Fake News in den sozialen Netzwerken

Ganz falsches Kino: Panik-Welle über bulgarische Organmafia in Hamm

+
Der Sonntagstatort könnte eine Teilschuld tragen.

Hamm - Wer falsche Nachrichten im Internet verbreitet, bleibt in der Regel straffrei, richtet aber auf subtile Weise gesellschaftlichen Schaden an. Das geschieht derzeit mit einer „Nachricht“ aus Hamm, die in sozialen Netzwerken wie WhatsApp rasend schnell Verbreitung findet.

Die bulgarische Organmafia habe es auf Kinder aus der Stadt abgesehen, wird behauptet und zigtausendfach geteilt. Nichts, gar nichts ist dran an dieser „News“ – aber das will die Netzgemeinde gar nicht wissen. 

Wie die Hammer Polizei vermutet, ist der jüngste ARD-Tatort-Krimi „Tschiller – Off Duty“ mit Til Schweiger, ausgestrahlt am vergangenen Sonntag, offenbar der Auslöser für die Panik-Welle. Auch da ging es um Organhandel, Spielorte im Film waren allerdings Moskau und die Türkei. Mit Hamm hat der Streifen nichts zu tun

Als Tatort-Kommissar jagt Til Schweiger Organhändler.

Gleichwohl wurde hier die Mär von der Bulgaren-Mafia hervorgeholt, frei nach dem Motto: Das gibt’s nicht nur im Film, das gibt es auch in Hamm. 

Ähnliche Falschmeldungswelle gab es bereits

Zunächst schlug die Fake-News zu Wochenbeginn auch in den privaten Whats-App-Gruppen von Hammer Polizisten auf. Wenig später meldeten sich dann Kriminalbeamte aus Reutlingen im Hammer Präsidium, um sich zu erkundigen, ob an dem Szenario vielleicht ein Fünkchen Wahrheit haften könnte. 

Hintergrund war, dass es auch in der baden-württembergischen Kreissstadt vor einem Jahr eine ähnliche Welle gegeben hatte, die sich am Ende als große Blase entpuppte

Das Märchen vom Organhandel in Hamm? Erlogen!

Die Hammer Polizei sah sich schließlich genötigt, auf die falschen Paniknachrichten zu reagieren. Nein, in Hamm werden keine Kinder in Autos gelockt, das Ganze ist erstunken und erlogen wurde sinngemäß über den polizeilichen Facebook-Auftritt verbreitet.

Mehrere 10.000-mal wurde dies seitdem gelesen – und mit absurden Kommentaren versehen, die Hammer Polizei stecke mit der Mafia unter einer Decke. 

Unabhängig davon wird das Stichwort „Bulgaren-Mafia“ – obwohl an den Haaren herbeigezogen – beim einen oder anderen in den Köpfen bleiben. Und das macht diesen Vorgang problematisch

Vor exakt einem Jahr hatte es ein ähnliches Phänomen im Hammer Norden gegeben. Ein neunjähriges Kind war am Abend des 5. Juli 2017 als vermisst gemeldet worden. Die Polizei hatte nach dem Jungen gesucht und per Zufall einen per Haftbefehl gesuchten Einbrecher aufgegriffen.

Erst denken, dann klicken

Ein Nachbar hatte die Festnahmen mit seiner Handy-Kamera gefilmt und die Aufnahmen ins Netz gestellt – versehen mit dem Hinweis, es handele sich um ein Mitglied der bulgarischen Kindesentführer-Mafia. 

Falsch war das, und auch die Polizei stellte das in einer Meldung klar. Das Kind wurde an dem Abend übrigens ebenfalls rasch gefunden; es war ausgerissen und keineswegs entführt worden. 

Im aktuellen Fall gibt es noch nicht einmal einen Sachverhalt, der von Passanten falsch gedeutet werden könnte. Das bestätigte Polizeisprecher Christopher Grauwinkel auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare