Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Wichtig: Nutrias dürfen wie Enten und andere Wasservögel nicht gefüttert werden

Ermahnung für Menschen und Schattenspender für Enten: das Schild „Nutria: Füttern verboten!“ im Kurpark.
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Ermahnung für Menschen und Schattenspender für Enten: das Schild „Nutria: Füttern verboten!“ im Kurpark.

„Nutria: Füttern verboten!“ steht auf schildern im Kurpark – und das nicht ohne Grund. Denn die aus Südamerika stammende Nagetierart ist längst auch in der Lippestadt heimisch und hat sich massiv vermehrt.

Hamm - Genaue Zahlen gibt es zwar nicht. Ein Indiz dafür liefert aber die Statistik der Jagdstrecke: Wurden 2008 gerade einmal neun Tiere erlegt, so ist die Zahl binnen zehn Jahren auf 262 im Jahr 2018 angestiegen.

Da die Nutrias als invasive Art in Europa keine natürliche Feinden haben, soll verhindert werden, dass sie sich nicht noch weiter unkontrolliert vermehren. An Gewässern, vor allem an der Lippe, dürfen die Nutrias auch gejagt werden, aber natürlich nicht im Kurpark, wo Spaziergänger regelmäßig die bis zu 65 Zentimeter langen Tiere mit ihren orangenen Zähnen und dem schuppenbedeckten Schwanz in den Teichen sehen.

Fütterungsverbot ist nicht neu

Seit 2017 gilt ein Fütterungsverbot für die gar nicht scheuen Nutrias, wie es schon länger auch für Enten gilt. Warum erklärt ein Stadtsprecher: „Was gut gemeint ist, ist im Sinne des Tierschutzes nicht sinnvoll: Die angebotene Nahrung ist sehr einseitig; oftmals werden altes Brot, Brötchen oder Pommes verfüttert. Diese einseitige Ernährung führt bei den Tieren zu einem Vitaminmangel und damit zu Krankheiten, die sich schnell verbreiten. Außerdem ziehen die Reste auch Ratten und Mäuse an.“

Bußgelder für Widersacher

Tatsächlich finden Enten, Schwäne und andere Wasservögel genügend natürliche Nahrung. Bei den Nutrias sei zudem wichtig, dass die Stadtverwaltung den Tieren eine einfache Nahrungsaufnahme erschweren möchte, um die Population nicht noch weiter zu vergrößern. Das Fütterungsverbot könne grundsätzlich auch durch ein Bußgeld durchgesetzt werden. Die Stadt versuche aber, die Menschen aufzuklären – mit Schildern und im direkten Gespräch.

Fütterung mit Folgen

Eines der Hauptprobleme bei der Fütterung von Enten und anderen Wasservögeln ist nämlich die Verunreinigung der Gewässer. Oft fressen die Enten nicht das gesamte Futter, dass ihnen zugeworfen wird. Brot weicht dann auf, sinkt an den Gewässerboden und verfault dort.

Die biologischen und chemischen Prozesse dieses Abbaus verbrauchen große Mengen Sauerstoff, der Fischen und anderen Wassertieren fehlt. Es kann dazu kommen, dass Algen stark wachsen und das Gewässer „umkippt“. Sie können auch zu Botulismus bei den Tieren führen. Diese Krankheit lässt sie langsam ersticken.

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