Verhängnisvolle Kettenreaktion mit blutigen Folgen

Nach Gewalt-Eskalation in Hammer Innenstadt noch viele Fragen offen

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Unübersichtliche Lage: Weil wiederholt Angehörige beider Lager dazukamen, setzte die Polizei zahlreiche Kräfte ein.

Nicht mehr in Lebensgefahr schweben die beiden Männer, die während einer Auseinandersetzung am Freitagabend an der Königstraße/Ecke Antonistraße verletzt wurden. Viele Fragen rund um die Auseinandersetzung sind noch nicht beantwortet.

Hamm – Die beiden Männer, die während einer Auseinandersetzung am Freitagabend an der Königstraße/Ecke Antonistraße lebensgefährlich verletzt wurden, schweben nicht mehr in Lebensgefahr. Das teilten die Staatsanwaltschaft Dortmund und die Polizei Dortmund, die inzwischen wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt, in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Die Verletzungen der Männer waren Folgen einer verhängnisvollen Kettenreaktion: Zunächst hatten drei Syrer (16, 19 und 23 Jahre alt) im Hausflur auf ihren 40-jährigen Nachbarn mit türkischen Wurzeln eingeprügelt. Der erlitt dadurch unter anderem mehrere Hämatome im Gesicht. Wegen dieser Auseinandersetzung rückte die Polizei mit mehreren Streifenwagen an. Die Syrer wurden festgesetzt, der 40-Jährige ließ sich in einem Rettungswagen behandeln.

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Messer mit Zigarette

Die Versorgung seiner Wunden unterbrach er dann nach WA-Informationen, „um eine Zigarette zu rauchen“. Statt zum Glimmstängel griff er in seiner Wohnung aber nach einem Messer, kehrte auf die Straße zurück und stach mehrfach auf den 16-Jährigen ein. Daraufhin wurde er von einem Polizeibeamten – offenbar aus nächster Nähe – mit dessen Dienstwaffe angeschossen.

Warum der 40-Jährige überhaupt mit einem Messer bewaffnet nah genug an den 16-Jährigen herankam, um ihn schwer in der Bauchregion, am Oberschenkel und am Arm zu verletzen, ist unklar. „Einer der Polizeibeamten versuchte vergeblich den 40-Jährigen aufzuhalten“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft dazu lediglich mit. „Nur durch den Einsatz der Dienstwaffe seitens eines Polizeibeamten konnte er von weiteren Stichen auf den Jugendlichen abgehalten werden.“

Hubschrauber im Einsatz

Zu diesem Zeitpunkt waren bereits immer mehr Beamte zur Königstraße geeilt. In der Spitze waren bis zu zehn Polizeiautos vor Ort. Ein Hubschrauber wurde ebenfalls eingesetzt. Auch, weil laufend Personen aus den zerstrittenen Lagern dazukamen und die Lage unübersichtlich war. Passanten beobachteten die Geschehnisse von verschiedenen Ecken aus.

Dass Beamte im Dienst ihre Waffe ziehen müssen, kommt äußerst selten vor. Dass dann ein Schuss abgegeben wird, ist seit vielen Jahren in Hamm nicht mehr passiert. Der Polizist wurde noch am Abend betreut. Inwieweit – zumindest pro forma – auch gegen ihn ermittelt wird, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

Worum ging es eigentlich?

Auch die Hintergründe der offenbar schon seit Monaten schwelenden Streitigkeiten unter den Nachbarn sind noch unklar. Nach WA-Informationen ist einer der an der Auseinandersetzung Beteiligten erst kurz zuvor aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ob der Klinik-Aufenthalt mit dem Konflikt in Verbindung steht, ist nicht bekannt.

Wie viele Personen am Freitagabend festgenommen worden sind und gegen wie viele Personen nun ermittelt wird, teilten Staatsanwalt und Polizei nicht mit.

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