Nach Fahrstuhlausfall: Hammerin ist für zwei Monate im fünften Stock gefangen

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Im Wohnhaus der Wohnungsbaugesellschaft LEG an der Maximilianstraße 6 ist der Fahrstuhl defekt. Die Reparatur soll voraussichtlich bis Ende Juni andauern. Pauline Ilchmann wohnt hier im fünften Stock – und ist dringend auf den Fahrstuhl angewiesen.

Hamm - Am 1. Mai ist in der Maximilianstraße 6 in Werries – ein Haus der Wohnungsbaugesellschaft LEG – der Fahrstuhl ausgefallen. Kein Problem für die Bewohner, die noch gut zu Fuß sind und die Treppe nutzen können. Pauline Ilchmann gehört aber nicht zu diesen Menschen.

Sie bewohnt eine Wohnung im fünften Stock, ist adipös und gehbehindert, also dringend auf den Fahrstuhl angewiesen. Ende Juni sei dieser wieder funktionstüchtig, heißt es seitens der LEG. Die 80-Jährige weiß nicht weiter. „Ich sitze hier oben fest.“ Problematisch sei nicht nur, dass Ilchmann nun für gut zwei Monate ihre Wohnung nicht verlassen kann, sprich auch nicht ihre Wäsche in den Keller bringen oder einkaufen gehen kann, sondern auch, dass sie eine Reise zusammen mit ihrem Pflegedienst Harmonie gebucht hat – und die sollte am Wochenende beginnen.

Dies sei von langer Hand geplant gewesen, erklärt Stefanie Dünn, Geschäftsführerin des Pflegedienstes. Der Pflegedienst habe nicht die Mittel, Frau Ilchmann über fünf Stockwerke nach unten zu tragen. Doch wer springt in einem solchen Fall ein? Dünn und Pflegedienstleiterin Katrin Morawitzky begannen, „Land und Leute verrückt zu machen“, wie sie sagen: Zuerst die Feuerwehr, die Malteser und dann den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

Transport schwierig

„Die Feuerwehr sagte beim ersten Telefonat, wir müssten uns an private Transportunternehmen wenden“, sagt Morawitzky. Dort kamen die zwei Frauen allerdings auch nicht weiter. „Die Malteser sagten uns, man hätte nicht die benötigten Mittel. Der ASB verwies auf ein spezielles Gerät für solche Situationen. Das wäre wohl geordert, aber noch nicht im Besitz der Einsatzkräfte und benötigte wenn dann auch geschulte Kräfte für den Einsatz“, sagt Morawitzky. Mehrere Tage lang klemmten sich Dünn und Morawitzky hinter das Telefon, kümmerten sich auch privat um eine Lösung.

Dabei ging es nicht alleine um die geplante Urlaubsreise, sondern um mögliche Lösungen für den gesamten Zeitraum. „Es ist unzumutbar, sie zwei Monate in ihrer Wohnung gefangen zu halten“, sagt Dünn. Sie macht der LEG einen Vorwurf. Die habe die Mieter nicht über den defekten Fahrstuhl informiert und keine Lösung angeboten. Mischa Lenz, Pressesprecher der Wohnungsbaugesellschaft, sagte dem WA, der Fall sei ihnen bekannt. Man wolle schnellstmöglich Aushänge austeilen und die Mieter über mögliche Einkaufsdienste informieren.

Feuerwehr rettet den Urlaub

Ebenso führe man bereits persönliche Gespräche mit den Mietern. „Wir nehmen das definitiv ernst und möchten uns auch darum kümmern“, erklärt der Pressesprecher. Die LEG würde anfallende Transportkosten übernehmen. Doch das hilft nun einmal nicht, wenn niemand den Transport durchführen möchte. Im Fall der Urlaubsreise haben Dünn und Morawitzky doch noch eine Lösung gefunden. Auch, wenn die Feuerwehr normalerweise in solchen Fällen nicht zum Einsatz kommt, hat sie sich in diesem besonderen Fall letztendlich doch eingeschaltet.

„Grundsätzlich sind wir für solche Einsätze nicht zuständig, da es sich um keinen Unglücksfall oder offensichtlichen Notstand handelt“, erklärt Wolfgang Rumpf von der Feuerwehr Hamm. In diesem Einzelfall wolle man der Dame allerdings ermöglichen, ihren geplanten Urlaub wahrzunehmen. Die Kostenfrage für den Einsatz sei geklärt, die LEG übernehme, wie versprochen, die Kosten. Wie Ilchmann in Zukunft ihre Einkäufe erledigen und Wäsche waschen soll, ist noch nicht geklärt. Zwar käme einmal am Tag eine Pflegekraft zu ihr, doch die kaufe normalerweise nicht für sie ein.

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