Gebäude wird zwangsversteigert

Nach 160 Jahren: Aus für Landgasthof "Mausefalle"

+

Weetfeld - Die Eigentümer des Landgasthofs Mausefalle haben das Gewerbe Ende Juli offiziell abgemeldet. Das bestätigte Ralf Hohoff, Leiter des Stadtmarketings, dem WA. Damit ist das Restaurant im Weetfeld Geschichte.

Auf der Internetseite des Landgasthofs sieht alles noch so aus, als sei nichts gewesen: Fotos zeigen den Saal mit festlich gedeckten Tischen, kunstvoll angerichtete Speisen. Wer allerdings auf „Tisch reservieren“ klickt, erhält eine Fehlermeldung – die Mausefalle ist geschlossen. Auf dem Anrufbeantworter läuft eine automatische Ansage, dass die Eigentümer das Restaurant krankheitsbedingt aufgegeben haben. Mit dem WA wollten die Eigentümer nicht sprechen.

Das Gebäude soll am 25. Oktober zwangsversteigert werden. Das steht auf der Internetseite des Landes NRW zu Zwangsversteigerungen. Ein Gutachter habe den Verkehrswert des Gasthofs mit Inventar auf 280.000 Euro taxiert, heißt es dort weiter. „Das Gewerbe ist Ende Juli abgemeldet worden“, sagt Hohoff.

Trends erschweren Arbeit

Die Mausefalle entstand einst als Getränkeausschank, der an einen Warenhandel angeschlossen und 1860 eröffnet worden war. Die Eigentümer bauten den Ausschank zur Wirtschaft aus, gestalteten sie um, doch die Wirtschaft brannte nieder. Sie wurde neu aufgebaut. 1937 kaufte die Familie den Gasthof, die ihn über mehrere Generationen bis zu diesem Juli geführt hat.

Hohoff erklärt, dass es in der Gastronomie mehrere Trends gebe, die Restaurantbetreibern in Hamm die Arbeit erschwerten. „Es gibt den Trend zum Cocooning, viele Menschen bleiben zu Hause, treffen sich hier mit ihren Freunden“, sagt er. Um doch Gäste zu gewinnen, versuchten viele Restaurants, ein besonderes Erlebnis zu bieten. So schafften viele Restaurants vor ein paar Jahren 800-Grad-Öfen an.

Bedauern über Schließung

„Inzwischen gibt es so einen Ofen aber schon für 299 Euro im Baumarkt, sodass sich jeder das Ding für zu Hause kaufen kann“, sagt Hohoff. Damit müssten die Gastronomen wieder ein neues Erlebnis schaffen. Gerade für mittelständische Betriebe sei es schwierig, da mitzuhalten.

Erich Manthey, zweiter Bezirksvorsteher aus Pelkum, bedauert das Aus des Traditionsbetriebs. „Die Restaurants werden immer weniger“, sagt er. Gemessen daran, dass mehr als 19.000 Menschen im Stadtbezirk leben, gebe es wenige Restaurants. „Das ist ein Problem für die Leute. Die Wege werden immer weiter. Wenn sie in ein Restaurant wollen, müssen sie oft mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln fahren“, sagt Manthey.

Auch Mathey selbst war schon Gast in der Mausefalle, feierte dort vor wenigen Jahren seinen Hochzeitstag. „Uns hat es damals gut gefallen. Ich finde das sehr schade“, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare