Prozess wegen sexuellen Missbrauchs

Hammer Arzt (48) soll Patientin zu Nacktfotos genötigt haben

+
Symbolbild

Hamm - Ein Hammer Arzt soll unter Vorspiegelung einer angeblichen Behandlung Nacktaufnahmen von einer seiner Patientinnen gefertigt haben, um sich daran zu erregen.

Der 48-jährige Mediziner muss sich Ende April vor dem Hammer Schöffengericht wegen „sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses“ und wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen“ verantworten. Im Falle einer Verurteilung droht dem Mediziner auch der Entzug seiner Approbation.

Was ist geschehen?

Die Tatvorwürfe an sich rühren aus der Zeit von vor gut zwei Jahren. Nach den Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte eine heute 30-jährige Patientin im November 2015 bei dem Doktor einen Termin wegen einer Hustenkrankheit vereinbart. Der erste Arztbesuch soll an einem Dienstag stattgefunden haben, für den Folgetag – am praxisfreien Mittwochnachmittag – soll der Mediziner die junge Frau dann zu einer weiteren Untersuchung in seine Räumlichkeiten einbestellt haben.

Symbolbild

Hierbei soll er die Frau aufgefordert haben, sich komplett zu entkleiden, und auch ihren Intimbereich unter anderem mit einem Ultraschallgerät untersucht haben. Sodann soll er mit seiner Privatkamera zahlreiche Fotos gefertigt haben, wobei sich die Frau in der ansonsten verwaisten Praxis auch in einem Nebenraum für weitere Aufnahmen auf einen dunklen Teppich hatte legen müssen – wegen des angeblich besseren Kontrastes.

Vertrauen zunächst größer als Zweifel

Der Patientin soll dies alles äußerst unangenehm gewesen sein. Weil aber ein Mediziner die Anweisungen gab, soll sie nicht umgehend interveniert haben.

So bleiben Facebook-Posts von WA.de in Ihrem News Feed!

Erst nach Verlassen der Praxis sollen ihr Zweifel gekommen sein; sie konsultierte ihren Gynäkologen und ging auf dessen Empfehlung am nächsten Tag zur Polizei. Wenige Tage später wurden die sich auf Hammer Stadtgebiet befindlichen Praxisräume zum ersten Mal durchsucht. Offenbar wurden hier die Fotos sichergestellt.

Auch andere Patientinnen missbraucht?

Auch die WA-Redaktion erhielt Kenntnis von den Vorgängen, berichtete aber nach Abwägung – frühes Verdachtsstadium der Ermittler gegenüber der möglichen Tragweite einer Veröffentlichung – nicht.

Symbolbild

Eine weitere Durchsuchung der Praxis fand wenige Wochen später statt. Die Ermittler wollten nach WA-Informationen ergründen, ob der Arzt noch weitere Patientinnen in dieser Weise zu sich einbestellt haben könnte. Gefunden wurde nichts, was für das Strafverfahren verwertbar gewesen wäre.

"Aus sexuellem Antrieb gehandelt"

Drei Gutachter wurden im Lauf der folgenden Monate und Jahre damit betraut, festzustellen, ob es eine medizinische Indikation für diese Art der Untersuchungen und die fotografische Dokumentation hätte geben können. Am Ende war die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass der Arzt aus sexuellem Antrieb gehandelt hatte.

Am 25. Januar 2018 wurde Anklage erhoben. Diese wurde nun vom Gericht zugelassen. Das bestätigte ein Gerichtssprecher auf WA-Anfrage. Ende April soll es dann voraussichtlich zur Verhandlung kommen.

Arzt praktiziert bis heute

Bis heute praktiziert der Arzt weiterhin in seinen Räumlichkeiten. Sollte er in diesem Fall rechtskräftig verurteilt werden, droht ihm der Entzug seiner Approbation für zumindest einige Jahre. Sein Verteidiger wollte bislang keine Stellungnahme zu dem Fall abgeben.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare