Diskussion um Angriff auf Polizisten

Nach Meilenschlägerei: Wie die Polizei zu der Aussage kam, ihre Kollegen seien wegen des Berufs angegriffen worden

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Weil seine drei Kollegen bei ihren Angaben von ihrem ersten Eindruck ausgegangen waren, gelangte eine falsche Darstellung des Auslösers der Meilenschlägerei vom vergangenen Samstag als Polizeimeldung an die Öffentlichkeit.

Hamm - Vier Polizisten, die sich außer Dienst auf der Südstraße befanden, waren dabei von bis zu 15 Personen angegriffen worden. Die Folge: eine massive Verurteilung von Angriffen auf Polizisten und ein zügiger „Fürsorgebesuch“ von NRW-Innenminister Herbert Reul in Hamm.

Von den Opfern war dabei nach WA-Informationen jedoch niemand zugegen. Darüber hinaus wurde eine Debatte über mehr Sicherheit und geeignete Maßnahmen für die Meile in Gang gesetzt. Der Hauptgeschädigte sollte laut erster Mitteilung von einem Tatverdächtigen auf einen früheren dienstlichen Anlass angesprochen und demnach als Polizist erkannt worden sein.

Das Opfer sagte später aus, das Gespräch habe keinen dienstlichen Inhalt gehabt. Die Geschädigten seien wohl auch nicht als Polizisten erkannt worden. Der Hauptgeschädigte habe zum Zeitpunkt der Erstmeldung noch nicht vernommen werden können, versuchte Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel den krassen Widerspruch gestern gegenüber unserer Zeitung zu erklären.

Polizist soll noch "Verpiss dich" gesagt haben

„Für die anderen Polizisten sah es offenbar so aus, als wäre es um eine Vorgeschichte gegangen.“ Wie Schulte-Göbel ausführte, waren sich der Hauptgeschädigte und ein 19-jähriger Tatverdächtiger zuvor einmal, nämlich am 1. Mai 2018 begegnet. Eine Anzeige sei damals nicht geschrieben worden. Nach jetzigem Ermittlungsstand soll der 19-Jährige von dem späteren Opfer weggeschickt worden sein. Dabei habe der Polizist unter anderem „verpiss dich“ gesagt.

Erstaunlich, aber offensichtlich Fakt: Eine genauere Beschreibung von Tatverdächtigen liegt nicht vor. „Es gibt keine Angaben zu auffälliger Kleidung, Schuhen oder Frisuren“, sagte der Staatsanwalt. „Es muss wohl alles sehr schnell gegangen sein.“ Auch Videos oder Fotos seien bislang noch nicht bei der Polizei eingegangen.

Zu den beteiligten Polizisten gab es bisher ebenfalls keine Angaben. Auf Nachfrage hieß es, alle seien unter 30 Jahre alt und gehörten zur gleichen Dienstgruppe in Hamm. Nachdem zunächst wegen versuchten Mordes ermittelt worden war, geht es jetzt um gefährliche Körperverletzung.

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