Sechs Monate und kein Ende

Urteil? Egal! Unendlicher Streit um Nachbars Tauben in Hamm

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Werner Kersting will nicht auf seine Tauben verzichten. Zur Not wird er wohl umziehen.

Hamm – Wenn das Urteil in der Luft hängt...: Der heftige Nachbarschaftsstreit um einen Hammer Taubenschlag nimmt kein Ende. WA.de hat den aktuellen Stand aufgearbeitet.

Seit über einem halben Jahr hat Melanie Meintrup es schwarz auf weiß: Ihr Nachbar Werner Kersting darf nicht mehr als 20 freifliegende Brieftauben in einer offenen und 20 weitere Tauben in einer geschlossenen Voliere halten. Das hat das Hammer Amtsgericht so entschieden. Der Richter hat es sich mit der Entscheidung nicht leicht gemacht. Er hat nicht nur nach Aktenlage entschieden, sondern sich bei einem Ortstermin am Taubenschlag ein Bild von den Zuständen gemacht und dann sein Urteil gefällt. Eine Berufung, die Kersting gegen das Urteil einlegte, wurde abgelehnt, das Urteil ist rechtskräftig. Doch geschehen ist seither nichts.

Nach wie vor drehen die Tauben die Runden über Körner- und Wellenbuschstraße. Unbeeindruckt von dem Richterspruch schaltet Züchter Werner Kersting auf stur und hatte erst kürzlich gegenüber dem WA angekündigt, weitermachen zu wollen. Tauben hat er bislang noch nicht abgeschafft.

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250.000 Euro Ordnungsgeld möglich

Was also machen? Melanie Meintrup hat ein rechtskräftiges Urteil erstritten, und nichts passiert. Gerichte schauen nicht nach, ob ihre Urteile aus einem Zivilprozess umgesetzt werden. Nun könnte man meinen, dass Melanie Meintrup mit dem Urteil einen Gerichtsvollzieher bestellen kann, der die übrigen Tauben abholt. Das ist nach Gesetzeslage nicht möglich. Melanie Meintrup blieb nichts anderes übrig, als noch einmal das Gericht zu bemühen und über ihren Anwalt ein Zwangsgeld zu beantragen, falls sich Kersting weiter nicht an das Urteil hält.

Das hat sie nun gemacht und das Gericht hat entsprechend reagiert: Hält Kersting sich auch weiter nicht an das Urteil, dann könne das Gericht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro verhängen. Allerdings hat das Gericht diese Maßnahme erst angedroht.

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Bis zu zwei Jahre Gefängnis möglich

Falls die Drohung nicht fruchtet und er weiter wie bislang rund 120 Tauben hält, muss Melanie Meintrup noch einmal einen entsprechenden Antrag stellen. Dann wird das Gericht endgültig ein Ordnungsgeld festlegen.

Durch das Geld kann sich Kersting aber nicht freikaufen. Er muss zahlen und seine Tauben trotzdem abschaffen. Kann er nicht zahlen, so droht ihm Gefängnis – maximal zwei Jahre.

Über seinen Anwalt hat Kersting das Gerichtsschreiben erhalten. „Ich empfehle entsprechende Beachtung, da ansonsten davon auszugehen ist, dass das Amtsgericht auf weiteren Antrag der Gegenseite hin gegen Sie das angedrohte Ordnungsgeld gegebenenfalls auch verhängen wird“, empfiehlt der Rechtsvertreter in seinem Begleitschreiben.

Taubenhalter überlegt wegzuziehen

Melanie Meintrup hofft nun, dass das angedrohte Zwangsgeld zum gewünschten Erfolg führt und Kersting künftig nur noch die Anzahl an Tauben hält, die das Gericht ihm zugebilligt hat. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie weiter an der Umsetzung des Urteils festhält. Kersting hingegen glaubt, dass nun mit Kanonen auf seine Tauben geschossen werden soll. „250.000 Euro oder insgesamt zwei Jahre Haft, das ist doch unglaublich“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Der Richter habe weit über das Ziel hinausgeschossen.

Das Gerichtsschreiben scheint bei Werner Kersting trotzdem etwas ausgelöst zu haben. Inzwischen überlegt er, mit seinen Tauben aus Bockum-Hövel wegzuziehen. „Mein ganzes Leben habe ich Tauben gezüchtet, das möchte ich weiter machen. Wenn ich das hier nicht mehr darf, dann überlege ich, alles zu verkaufen und an einer anderen Stelle mit den Tauben weiter zu machen.“

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