Neues aus dem Prozess

Schüsse bei SEK-Einsatz in Hamm: Hinweise auf Radikalisierung

Ein Beamter eines Spezialkommandos hält ein Maschinengewehr. Man sieht nur den Oberkörper.
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SEK-Beamte waren im Sommer 2020 in der Viktoriastraße im Einsatz. (Symbolbild)

War der psychisch kranke Mann, der im Juni 2020 an der Viktoriastraße auf SEK-Beamte geschossen haben soll, drauf und dran, sich als Islamist zu radikalisieren? Das Dortmunder Schwurgericht ist am Montag entsprechenden Hinweisen nachgegangen.

Dortmund/Hamm – Die Polizei war dem 43-jährigen Beschuldigten mehrere Tage vor dem gefährlichen Zwischenfall durch Zeugenaussagen auf die Spur gekommen. Ein Bekannter hatte die Beamten auf Facebook-Videos aufmerksam gemacht, in denen der Mann krude Verschwörungs-Verdächtigungen äußerte und unter anderem ankündigte: „Es wird Blut fließen, aber nicht meins.“

Wie ernst diese Drohungen genommen werden mussten, ist unklar. Tatsache ist jedoch, dass die Polizei in den Bücherregalen und auf dem Computer des Beschuldigten auf zahlreiche Schriften gestoßen ist, die hoch interessant sind.

Offenbar war der 43-Jährige schon Monate vor der Tat zum Islam konvertiert und las nun die Abhandlungen verschiedener Gelehrter. Um diese bewerten zu können, schaltete das Dortmunder Polizeipräsidium damals sogar extra einen Islamwissenschaftler ein.

Schüsse bei SEK-Einsatz: salafistischen Lebensstil angeeignet

Jetzt wurde dieser vom Dortmunder Schwurgericht als Zeuge vernommen. Und der 44-Jährige machte dabei deutlich, dass der Lesestoff des Beschuldigten keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden sollte. „Da waren schon mehrere radikale Prediger und Extremisten dabei“, sagte der Zeuge. Und weiter: „Der Beschuldigte hatte sich offenbar einen salafistischen Lebensstil angeeignet.“

Konkrete Hinweise auf Kontakte zu Terrororganisationen oder gar den Islamischen Staat (IS) hätten sich zwar nicht gefunden, sagte der Islamwissenschaftler weiter. Insgesamt sei es jedoch seiner Meinung nach sinnvoll gewesen, die Umtriebe des 43-Jährigen schnellstmöglich zu beenden.

Schüsse bei SEK-Einsatz: Beschuldigter gibt Erklärung ab

Der Beschuldigte reagierte auf die Äußerungen des Zeugen unwirsch. Im Anschluss an die Vernehmung pochte er darauf, eine persönliche Erklärung abgeben zu dürfen. „Ich glaube, der Mann hat einige Dinge einfach nicht richtig verstanden“, polterte er. „Wenn er wirklich so superschlau ist, dann soll er sich gerne noch mal hier hinstellen und die Schriften der Prediger widerlegen. Ich kann Ihnen versichern: Das wird ihm nicht gelingen.“

Für die Beurteilung der entscheidenden Prozessfragen dürfte diese Diskussion aber ohnehin von eher untergeordneter Bedeutung sein. Diese lauten nämlich: Handelte der 43-Jährige in Notwehr, weil sich die Polizisten bei der Erstürmung seiner Wohnung nicht früh genug zu erkennen gaben? Und ist der Mann dennoch eine Gefahr für die Allgemeinheit und gehört deshalb künftig in eine geschlossene psychiatrischen Klinik?

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