Wegweisender Weg nach Heessen

Nach einem FSJ in der Barbaraklinik weiß Dana Karalus, was sie kann und was sie will

Dana Karalus hat im Freiwilligen Sozialen Jahr auch etwas über sich gelernt.
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Das Menschliche ist ihr doch näher als das Technische: Dana Karalus hat im Freiwilligen Sozialen Jahr nicht nur inhaltlich Wichtiges im Bereich der Krankenpflege gelernt, sondern auch etwas über sich selbst.

Für Dana Sue Karalus war es wegweisend, dass sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Barbaraklinik in Heessen entschied. Es prägte ihren weiteren Ausbildungs- und damit Lebensweg – und die heute 23-Jährige hat vor allem etwas über sich selbst gelernt.

Hamm - Gegen Ende ihrer Schullaufbahn am Galilei-Gymnasium wollte die Abiturientin auf jeden Fall etwas mit Medizin machen – ihr Berufsfavorit war die „Operationstechnische Assistentin“ (OTA). Das Technische, glaubte sie, liege ihr mehr als das Menschliche. Sie bewarb sich – und bekam erst mal eine Absage. „Ich habe mich dann für ein FSJ in der Barbara-Klinik entschieden“, sagt Karalus, „vor allem, um Erfahrungen zu sammeln, aber auch, um mich dort bekannt zu machen.“ Das hat geklappt, im Anschluss konnte sie wählen: Pflegefachfrau oder OTA. Sie entschied sich, anders als sie es ein Jahr vorher getan hätte, für die Pflege.

Der erste Tag im FSJ: Dana Karalus kann sich noch genau erinnern. Sie sei herzlich aufgenommen worden auf einer Station für Gynäkologie, also Frauenheilkunde, und allgemeiner Chirurgie. Die Kollegen hätten ihr alles gezeigt, und dann wurde sie noch über den üblichen Gang der FSJ-Dinge informiert: Sie hatte an jedem Tag dieses Jahres eine Bezugspflegekraft, und sie sollte in aller Regel Frühdienste machen, auch am Wochenende: „In der Frühschicht gibt es für FSJler mehr zu tun.“

FSJ in Hammer Klinik: Einblick in kompletten Stationsallltag

Beginn: 6.45 Uhr. Übergabe: 7 Uhr. Karalus lernte, die „Vitalzeichen“ Puls, Blutdruck, Temperatur und Atemfrequenz zu messen – das wird bei jedem Patienten morgens gemacht. Sie lernte, die Patienten bei der Körperpflege zu unterstützen, und falls nötig, selbst zum Waschlappen zu greifen. Sie lernte, immobile Patienten zu lagern und bei der Bewegung zu unterstützen.

Und sie sah bei vielen Tätigkeiten zu und durfte manchmal unter Aufsicht und Anleitung die eine oder andere davon anwenden. Dazu gehörten der Verbandswechsel, auch bei Brustkrebs-OPs, die Non-Touch-Technik bei Verbänden und die verschiedenen Drainagen. Zuschauen durfte sie auch mal bei Operationen oder beim Blutabnehmen des Arztes. Kurz: Sie hatte Einblick in den kompletten Alltag einer Station.

FSJ in Hammer Klinik: Gespräche, die prägen

Bei Dana Karalus aber blieben andere Eindrücke hängen. Das Gespräch mit einer Patientin zum Beispiel, die im Begriff war, zum Sterben das Hospiz aufzusuchen. „Wir haben gar nicht über den Tod gesprochen“, sagt die 23-Jährige, „sondern über Nachbarn, ihren Sohn, den Alltag, über das Leben, das sie geführt hat.“ Die Patientin habe sich weniger Sorgen um sich selbst gemacht, mehr um ihre Familie. Oder es gab eine jüngere Krebspatientin, die ihr verkündete: „Ich heirate erst, wenn ich wieder Haare habe.“ Karalus: „Die Patientin ist dem Leben gegenüber immer positiv geblieben, hat Kleinigkeiten genossen und Späße gemacht.“

Anstrengenden Kontakt gab es auch – die demenziell erkrankte Patientin, die verbal aggressiv wurde oder andere, die die Arbeit nicht respektierten, die Pflege nun mal ist. Auch den Tod von Patienten hat sie erlebt. „Ich war dann traurig, aber zuweilen auch erleichtert für die Menschen, dass es endlich vorbei ist“, sagt sie.

FSJ in Hammer Klinik: Belastende Corona-Zeit

Und das hätte sie vorher nicht gedacht: Dass der Kontakt mit den Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden, ihr so wichtig, ja geradezu zentral wird. Selbst in den Corona-Monaten, den letzten ihres Freiwilligen Sozialen Jahres, hat sie Zeit gefunden, mit den Menschen zu sprechen. „Die Corona-Zeit war schon sehr belastend für uns alle“, sagt sie.

Ihre dreijährige Ausbildung hat sie gerade abgeschlossen – und sie hat nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr zwei Angebote der Barbara-Klinik auf dem Tisch gehabt: die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin (OTA) und die zur examinierten Pflegefachfrau. Die OTA kam nicht mehr wirklich infrage, denn Dana Sue Karalus hat gemerkt: Das Menschliche ist ihr doch näher als das Technische. Sie will mehr Kontakt zu den Menschen, als bei ihrem ursprünglichen Berufswunsch. Da hat sie etwas über sich gelernt.

Zur Person

Dana Sue Karalus, Jahrgang 1997, hat ihr Abitur am Galilei-Gymnasium gemacht, ließ ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Barbara-Klinik folgen und entschied sich dann für eine Ausbildung zur Pflegerin. Diese Ausbildung hat sie gerade abgeschlossen. Künftig arbeitet sie in der Intensivpflege.

Das FSJ-Zertifikat

Die St. Barbara-Klinik ist mit einem FSJ-Zertifikat ausgezeichnet worden, das der INVIA Diözesanverband Paderborn für Mädchen- und Frauensozialarbeit vergibt. „Es werden vorgegebene Standards eingehalten – ob im Arbeitsalltag einer Klinik, von der Bewerbung mit Hospitation, über die Einarbeitung, bis zum Abschied nach meist einem Jahr“, begründet Dominik König von der Betreuungsstelle des Caritasverbandes Hamm die Auszeichnung, „bei der Suche nach einem geeigneten Einsatzort ist das ein wichtiger Hinweis für die jungen Menschen, die sich ein Jahr freiwillig engagieren wollen.“ Das Zertifikat belegt, dass der Betrieb, in dem die Freiwilligen eingesetzt sind, das FSJ als Bildungsjahr versteht, und die jungen Menschen bei der Persönlichkeitsbildung, bei der möglichen Berufsfindung und dem Wunsch nach sozialem Engagement unterstützt. Jens Alberti, Pflegedirektor der St. Barbara-Klinik, hat dieses Zertifikat entgegengenommen. „Der Einsatz der FSJler ist ein großer gegenseitiger Gewinn“, sagt er, „die Unterstützung durch junge Menschen ist für uns unverzichtbar. Und im Gegenzug lernen die FSJler eine Menge und entwickeln sich auch i

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