-Geithe mit Schutzhütte Zum Eisernen Gustav der Naturfreunde Werries an der Baumstraße
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Der Geithewald darf wachsen: Das städtische Grundstück an der Baumstraße bietet 4,5 Hektar Freifläche. In einem ersten Schritt werden 11.000 Quadratmeter (entspricht etwa 1,5 Fußballfeldern) zwischen der Schutzhütte Zum Eisernen Gustav (unten) und dem Naturschutzgebiet Geithewald aufgeforstet. Nahe dem Haus der Naturfreunde könnten ein Aussichtsturm und ein Waldlehrpfad entstehen.

Wer einem Wald beim Wachsen zusehen möchte, braucht viel Zeit und einen guten Überblick. Junger Wald, Aussichtsplattform und Waldlehrpfad, gibt es in Hamm noch nicht. Doch das könnte sich bald ändern.

Geithe – Ein städtisches Grundstück am Geithewald soll aufgeforstet werden – und das bietet die Gelegenheit, einen solchen Baumwipfelpfad im Kleinformat einzurichten. Das meinen jedenfalls die Naturfreunde. Bei der Stadt rennen sie damit sprichwörtlich offene Türen ein. Das zeigte sich beim gemeinsamen Treffen in der Schutzhütte zum Eisernen Gustav.

Die Naturfreunde der Ortsgruppe Werries skizzierten vor rund zwei Jahren einen Naturlehrpfad vor der Haustür ihrer Schutzhütte Zum Eisernen Gustav. Er sollte auf einem kleinen Teilstück der großen Wiese zwischen Baumstraße und Naturschutzgebiet Geithewald entstehen. Sie führten erste Gespräche mit dem Umweltamt.

Dann erfuhren die Naturfreunde von den Aufforstungsplänen auf dem städtischen Grundstück. Sie entwickelten die Idee von Aussichtsturm mit Waldlehrpfad. „In die neue Schutzhütte soll mehr Leben“, sagt 1. Vorsitzender Udo Gonsirowski. Mit den Treffen der Kinder- und Besuchergruppen ist die vor zwei Jahren eröffnete neue Schutzhütte nicht ausgelastet. Das soll sich ändern.

Mit Ausblick auf die Aufforstungsfläche: Naturfreunde-Vorsitzender Udo Gonsirowski (von links) stellt Oberbürgermeister Marc Herter, Jan-Hendrik Flecke (SPD) und Umweltamtschef Dr. Oliver Schmidt-Formann die Idee für den Waldlehrpfad mit Turm vor.

Mit der Schutzhütte nahe der Baumstraße, dem Außengelände und einem Biotop bieten die Naturfreude Infrastruktur für Schulungen und ein Gelände mit hoher Aufenthaltsqualität. Die städtische Aufforstungsfläche (Artikel siehe unten) liegt gleich nebenan und wird aktuell noch von einem Landwirt bewirtschaftet. Turm und ein Lehrpfad mit mehreren Info-Stationen sollen nach Vorstellung der Naturfreunde im östlichen Bereich mit Augenmaß angelegt werden.

„Unsere Überlegung ist, den Bürgern und vor allem den Kindern zu zeigen, wie sich ein Wald im Laufe der Jahre entwickelt“, sagte Gonsirowski. Tourismus wollen sie aber nicht, allein schon, weil es nicht genug Parkplätze gibt.

Mehrere hunderttauend Euro für einen Turm in der Geithe

Bisherige Umsetzungsversuche scheiterten an zwei Dingen: keine Fläche und kein Geld. Das Grundstück stünde jetzt mit der städtischen Grünfläche zur Verfügung. Knackpunkt bleibt die Finanzierung. „So etwas ist eine Kategorie zu groß für uns“, sagt Gonsirowski. Für den Aussichtsturm kann er diverse Beispiele nennen. Je nach Bauform und Höhe zwischen 200.000 und fast 475.000 Euro. Teils werden solche Türme auch in den vergleichsweise größeren Baumwipfelpfaden gebaut.

Die Naturfreunde haben nun die Stadt angesprochen. Oberbürgermeister Marc Herter sagt ihnen die volle Unterstützung zu. Noch als Landtagsabgeordneter hatte er den Kontakt zur NRW-Stiftung hergestellt und sich erfolgreich für die Förderung des Neubaus der Schutzhütte eingesetzt. Seitdem ist er selbst Naturfreund.

Erfahrungen mit Life-Projekt in Hamm

„Ich finde die Idee faszinierend, dass man Wald im Entstehen beobachten kann“, sagt Herter. Er erkennt eine Parallele zum großen Naturprojekt in den Lippeauen. „Es ist exakt die Erfahrung aus dem Life-Projekt. Man erteilt nicht wild Verbote, sondern macht Natur für die Menschen erlebbar. Dafür lassen sie sie in Ruhe.“

Die Veränderung des Waldes – auch als Folge des Klimawandels – sei ein wichtiges Thema, sagt Umweltamtsleiter Dr. Oliver Schmidt-Formann. Vor dem Hintergrund sei Umweltpädagogik an einem solchen außerschulischen Lernort „äußerst sinnvoll“. Es sei wichtig, dass Nachsorge und Begleitung von einem Verein und letztlich nicht von der Stadt geschultert werden müsse. Man könne hier etwas Neues und Hochwertiges mit dem Anziehungspunkt Geithewald als natürlichen Erholungsraum verbinden.

Schutzhütte der Naturfreunde Werries ist „Tor zum Wald“

Gerade die Coronazeit habe gezeigt, wie wichtig der Wald als Erholungsraum ist, sagt Jan-Hendrik Flecke. Als umweltpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion und Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion bezeichnete er den Standort der Naturfreunde als „Tor zum Wald“. „Wir bleiben gern mit am Ball“, sagt er. Die Fraktionen würden das Projekt unterstützen.

Der OB lobt die Naturfreunde als „Ideenspeicher“, doch die Finanzierung ist noch unklar. Ohne Fördergelder werde es nicht gehen. Sowohl beim Lehrpfad als auch beim Turm will er den Regionalverband Ruhr (RVR) „mit ins Boot holen“. Herter und Gonsirowski sind sich einig, dass für so eine Anlage ein breiter Konsens erforderlich ist. Dazu sollen mit Blick auf das Naturschutzgebiet Geithewald die Umweltverbände eingebunden werden.

Fragen zum Waldlehrpfad in der Geithe

Das Umweltamt wird die Naturfreunde zu einem Gespräch einladen. Es geht darum, ein Konzept zu erarbeiten. Diverse Fragen sind zu klären. Welche Förderköpfe passen? Wie hoch soll der Aussichtsturm werden? „Vielleicht kann man einen Turm entwickeln, der mitwächst“, schlägt Schmidt-Formann vor. So könne auch die Finanzierung über Jahre verteilt werden.

Durch den Bürgerwald Uentrop wächst der Geithewald. Während hier Baumpaten Jahr für Jahr zur Waldvermehrung beitragen, setzt die Stadtverwaltung an anderer Stelle am Naturschutzgebiet Zeichen. Sie forstet an der Baumstraße auf. In einem ersten Schritt wird sie standorttypische Bäume setzen, so wie im Bürgerwald.

Stadt Hamm forstet in der Geithe auf

Ziel der immer noch vergleichsweise waldarmen Stadt Hamm ist ein jährlicher Waldzuwachs von drei Hektar. Auch in Zeiten des Klimawandels ist das Waldentwicklungskonzept von großer Bedeutung. Die geplante Aufforstung im Geithewald ist ein Beitrag für dieses Jahr.

Aus der Vogelperspektive entpuppt sich die dafür vorgesehene Fläche als fehlendes Puzzleteil zu einem geschlossenen Waldbild. Die Wiese liegt am südöstlichen Waldrand, zwischen Baumstraße und dem Naturschutzgebiet Geithe. Sie wird derzeit noch landwirtschaftlich genutzt. Aufgeforstet schließt sich künftig eine Lücke im Waldnetz. Der Wald wird arrondiert, wie es heißt.

4,5 Hektar Freifläche im Geithewald

Das städtische Grundstück ist insgesamt 6,1 Hektar groß. Abzüglich Wald und Seitenstreifen können 4,5 Hektar aufgeforstet werden. Das entspricht einer Fläche von 6,3 Fußballfeldern. In einem ersten Schritt werden im Laufe des Frühlings 1,1 Hektar bepflanzt. Dabei handelt es sich um die östliche Teilfläche entlang des Waldweges und in Nachbarschaft zur Schutzhütte der Naturfreunde. Gemäß Waldentwicklungskonzept soll der Rest bis 2025 folgen.

„Gepflanzt wird im Wesentlichen das, was im Geithewald prägend ist“, sagt Umweltamtsleiter Dr. Oliver Schmidt-Formann. Das sind Eiche und Hainbuche. Dazu kommen Flatterulme, Winterlinde, Vogelkirsche. Am Waldrand sind entsprechend Sträucher vorgesehen, wie etwa Schneeball und Weißdorn. Nach dem Aufstellen eines Wildschutzzauns werden in dem ersten Schritt der Aufforstung 4.600 Pflanzen gesetzt. Die Kosten betragen rund 14.000 Euro.

Stadt Hamm plant Klimawald im Geithewald

Der Klimaaktionsplan der Stadt spielt hier zwar eine Rolle, kommt aber zunächst nicht zur Anwendung. „Wir werden hier noch nicht den Klimawald haben“, sagt Schmidt-Formann. „Wir pflanzen also nicht die schon an das Klima angepassten Arten, sondern die traditionellen. Beim zweiten Schritt wird das aber anders sein.“

Das Vorgehen begründet die Stadt damit, dass sie erst noch Erfahrungen sammeln will. Erst im vergangenen Jahr hat sie im Hammer Süden einen Klimawald „zum Experimentieren“, wie hieß, gepflanzt.

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