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Nächster Halt: Steckdose - VG Breitenbach setzt in Zukunft auf E-Busse

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Von: Cedric Sporkert

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Der WA begleitete die erste Testfahrt des ausgeliehenen Elektrobusses. Breitenbach-Geschäftsführer Nikolai Weber (links) stand Rede und Antwort. © Szkudlarek

Hamm – Die Zukunft ist elektrisch. Zumindest für die Verkehrsgesellschaft Breitenbach. Langfristig soll die gesamte Busflotte des Unternehmens aus Hamm auf E-Fahrzeuge umgestellt werden.

Zuletzt testete Breitenbach dafür eine Woche lang einen Elektro-Bus von Mercedes-Benz, der in gleicher Bauart schon bei den Berliner Verkehrsbetrieben im Einsatz ist. Der WA war bei der ersten Proberunde dabei.

Der Test-Bus sorgt allein durch seine Farbe für neugierige Blicke. Quietschgelb ist das Modell, das mal ein Dieselbus war und dann umgerüstet wurde. Die Akkus für den E-Antrieb sind auf dem Dach montiert. Deshalb sieht das Fahrzeug mit seiner breiten Blende einem Reisebus ähnlicher als einem Linien-Modell.

Wie, der ist schon an?

Als Busfahrer Lars Neumann den Antrieb startet, bleibt es im Inneren mucksmäuschenstill. Kein ratterndes Motorengeräusch, keine Vibrationen. Ob der Bus wirklich schon an ist? „Klar“, sagt Neumann. Als er auf das Gaspedal drückt, rollt der Bus zügig los. „Der zieht richtig gut weg“, freut sich Neumann. Durch den E-Antrieb fallen die für viele Fahrgäste lästigen Schaltpausen weg, nach denen Dieselbusse normalerweise ziemlich ruckelig beschleunigen. „Dieses Fahren ist schon um einiges komfortabler“, sagt auch Breitenbach-Geschäftsführer Nikolai Weber.

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Ein Blickfang: Der quietschgelbe E-Bus. © Szkudlarek

An diesem Morgen ist es knackig kalt. Temperaturen um den Gefrierpunkt. Eigentlich kein Wohlfühlwetter für die Akkus. „Das ist ganz gut so“, sagt Weber. „Damit ist es ein echter Härtetest. Diese Busse sollen schließlich künftig das ganze Jahr über eingesetzt werden.“ Das Laden vor der Premierenrunde an einer Starkstromsteckdose auf dem Betriebshof an der Richard-Wagner-Straße habe jedenfalls gut geklappt. 11 Stunden muss der Bus an der Steckdose hängen, bis er voll geladen ist. Vier Stunden würden allerdings reichen, so Weber, um den Bus für eine Schicht zu laden. „Das bekommen wir dann gut in die Fahrten-Abläufe integriert“, ist der Breitenbach-Geschäftsführer überzeugt.

Reichweite größer als erwartet

Die Reichweite des E-Fahrzeuges sorgt bei Weber für Erstaunen. 150 Kilometer seien vom Hersteller garantiert gewesen. „Am Ende haben wir immer mindestens 200 geschafft“, erklärt der Breitenbach-Chef nach dem Ende der Testwoche. Wie das geht? Ein Trumpf des elektronischen Systems ist die sogenannte „Rekuperation“. Durch die Bremsenergie wird der Akku während der Fahrt aufgeladen. So steigt die Reichweite.

Bedenken, Fahrgäste und Passanten würden sich im Straßenverkehr wegen der fehlenden Fahrzeuggeräusche anders verhalten – den Bus etwa überhören – hätten sich nicht bewahrheitet: „Unsere Fahrer mussten sich kaum umstellen“, so Weber. Entsprechend positiv fällt das Fazit aus. „Wir wurden durch diesen Einsatz ganz klar darin bestärkt, unseren eingeschlagenen Weg fortzusetzen.“

Einen Haken gibt es allerdings. Den Preis. Rund 500 000 Euro würden aktuell von den Herstellern für einen Bus mit E-Antrieb aufgerufen. Zu teuer für das Hammer Unternehmen, das mit rund 100 Bussen im Bedienungsgebiet unterwegs ist, das sich über Hamm hinaus auch in den Kreis Soest und bis weit ins Münsterland erstreckt. Die Kosten eines neuen, herkömmlichen Linienbusses lägen bei maximal der Hälfte.

Umstellung ab 2021 geplant

Weber geht allerdings davon aus, dass durch den politischen Druck und die hohe Nachfrage schon bald Bewegung in den Markt kommen wird. Und die Preise schnell sinken. Deshalb hofft er darauf, im kommenden Jahr keinen neuen Diesel-Bus mehr anschaffen zu müssen und dann ab dem Jahr 2021 sukzessive auf E-Modelle umzustellen.

Neben den hohen Anschaffungskosten kämen dann auch Investitionen in die Ladeinfrastruktur auf die Firma zu. „Wir wollen am liebsten zentral bei uns am Betrieb laden. Trotzdem brauchen wir langfristig weitere Ladepunkte in der Stadt“, meint Weber. Etwa am Hauptbahnhof und an Knotenpunkten des Liniennetzes könnten Steckdosen eingerichtet werden. Auch mit den Stadtwerken soll es dann Gespräche geben.

Wie schnell diese Pläne umgesetzt werden, hänge indes auch entscheidend von der Politik ab. Auf Bundes- und Kommunalebene. Weber: „Die Förderung dieser Vorhaben entscheidet über die Geschwindigkeit. Wir wollen jedenfalls so schnell wie möglich loslegen.“

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