Der Chemieriese und sein Standort in Uentrop

Mit Optimismus durch eine „Katastrophe“: Nach Lockdown und Breakdown erhöht DuPont das Tempo

DuPont in Hamm-Uentrop Werkleiter Hubertus Gentes mit Auszubildenden
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Aus Uentrop in die Autos: Werkleiter Hubertus Gentes zeigt Auszubildenden ein Bauteil, das aus Kunststoff vom Standort Uentrop gefertigt worden ist.

Die weltweite Corona-Krise macht auch einem (Chemie-) Riesen wie DuPont zu schaffen. Das Werk in Uentrop ist für seine Flexibilität bekannt. Das half, um durch die bisherige Pandemie zu kommen und sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen.

Uentrop – Vor zwei Jahren ging der Kunststoffspezialist als neue DuPont aus der Chemieriesen-Fusion mit Dow hervor. Optimistisch. Dann kam die Corona-Pandemie. Den Optimismus hat Werkleiter Hubertus Gentes nach Lockdown und Kurzarbeit bewahren können. Torsten Haarmann sprach mit ihm über die Herausforderungen der Coronazeit und des Marktes sowie über die DuPont, die sich auch nach 52 Jahren immer noch als Motor für die Industrieansiedlung im Osten der Großstadt versteht.

Arbeitssicherheit wird bei DuPont groß geschrieben. Wie läuft die Corona-Schutzimpfung bei Ihnen?
Die Beteiligung ist klasse. Sobald der Gesetzgeber grünes Licht gegeben hatte, waren wir in unserem Werksarztzentrum, das uns vorher schon bei den Schnelltests unterstützte, vorbereitet und machten im Juni Impfangebote. Das ging nicht nur an die Duponter, sondern an alle Beschäftigten des Standorts. Wir haben über 360 Erstimpfungen. Darüber hinaus haben sich etwa 40 Prozent aller Beschäftigten im Industriepark selbst um einen Impftermin gekümmert. Es gibt nur ganz wenige, die nicht dabei sind, zum Beispiel aus Schwangerschaftsgründen. Ich denke, mit der zweiten Impfkampagne im August sind wir mit der Sache durch.
Wie gehen Sie darüber hinaus mit der Corona-Krise um?
Zugute kommt uns unsere Sicherheitskultur. Für uns im Chemiebereich ist das Tragen von Schutzkleidung nichts Neues. Wir haben von Anfang an in Absprache mit unserem Betriebsrat und den anderen Standortleitern Maßnahmen eingestielt und konsequent umgesetzt. Schon im Mai vergangenen Jahres schlossen wir eine Betriebsvereinbarung ab, auch zum Homeoffice, wo wir in Spitzenzeiten weit mehr als 100 Beschäftigte hatten. Homeoffice bleibt auch nach der Pandemie ein Thema. Wir haben seit mehr als einem Jahr wöchentliche Krisen-Meetings. Wir reflektieren, wie die Maßnahmen angenommen werden. Das läuft hier in Uentrop richtig gut.
Ein Beispiel bitte.
Die Mitarbeiter steigen aus dem Auto aus und tragen die Maske auch noch, wenn sie durch das Drehkreuz gehen, obwohl sie sie mittlerweile im Freien abnehmen dürften.
Gab es Corona-Infizierte im Betrieb?
Wir haben Corona vor dem Werkstor gehalten. Wir hatten nur wenige Infektionen. Und die waren alle im privaten Bereich.
DuPont ist dennoch von Corona getroffen worden. Ein Hauptabnehmer Ihrer Produkte ist die Autoindustrie. Der ist es nicht gut ergangen. Wie machte sich das bei Ihnen bemerkbar?
Im vergangenen Jahr war es eine, gelinde gesagt, Katastrophe. Im Mai machten wir zügig eine Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit, aus der wir erst seit diesem Monat wieder raus sind. Wir erlebten vergangenes Jahr einen bis dahin nie dagewesenen Einbruch in der Automobilindustrie mit Umsatzrückgängen von bis zu 80 Prozent. Das hat sofort auf unsere Produktion durchgeschlagen. Weltweit haben wir alle Polymer-Anlagen abgestellt. So was habe ich in meiner mehr als 30-jährigen Betriebserfahrung noch nicht so erlebt.
Wie ist die Situation jetzt?
Die hat sich deutlich verbessert. Die Nachfrage im ersten Quartal war hervorragend. Wir sind aber dann von dem Corona-Lockdown in den Logistik-Breakdown gekommen. Die kompletten Lieferketten waren unterbrochen. Das betraf Rohmaterialien, Zusatzstoffe, Verpackungen. Dazu kam noch ein Hurrikan an der Golfküste und das steckengebliebene Schiff im Suezkanal. Wir konnten trotz einer starken Nachfrage wie auf Vor-Corona-Niveau, insbesondere im Automobilbereich in Asien und Pazifikraum, nicht alles liefern.
Sie machen dennoch einen optimistischen Eindruck.
Ich sehe unsere Situation vor allem positiv. Die Kurzarbeit hat uns geholfen, alle Arbeitsplätze am Standort zu sichern. Hinzu kommt die anhaltend starke Flexibilität unserer Mitarbeiter. Wir gehen davon aus, dass sich die Rohmaterial-Situation im Laufe des Jahres deutlich entspannt. Wir sehen das an unseren Produktionszahlen, die wieder in Richtung normal gehen. Es sieht sehr gut aus. Wir haben gefüllte Auftragsbücher.
Vor zwei Jahren waren Investitionen ein Thema. Was ist damit?
Wir mussten erst einmal durch das vergangene Jahr kommen. Aber an unserer Strategie haben wir nichts geändert. Uentrop bleibt ein strategischer Standort für die Polyamid-Produktion in der DuPont und auf dem Weltmarkt. Wir investieren. Es laufen mehrere Projekte.
Inwiefern wirkt sich die Neuausrichtung der Autoindustrie darauf aus?
Perspektivisch ändert sich die Marschrichtung in der Autoindustrie deutlich. Die großen Automobilisten haben bereits erklärt, bis wann sie die Verbrenner-Produktion einstellen wollen und nur noch Elektro- und Hybridfahrzeuge produzieren. Das schlägt auf unsere Produktion und auf unseren strategischen Ansatz durch. Batterien und Brandschutz sind Themen, wie auch das Fahrzeuggewicht. Je leichter ein E-Auto ist, desto weiter kommt es. Wir sind so clever und flexibel, dass wir dazu die richtigen Produkte entwickelt haben und auf die speziellen Anforderungen der Kunden reagieren können.
Nur für die Autoindustrie?
Nein, wir wollen uns auch andere Märkte erschließen. Corona hat uns Möglichkeiten eröffnet, zum Beispiel im Bereich Kanülen und Verpackungsmaterial. Die wollen wir noch mehr nutzen, auch um die Abhängigkeit von der Automobilindustrie aufzubrechen. Für unseren Standort sieht das daher sehr gut aus. Wir haben Produktionsvolumen aus anderen Standorten nach Uentrop verlagert. Andere Standorte profitieren auch, etwa im Gesundheitsbereich. Der beliefert zum Beispiel alle großen Impfstoffhersteller mit Silikonschläuchen für die Corona-Impfstoffproduktion.
… eine „gesunde“ Produkt-Mischung. Heute werden aber auch Beiträge zur Nachhaltigkeit und zum Klimaschutz verlangt. Was macht DuPont?
Sustainability (Nachhaltigkeit) war und ist das Thema schlechthin. Unsere Investoren legen großen Wert darauf. Auch die Kunden erwarten das von Zulieferern. Umweltschutz darf kein Lippenbekenntnis sein, sondern muss betrieben werden. Das gilt für unsere Produkte. Ihr niedriges Gewicht führt dazu, dass der CO2 -Fußabdruck weniger wird. Das gilt auch für die Herstellung. Es geht um weniger CO2-Emissionen und Recycling. In mehreren Bereichen sind wir schon stark. Bei der zyklischen Wiederverwendung etwa von Autoteilen sind wir dabei. Der große Durchbruch, dass müssen wir ehrlich sagen, ist noch nicht erfolgt. Wer ihn schafft, wird auf dem Markt die Nase vorne haben. Wir als DuPont haben uns neun Sustainability Goals (Nachhaltigkeitsziele) bis 2030 gesetzt. Die 60 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien schaffen wir jetzt schon. Bis 2050 wollen wir klima- und CO2 -neutral arbeiten.
Da trifft es sich, dass gleich nebenan eine großtechnische Elektrolyseanlage entstehen soll. Inwiefern kann DuPont ins Hammer Zukunfts-Projekt grüner Wasserstoff einsteigen?
Das kommt auf das Angebot an. Bisher sind wir noch nicht angesprochen worden. Insgesamt ist Wasserstoff ein interessantes Thema. Das Konzept würde ich mir gerne anschauen.
Was immer die Wasserstoffallianz dafür an Platz braucht, freie Industriefläche wäre noch zu haben. Wie hat sich der K‘Park entwickelt?
Da müssen wir unterscheiden zwischen den Flächen an der Trianel-Straße, die wir schon verkauft haben, und denen, die uns noch gehören. Wir sind vom Begriff K‘Park, K für Kunststoff, weg und sprechen vom I‘Park, I wie Industrie.
Was bedeutet der Namenswechsel?
Es war unser Wunsch, zusätzlich Kunststoffindustrie anzusiedeln. Das hat nicht funktioniert. Wir mussten uns vor nicht langer Zeit mit einem Unternehmen beschäftigen, das durch die Insolvenz ging. Mittlerweile läuft Advansa wieder stabil. Die Arbeitsplätze sind gesichert. Wir haben unser Gelände für andere Industrie geöffnet. Als I‘Park-Betreiber bieten wir Infrastruktur vom Parkplatz bis zur Kantine, Logistik und die Nähe zur Autobahn. Das Angebot hilft uns, Kosten umzulegen und auch anderen, Kosten zu sparen. Wir wollen die freien Flächen nicht einfach verkaufen, sondern Industrie ansiedeln. Das gilt auch für die Fläche südlich der K‘Park-Straße. Wir stehen mit Interessenten in Kontakt.
Was ist der I‘Park heute?
Wir kommen hier auf rund 20 Unternehmen, von einer Handvoll Mitarbeitern bis zur großen Produktion. Im I‘Park sind derzeit mehr als 800 Menschen beschäftigt, davon etwas mehr als 300 Duponter. Größere Produktionsanlagen haben neben uns noch Everlam, Advansa und Dubay. Dazu kommen Kleinunternehmen, vom Gerüstbauer bis zum Maschinenbauer.
Worauf stellt sich DuPont am Standort Uentrop in den nächsten Jahren ein?
Die größte Herausforderung wird sein, den Wandel in der Automobilindustrie auch mit Blick auf die Konkurrenz zu gewinnen. Die Entwicklung auf dem Automarkt tritt fünf Jahre früher ein als noch vor Corona erwartet. Wir werden in den nächsten zwei Jahren Investitionen vorziehen. Damit beschäftigen wir uns heute, damit wir in etwa drei Jahren am Start sind, dann, wenn die Kunden die Produkte brauchen.

DuPont in Uentrop und der ganzen Welt

Aus dem Chemieriesen DowDuPont ist 2019 die neue DuPont de Nemours Corporation (Kapitalgesellschaft ) hervorgegangen. Das Chemieunternehmen mit Hauptsitz in Wilmington (USA) hat rund 23.000 Mitarbeiter in 40 Ländern. DuPont hat 90 Produktionsstätten, 10 globale Forschungs- und Entwicklungszentren sowie 9 globale Innovationszentren. DuPont beschäftigt in Deutschland rund 1.100 Mitarbeiter an 5 Produktionsstandorten sowie 2 Verwaltungsstandorten.

In Uentrop arbeiten derzeit etwas mehr als 300 Beschäftigte. Im DuPont-Werk entsteht unter anderem der Kunststoff Nylon 66 als Basisstoff für die hitzebeständigen Zytel®-Polyamide. Daraus hat DuPont rund ein Dutzend Produktfamilien entwickelt. Durch die Veredelung mit Zusatzstoffen (Additiven) können daraus wiederum unzählige Kunststoffe für die unterschiedlichsten Anwendungen hergestellt werden.

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